Coronakrise

Basler Polizei spürt Lockdown: Nichteinhaltung des «Social Distancing» und Zunahme häuslicher Gewalt

Häusliche Gewalt nimmt in der Coronakrise tendenziell zu. (Symbolbild)

Häusliche Gewalt nimmt in der Coronakrise tendenziell zu. (Symbolbild)

Patrouillieren, Bussen verteilen, bei häuslicher Gewalt einschreiten – ansonsten tote Hose: So ergeht es der Polizei.

Vier Wochen nun ist das öffentliche Leben in der Schweiz weitgehend lahmgelegt. Das verändert auch die Kriminalität. Zwar nimmt die häusliche Gewalt tendenziell zu und die Polizei büsst fleissig Personen, die den Sicherheitsabstand nicht einhalten (siehe bz von Dienstag und Donnerstag vergangener Woche). Bei anderen Deliktarten jedoch ist davon auszugehen, dass sie viel weniger vorkommen, zumindest ausserhalb der eigenen vier Wände, etwa Schlägereien, Drohungen oder Beleidigungen. Nicht zuletzt dürften kaum noch Einbrecher unterwegs sein, und die Zahl der Ladendiebstähle tendiert wohl gegen null, die meisten Geschäfte sind geschlossen.

Und in der Tat: Die Basler Polizei registrierte während der ersten zwei Wochen des Coronalockdowns rund ein Fünftel weniger Fälle, bei denen sie eingreifen musste, als im vergleichbaren Zeitraum der Vorjahre. Das zeigt das Einsatzjournal der Einsatzzentrale. Das Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD) hat die Zahlen auf Anfrage der bz ausgewertet. Es wählte dafür den Zeitraum vom Samstag, 21.März,– dem Tag, an dem das verschärfte Versammlungsverbot abfünfPersonen in Kraft trat– bis und mit Sonntag, 5. April.

Minus 18 Prozent an relevanten Meldungen

In einem zweiten Schritt verglich das JSD die Zahlen mit dem jeweils identischen Zeitraum der Vorjahre. Resultat: 2020 wurden 1208 Fälle gezählt, im Jahr zuvor deren 1470. Der Rückgang beträgt 18 Prozent. 2018 lag die Zahl mit 1469 Fällen fast exakt gleich hoch wie im Folgejahr. 2017 waren es mehr, damals zählte die Einsatzzentrale 1524 Fälle – ein Viertel mehr als dieses Jahr.

Es gibt jedoch einige Unschärfen zu beachten. Die Einsatzstatistik bilde nicht die gesamte Aktivität der Polizei ab, sondern vornehmlich die sogenannten Requisitionen, wie Toprak Yerguz, Mediensprecher des JSD, erklärt. Vereinfacht gesagt, bedeute eine Requisition, dass die Polizei «durch die unmittelbaren Umstände verlangt» werde: Entweder weil eine Person über 112 oder 117 anruft, oder weil Polizisten auf Tour selber feststellen, dass ein Eingreifen erforderlich ist.

Viele beachten Vorgabe zu Social Distancing nicht

«Jegliche Präventions- und Patrouillentätigkeit findet in diesen Zahlen keinen Niederschlag», sagt Toprak Yerguz. «Gerade jetzt ist die Polizei vermehrt auf den Strassen präsent. Das wird in der Statistik des Einsatzjournals nicht abgebildet.» Es handle sich bei der Fallstatistik somit um eine rein quantitative Auswertung der Meldungen. Yerguz: «Sie sagt nichts darüber aus, wie stark die Kantonspolizei Basel-Stadt ausgelastet ist.»

Mit steigenden Temperaturen musste die Kantonspolizei vermehrt Übertretungen gegen die Coronavorschriften des Bundesrats ahnden. Insgesamt waren es, Stand Gründonnerstagvormittag, 565 Ordnungsbussen. Die Mehrzahl davon wurde ausgesprochen, weil die Gebüssten den Sicherheitsabstand nicht einhielten.

Viele Zahlen gibt’s später – oder vorerst gar nicht

Ganz allgemein und ohne eine Statistik als Beleg könne gesagt werden, fügt Yerguz an, dass die Basler Polizei in ihrer täglichen Arbeit seit dem 21.März vermehrt mit dem Thema häusliche Gewalt konfrontiert ist.

Was andere Deliktarten angeht, verweist das JSD auf die Basler Staatsanwaltschaft. Dort heisst es wiederum, man gebe voraussichtlich in den kommenden Wochen Trends bekannt, in welche Richtung sich die Kriminalität bis Ende Jahr bewegen könnte. Aktuelle Zahlen zu einzelnen Deliktarten seien keine erhältlich – also auch nicht zu Einbrüchen oder Ladendiebstählen.

Die gleiche Antwort gibt es aus dem Baselbiet. Auf Anfrage heisst es: «Aktuelle Deliktzahlen geben wir nicht bekannt.» Zur Zahl der Einsätze und der Notrufe heisst es: Man stelle «keine signifikante Veränderung» fest. Das treffe auch auf die Einsätze wegen häuslicher Gewalt zu.

Im Anschluss an die Präsentation der Verkehrsunfall-Statistik am 26.März sagte Stephanie Eymann, Chefin der Verkehrspolizei, zur bz, der Verkehr habe spürbar abgenommen. Das verleite wohl einige zur Ansicht, man müsse die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht mehr einhalten. Adrian Gaugler, Mediensprecher der Baselbieter Polizei, erneuert die Warnung an die Raser: «Leere Strassen bedeuten nicht, dass die Verkehrspolizei Basel-Landschaft nicht ein wachsames Auge auf unsere Strassen richtet.»

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