Tarifverbund

Basler reden Baselbietern beim öV drein

Auf der BLT-Linie 92 (im Bild ein Bus in Bennwil) will der Kanton die Kurse am Wochenende komplett streichen.

Auf der BLT-Linie 92 (im Bild ein Bus in Bennwil) will der Kanton die Kurse am Wochenende komplett streichen.

Der geplante Abbau auf Bus- und Bahnlinien im Oberbaselbiet wird von Basler Politikern heftig kritisiert. FDP-Landrätin Saskia Schenker entgegnet: Für die Pendler werde der öffentliche Verkehr im Baselbiet nicht schlechter.

Die Sparmassnahmen des Kantons Baselland auf regionalen Bus- und Bahnlinien sind nun auch ein Thema in Basel: «Aus städtischer Sicht ist es nicht akzeptabel, wenn kleinere Orte im Baselbiet nach 20 Uhr mit dem öV nicht mehr erreichbar sind», schreibt die Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission des Grossen Rates (Uvek) in ihrem Bericht zum öV-Programm 2018 bis 2021. Für die Uvek widerspricht es dem Sinn und Zweck eines Tarifverbunds, wenn nur grössere Orte mit dem öV gut erreichbar sind, heisst es.

Stadt bringt 50% der Einnahmen

Dass eine Kommission des Basler Parlaments derart deutlich Kritik übt an einem Geschäft des Nachbarkantons, ist ungewöhnlich. Der Zeitpunkt der städtischen Nadelstiche Richtung Baselbiet ist freilich geschickt gewählt: Hinter den Kulissen berät die Bau- und Planungskommission (BPK) des Landrates derzeit den 8. Generellen Leistungsauftrag für den öV – das Baselbieter Pendant des städtischen öV-Programms. Der 8. GLA ist ein heisses Eisen – die Regierung schlägt unter anderem die Stilllegung des Läufelfingerli sowie einen Kursabbau auf mehreren Buslinien vor.

Doch weshalb mischt sich die städtische Uvek in die Baselbieter öV-Debatte ein? 90 Prozent der Einnahmen des Tarifverbunds Nordwestschweiz (TNW) aus U-Abo-Verkäufen stamme von öV-Nutzern aus Basel und den angrenzenden Gemeinden, alleine knapp 50 Prozent aus der Stadt selber, gibt der bisherige Uvek-Präsident und Grünen-Grossrat Michael Wüthrich zu bedenken. Der Abbau des Angebots auf dem Land hat laut Wüthrich direkte Auswirkungen auf die Baslerinnen und Basler: Einerseits, weil dann Pendler vom Land, die in der Stadt arbeiten, versucht sind, aufs Auto umzusteigen. Und anderseits, weil die Städter dann schlechter mit dem öV aufs Land kommen – sei es abends zum Besuch bei Freunden oder am Wochenende zum Wandern oder Schlitteln. «Als Basler stehe ich zum Tarifverbund und zum Einheitspreis beim U-Abo. Aber ich wehre mich dagegen, wenn der Verbund unattraktiv gemacht werden soll», sagt Wüthrich.

Derselben Meinung ist SP-Grossrat Jörg Vitelli: «Wir Städter finanzieren das öV-Angebot im Baselbiet mit. Daher erwarten wir, dass Baselland sein Angebot aufrecht erhält.» Das Umsteigen der Pendler zurück aufs Auto werde neben dem Angebotsabbau dadurch begünstigt, dass die öV-Tarife in den letzten Jahren stark gestiegen seien – im Gegensatz zu den Kosten fürs Autofahren. Vitelli hat für den Spardruck des Baselbiets Verständnis, stellt aber ernüchtert fest, dass im Landkanton bisher kaum Ideen diskutiert worden seien, wie mit innovativen Modellen ein kosteneffizienter öV bereitgestellt werden könne. «Ein Rufbussystem gibt es im Baselbiet im Gegensatz zu anderen Kantonen nirgends», sagt Vitelli.

FDP: «öV wird nicht schlechter»

Die Baselbieter FDP-Landrätin und BPK-Mitglied Saskia Schenker hält die Kritik aus der Stadt für unangemessen. Wer den öV-Leistungsauftrag unter die Lupe nehme, der stelle fest, dass es sich nicht um ein Abbauprogramm handle, sondern um die Konsolidierung eines sehr guten Angebots. «Für Pendler wird der öV im Baselbiet sicher nicht schlechter», sagt sie – im Gegenteil: Im Unterbaselbiet und Laufental seien auf mehreren Tram- und Buslinien Verbesserungen vorgesehen. Mit der geplanten Stilllegung der S9 von Sissach nach Olten, des Läufelfingerli, könne der Kanton Geld sparen – pro Jahr sind es 750 000 Franken – doch ein öV-Abbau sei das bei genauer Betrachtung nicht: «Die zur Diskussion stehenden Varianten für einen Busbetrieb erschliessen die Dörfer besser als die Bahn.»

Der ins Feld geführte Abbau betreffe die Streichung schlecht frequentierter Wochenendkurse auf den Buslinien 91, 92 und 93 im Waldenburger- und Fünflibertal. «Daraus resultiert aber kein grosser Umsteigeeffekt aufs Auto», sagt Schenker. SP-Landrat Jan Kirchmayr ist skeptisch: «Dass die betroffenen Gemeinden am Wochenende vom öV abgehängt werden, ist bloss der Anfang.» Er betont, dass der Kanton das Angebot bereits im laufenden Leistungsauftrag ausgedünnt habe. Nicht «nur» im Oberbaselbiet, sondern auch in der Agglo.

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