Strafgericht

Basler Staatsschützer verurteilt: Er traf sich mit 14-Jährigem im Auto zum Oralsex

(Symbolbild)

Mit dem Auto fuhr der 45-Jährige auf einen Kiesplatz im Oberbaselbiet, dort kam es dann zu Oralsex.

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Ein 45-jähriger Mann traf sich mit einem 14-Jährigen zu einem Sexdating auf einem Kiesplatz im Oberbaselbiet. Der Verurteilte wird nun wohl seinen Job bei der Basler Staatsanwaltschaft verlieren.

«Sali», war der erste Text, den der heute 45-jährige Mann im Januar 2017 dem Minderjährigen auf der Dating-Plattform purplemoon.ch schrieb. Bald plauderte man über Intimes, obwohl der Nickname des Teenagers ein Alter von 15 suggerierte. Tatsächlich war der Chatpartner 14: Sein Geburtsdatum hatte er um acht Wochen vorverschoben. Nach einer ablehnenden Antwort schlug der Jugendliche ein paar Wochen später selbst ein Treffen vor.

Mit dem Auto fuhr der 45-Jährige spätabends auf einen Kiesplatz im Oberbaselbiet, dort kam es dann zu Oralsex. Der 14-Jährige wollte gar noch weiter gehen, dies lehnte der Ältere aber ab. «Er schien mir ein selbstbewusster junger Mann», meinte der 45-Jährige am Freitag im Gerichtssaal des Baselbieter Strafgerichtes in Muttenz.

Die Richter sahen das allerdings anders: Der 14-Jährige traf sich in jener Zeit mit mehreren erwachsenen Männern und hatte mit ihnen Sex. Als er sich einer Freundin anvertraute, erzählte diese ihrer Mutter von den Vorfällen. Diese informierte wiederum die Mutter des 14-Jährigen: Nach einem Krach äusserte er Suizidabsichten und lief von zu Hause davon.

«Es ekelte mich an»

Die Polizei fand ihn schliesslich. Seine Aussagen erlauben einen gewissen Einblick in die Aussichtslosigkeit, die der junge Mann empfand: «Das Leben hat eh keinen Sinn mehr. Ich habe mich mit mehreren Männern zwischen 36 und 44 Jahren getroffen und es war mir egal, dass ich ungeschützten Verkehr hatte. Es ekelte mich aber an», erzählt er. Wer die Männer sind, will er nicht sagen. «Ich will nicht, dass sie bestraft werden.»

So bleibt der 45-Jährige vorläufig der Einzige, der wegen sexueller Handlungen mit einem Minderjährigen vor Gericht steht. Die Sache war unbestritten. Dennoch betonte der Angeklagte mehrfach, ihm sei nicht klar gewesen, dass der Teenager noch nicht 16 gewesen sei.

Am Arbeitscomputer spioniert

Glaubhaft war das allerdings nicht: Schon in den ersten Chats wurde das Alter klar. «Denk draa, ich bin 14, du chöntisch mis Läbe zerstöre», war die Antwort auf einen ersten Vorschlag für ein Treffen. Der letzte Punkt gelte auch umgekehrt, schrieb der 45-Jährige zurück und behielt damit recht.

Besonders brisant: Der Mann arbeitete bis zu seiner Verhaftung im April 2017 in der Fachgruppe neun der Basler Staatsanwaltschaft, der operativen Basler Aussengruppe des Nachrichtendienstes des Bundes. Über seine genaue Arbeitstätigkeit wollte der Mann im Gerichtssaal keine Angaben machen. Momentan ist er freigestellt und bezieht ein Jahresgehalt von 97’000 Franken brutto.

Nach dem Treffen tätigte er von seinem Arbeitsplatz aus diverse Abfragen bei polizeiinternen Datenbanken über den 14-Jährigen. Einen Grund dafür nannte er nicht. Von einem Amtsmissbrauch wollten die drei Richter zwar nichts wissen, weil das Ausnützen von Datenbank-Zugriffsmöglichkeiten nicht darunter falle. Schlussendlich verurteilten die drei Richter den Mann aber zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 10 Monaten wegen sexueller Handlungen mit einem Minderjährigen und des Besitzes von verbotener Pornografie.

Eigentlich angemessen gewesen wären 13 Monate, das Gericht reduzierte das Strafmass aber auf 10 Monate, weil der Mann nun wohl definitiv seinen Job verlieren wird. Dazu kommen Verfahrenskosten von über 10’000 Franken.

Mit der Familie des 14-Jährigen hat sich der Verurteilte aussergerichtlich über Schadenersatz und Genugtuung geeinigt, deren Höhe nicht genannt wurde. Durch die psychologische Betreuung dürften allerdings Kosten in der Höhe von mehreren Tausend Franken entstanden sein. Den Schuldspruch kann der Verurteilte noch weiterziehen.

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