Strassenbau-Projekt

Baudirektorin Pegoraro: «Verkehrs-Anbindung im Bachgraben-Gebiet ist ungenügend»

Der baufällige Hegenheimermattweg wird schon saniert (Archiv-Bild). Doch das Bachgraben-Areal, wo unter anderem der Idorsia-Hauptsitz angesiedelt ist, braucht auch bessere Anbindung an den öV.

Das Bachgraben-Areal ist der wirtschaftliche Hot-Spot der Region. Doch jetzt müsse man in die Verkehrs-Infrastruktur investieren, sagt die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro. Ihr Kollege aus der Stadt stimmt zu.

Die grösste Baselbieter Gemeinde soll einen Autobahn-Anschluss erhalten. Der Kanton Baselland plant, das Entwicklungsgebiet Bachgraben an das Schweizerische Nationalstrassennetz anzubinden. Finanziert würde das Projekt Zubringer Allschwil-Bachgraben (Zuba) vollumfänglich vom Landkanton. Laut dem Vorprojekt kostet die Strasse insgesamt 370 Millionen Franken.

Der Linienverlauf ist ungewöhnlich. Lediglich ein Zehntel der Strasse käme auf Baselbieter Boden zu liegen. Ein Tunnel würde von der Nordtangente bis zum Parkplatz des Gartenbads Bachgraben führen, der am Rand von Basel-Stadt liegt. Danach führt die Strasse gemäss den Plänen der Baselbieter Baudirektion direkt zur Verzweigung Lachenstrasse auf französisches Territorium. Ein weiteres oberirdischen Teilstück würde der Grenze entlang verlaufen. Vorgesehen ist, dass die noch zu bauende Umfahrung Hésingue-Hégenheim an den Zubringer anknüpft.

Die Kantone Baselland und Basel-Stadt präsentierten das Vorhaben an einer gemeinsamen Medienkonferenz in Allschwil. Anwesend waren unter anderem Vertreter von Saint-Louis Agglomération, des Rats des Départements Haut-Rhin, des Bundesamts für Strassen, die Allschwiler Gemeindepräsidentin sowie die Maires von Hésingue und Hégenheim.

«Die Verkehrsanbindung des Gebiets Bachgraben ist ungenügend», sagte Sabine Pegoraro. Gemäss der Baselbieter Baudirektorin ist es «dringend notwendig, dass das Areal ideal erschlossen wird». Ihr Kollege aus dem Stadtkanton betonte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten aus zwei Kantonen und zwei Ländern. «Das Resultat der Vorstudie zeigt eindrücklich, wie wir hier im Grenzraum zusammenarbeiten müssen.» Bei der Erschliessung werde auch an den öffentlichen Verkehr und an den Langsamverkehr gedacht.

Franzosen müssen mitspielen

Bei der Linienführung gilt es allerdings noch wichtige Punkte zu klären. Die projektierte Strasse hat durchgehend zwei richtungsgetrennte Spuren und misst rund eineinhalb Kilometer. Gemäss Vorstudie liegen rund 600 Meter im Elsass, die neue Strasse würde die Rue de Bale ersetzen.

Ob aber tatsächlich auf französischem Territorium gebaut werden kann, ist noch nicht klar, wie Pegoraro gestern einräumte: «Es stehen Verhandlungen an. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir Erfolg haben.» Die Rückfallebene wäre, die Strasse um ein paar Meter auf Schweizer Boden zu verlegen. Doch das würde rund 50 Millionen Franken teurer, wie Pegoraro ergänzte: «Es müssten Grundstücke enteignet und Gebäude abgebrochen werden. Auch wäre der Landpreis höher.»

Der Zeitplan sieht vor, dass der Landrat im 1. Quartal 2020 über den Projektierungskredit entscheidet. Die Planauflage würde 2022 folgen, Baubeginn wäre 2024. Bei den 370 Millionen Franken für das Gesamtprojekt, Mehrwertsteuer inklusive, kalkuliert der Landkanton eine Abweichung von 20 Prozent mit ein.

Mehrere Projekte in peto

Die beiden Basel haben mit dem Projekt eine Art Aufgabenteilung vereinbart. Zwar kostet den Stadtkanton der Tunnel auf seinem Gebiet nichts (siehe Interview unten), doch hat Basel-Stadt bei der Planung der Erschliessung mit dem öV die Federführung. Ziel ist, dass künftig zwei Tramlinien das Bachgraben-Gebiet bedienen: eine von Südosten her (Tram Letten), die andere mit der künftigen S-Bahn-Station Morgartenring in Basel als Ausgangspunkt.

Gemäss dem Vorprojekt, dass die Regierungsräte von Baselland und Basel-Stadt am 8. Mai verabschiedet haben, kommt der Stadtkanton für die Kosten der Planung der Tramverbindung Bachgraben auf.

Im Raum Basel sind mehrere Ausbauten der Hochleistungsstrassen-Infrastruktur vorgesehen. Zum einen soll ein neuer Rheintunnel die Osttangente entlasten, auch ist der Gundelitunnel wieder im Gespräch, der die A 2 in Basels Osten in Richtung Westen weiterführen würde. Im November 2018 stellten beide Basel das Projekt Westring vor. Eine neue Autobahnspange soll am Gundelitunnel anknüpfen und bis zur Nordtangente führen.

Laut Hans-Peter Wessels hat der Bund die beiden Vorhaben Westring und Zubringer Allschwil voneinander entkoppelt. Kompatibel wäre der Zubringer jedoch mit einem geplanten «Tunnel Allschwil»: Er soll Allschwil mit Binningen verbinden.

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