Abstimmung

«Bauen die Röhre nicht für jene, die ins Tessin zu ihrem Ferienhaus wollen»

Der Bau einer zweiten Röhre soll ermöglichen, dass während der Sanierung des Tunnels von 1980 Autos durch den Gotthard fahren können.

Der Bau einer zweiten Röhre soll ermöglichen, dass während der Sanierung des Tunnels von 1980 Autos durch den Gotthard fahren können.

Ohne zweite Röhre am Gotthard drohe in der Region Basel ein Verkehrschaos, sind die Wirtschaftsverbände sowie die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro überzeugt. Auch deshalb, weil eine grosse Verladestation für Camions gebaut werden müsste.

Am 28. Februar wird das Stimmvolk auf eidgenössischer Ebene über den Bau einer zweiten Röhre am Gotthard entscheiden. Ein zweiter Strassentunnel soll es ermöglichen, die alpenquerende Nord-Süd-Verbindung aufrecht zu erhalten, während der 1980 eröffnete Tunnel saniert wird. Am Montag machten Vertreter von Wirtschaftsverbänden sowie die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) in Liestal deutlich, weshalb die zweite Gotthardröhre auch aus Nordwestschweizer Sicht nötig sei.

20 Fussballfelder gross

Der Gotthard scheine weit weg, führte Pegoraro aus. «Aber wenn nicht dort nicht die richtigen Massnahmen getroffen werden, dann haben wir hier in der Nordwestschweiz ein Verkehrschaos». Dies gelte es zu vermeiden. Doch weshalb würde der Verzicht auf die zweite Röhre ein Chaos im Raume Basel nach sich ziehen?

Damit trotz Sperrung Güter über die Alpen transportiert werden können, würde dann womöglich die sogenannte lange Rollende Landstrasse (Rola) eingerichtet. Dafür brauche es aber Verladestationen sowie Warteräume für Lastwagen. «Diesen Platz haben wir in der Region Basel schlicht nicht», ist Pegoraro überzeugt. Als möglicher Standort für eine solche Verladestation käme der Basler Güterbahnhof Wolf infrage. Die dazu nötige Fläche, dies zeigten Beispiele aus dem Ausland, wäre bis zu 20 Fussballfelder gross. 

Zudem würde die Rola in der Region Basel für massiven Mehrverkehr sorgen. Dies laut Pegoraro, weil dann etwa Camions aus Delémont oder Solothurn zuerst nach Basel fahren müssten, um dort auf die Züge verladen zu werden. Von einer «zweifelhaften Idee», die nicht durchdacht sei, sprach Christoph Buser, der Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer. Mit der Rola müsste wohl das geltende Nachtfahrverbot geritzt werden, ausserdem sei diese bei gerechneten Kosten von 3 Milliarden Franken unverhältnismässig teuer. «Letztlich ist die Rollende Landstrasse eine Nebelpetarde, die das Problem verschärft», sagte Buser. Er stellte klar, dass es am Gotthard nicht darum gehe, jene Autofahrer zu begünstigen, die schnell zu ihrer Zweitwohnung im Tessin fahren wollen.

Belchentunnel als gutes Beispiel

Das Beispiel Belchentunnel der A2 zeige, dass eine Sanierung mittels zusätzlichem Tunnel sinnvoll sei, führte Hans-Ulrich Bigler, der Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes, ins Feld. Die dritte Röhre am Belchen sei denn auch weitgehend unbestritten. Er frage sich, weshalb dasselbe nicht für den Gotthard gelte, wo doch der Bau der dortigen Sanierungsröhre mit 119 Millionen Franken pro Kilometer günstiger zu stehen komme als am Belchen mit 156 Millionen.

Marcel Schweizer, Präsident des Basler Gewerbeverbandes, wies auf die grosse Bedeutung einer funktionierenden Nord-Süd-Achse für die Wirtschaft hin.  Rund ein Fünftel des Schweizer Aussenhandels über die Tessiner Landesgrenzen erfolge mit der Nordwestschweiz; die Unternehmen aus den beiden Basel und dem Jura hätten 2014 Waren im Wert von 1,3 Milliarden Franken nach Italien geliefert. «Der Gotthard-Strassentunnel ist hierbei von entscheidender Bedeutung», sagte Schweizer. Staus und Sperrungen am Gotthard schwächten demnach auch die Wirtschaft in der Region Basel. Dies gelte erst recht, wenn es wegen nachgelagerter Probleme zu einem Verkehrschaos in der Region Basel komme. 

Meistgesehen

Artboard 1