Trockenheit

Bauern verfüttern Wintervorräte und überlegen sich, Kühe zu schlachten

Die Weidewiesen im Baselbiet sind abgegrast, und wegen der Trockenheit wird bis Anfang September kaum mehr etwas wachsen. Einige Bauern haben angefangen, ihre Winterreserven zu verfüttern. Hält die Trockenheit an, werden wohl Futterimporte nötig.

Zwar wird derzeit landauf landab gemäht. Doch die anfallenden Grasmengen sind wegen der Trockenheit klein. Andreas Haas, Präsident des Bauernverbands beider Basel und selber Landwirt in Hölstein, sagt: «An den meisten Orten gab es im Frühling und Frühsommer zwei rechte Schnitte. Doch jetzt wird es kritisch, da kaum noch Grünfutter wächst. Deshalb beginnen etliche Bauern, Winterreserven zu verfüttern.»

Doch die Situation lasse sich nicht verallgemeinern, weil die Niederschlagssituation in den vergangenen Wochen lokal sehr unterschiedlich gewesen sei. In Lan- genbruck zum Beispiel habe es am vergangenen Wochenende relativ viel Regen gegeben, bei ihm im zehn Kilometer entfernten Hölstein dagegen kaum. Dazu komme der ausgeprägte Wind in diesem Jahr, der zusätzlich zur Austrocknung der Böden beitrage.

Haas will aber noch nicht von einer heiklen Situation reden. Doch wenn es in den nächsten zwei Wochen keine namhaften Niederschläge gebe, dann werde es prekär. Problematisch sei es auch beim Mais, der wenig Kolben aufweise und damit wenig Ertrag abwerfe. Zur derzeitigen Situation auf seinem eigenen, 19 Hektaren grossen Betrieb mit relativ vielen Weiden und einem Viehbestand von 25 Kühen sagt Haas: «Die Weiden sind abgegrast. Dort wächst bis Anfang September nicht viel nach, auch wenn es regnet. Ich beginne in den nächsten zwei Wochen mit dem Verfüttern von Wintervorräten. Wir haben zum Glück noch Reserven vom vergangenen Jahr.»

Noch ist Schlachtpreis hoch

Dem drohenden Futtermangel steht derzeit auf der positiven Seite ein hoher Schlachtviehpreis für Kühe gegenüber. Dies, so Haas, werde dazu führen, dass der eine oder andere Landwirt seinen Viehbestand reduzieren werde, wodurch verzögert aber auch der Schlachtpreis unter Druck gerate. Hält die Trockenheit an, so heisst die Alternative Futter importieren. Im Vordergrund stehe dabei wie schon in früheren Jahren der Import von Mais und getrockneter Luzerne aus Frankreich. Allerdings, so fügt Haas an, zeichne sich in Europa eine generelle Futterknappheit ab.

Auf dem 70 Hektaren grossen Neuhof zwischen Reinach und Aesch, einem generell eher trockenen Gebiet, ist es vor allem schlecht um den Mais bestellt. Und zwar so schlecht, dass Christian und Susanna Schürch am Dienstag mit dem vorzeitigen, notfallmässigen Silieren des Futtermaises beginnen mussten. Susanna Schürch sagt dazu: «Er hat keine Kolben, ist aber im Moment noch grün und nicht verdorrt. So hat er natürlich einen viel kleineren Nährwert, kann aber wenigstens als Grünfutter verfüttert werden.» Den finanziellen Verlust von 15 000 Franken werde die Versicherung etwa zur Hälfte abdecken, hoffen die Schürchs. Sie haben dieses Jahr zum zweiten Mal eine Trockenheitsversicherung abgeschlossen.

Nach einem sehr guten Schnitt im Frühling fehlt auf dem Neuhof jetzt auch das Gras. Sie würden ihren knapp 50 Kühen derzeit Silage vom Frühling verfüttern, das dann im Winter fehle, sagt Susanna Schürch. Man habe aber noch Vorräte vom letzten Jahr. Zur Konsequenz sagt die Bäuerin: «Wir müssen höchstwahrscheinlich Futter zukaufen und überlegen uns, ob wir die eine oder andere Kuh schlachten sollen.»

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