Die Veranschaulichung der Dimensionen des Bauprojekts solle zur «Versachlichung der Diskussion» beitragen und den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern im Hinblick auf den Urnengang vom 23. September die «effektiven Ausmasse des Baukörpers noch besser (als die Visualisierungen) verdeutlichen», wie der Stadtrat in einer Mitteilung schreibt.

Widerstand des Vereins Pro Ziegelhof

Ob die Visualisierungen tatsächlich schon gut waren, darüber gingen die Meinungen auseinander. Letzte Woche berichtete die bz über den Widerstand des Vereins Pro Ziegelhof, der sich gegen die geplante Überbauung des ehemaligen Bierbrauerei-Areals ausspricht.

Der Verein beklagte, die Stadt würde mit einer «verharmlosenden Visualisierung» in den Abstimmungskampf ziehen. Der neue Bau sei ungleich dominanter, als es in der Visualisierung den Anschein mache. Der Liestaler Stadtrat und Vorsteher des Stadtbauamts, Peter Rohrbach, will nicht von einem «Einknicken» gegenüber dem Verein Pro Ziegelhof sprechen. «Im Zentrum dieser Massnahme steht nicht das Begehren der Opposition. Wir sehen die Bauprofile als Dienstleistung am Stimmbürger.»

Inwiefern Rohrbach dafür eine Notwendigkeit sieht, lässt er zwischen den Zeilen durchblicken. «Die Stimmbürger werden wohl kaum in Karawanen zum Ziegelhof-Areal pilgern, nur weil dort Bauprofile aufgestellt werden.» Die Kosten für die Bauprofile tragen die Steuerzahler. Zu den Ausgaben in fünfstelliger Höhe wäre die Stadt nicht verpflichtet. «Bauprofile sind grundsätzlich erst im Baubewilligungsverfahren durch die Bauherrschaft zu erstellen», schreibt der Stadtrat.

«Wirkung nicht zu vernachlässigen»

Auf der Gegenseite ist man bedacht, den Ball flachzuhalten. «Man muss jetzt nicht triumphieren. Wir sind vielmehr froh darüber, dass sich die Regierung zu diesem Schritt durchringen konnte», sagt Miryam Rettenmund Kluge vom Verein Pro Ziegelhof. Der Verein habe solche Bauprofile mehrmals gefordert. Rettenmund Kluge widerspricht Rohrbach; die Wirkung der Bauprofile sei nicht zu vernachlässigen. «Wohl werden nicht viele eigens zum Ziegelhof-Areal pilgern. Aber es ist davon auszugehen, dass man die Bauprofile von weitem sieht.»

Unterstützung erhalten die Überbauungs-Gegner derweil von den Grünen. Sie verschickten gestern eine Mitteilung, in der sie den Quartierplan zur Ablehnung empfehlen. Das jetzt vorliegende Projekt und die Fixierung auf ein bestehendes Industriegebäude verhinderten eine «ausgewogene Gestaltung» und damit eine «Rücksichtnahme auf die Strukturen der Lindenstrasse».

Diese Haltung ist nicht selbstverständlich, zumal sich die grünen Einwohnerräte im April der Stimme enthielten. Es wurde damals über ein taktisches Manöver spekuliert: Die Grünen hätten Stadtrat Lukas Ott im Wahlkampf ums Stadtpräsidium nicht schaden wollen. Jürg Holinger, Präsident der Grünen Liestal, dementiert: «Wir sind in der Zwischenzeit einfach nochmals über die Bücher gegangen. Eine Stimmenthaltung ist in einem Rat gut möglich, sollte aber dem Stimmbürger nicht empfohlen werden.»