Ortsdurchfahrt

Baustelle belastet Arisdorf – Dorfleben strapaziert, Parteien reklamierten

Der Volg (Bildmitte), aber auch andere Geschäfte in Arisdorf klagen über massive Umsatzeinbussen.

Der Volg (Bildmitte), aber auch andere Geschäfte in Arisdorf klagen über massive Umsatzeinbussen.

Die Bauarbeiten an der Hauptstrasse in Arisdorf haben für Misstöne gesorgt. Jetzt kam es zur grossen Aussprache. Seit Anfang Jahr wird die Ortsdurchfahrt von Arisdorf saniert und umgestaltet. Werk- und Wasserleitungen werden ersetzt und teilweise neu erstellt. Die Bauarbeiten beeinträchtigen das Leben im Dorf massiv.

Neben den Anwohnern hat vor allem das Gewerbe daran zu beissen. Der Spezialitätenbrennerei Ernst Zuber AG machten die Umfahrungsrouten während der Komplettsperrung in den Sommerferien zu schaffen. «Die Umfahrung war eine Katastrophe, die Markierungen richtig schlecht», kritisiert Yvonne Zuber, die ehemalige Betriebsleiterin des Familienunternehmens. «Bei der Kirche kamen die Camions nicht richtig um die Ecke. Wir mussten sie teilweise abholen.»

Auf spontanen Publikumsverkehr ist die Brennerei glücklicherweise nur geringfügig angewiesen. Mehr Mitleid als mit sich selber hat Zuber mit der Hausarztpraxis, dem Volg und dem Bistro Chez Rodolfo, die Investor Rolf Schäfer vor wenigen Jahren für mehr Lebensqualität im Dorf ermöglichte. Die drei Unternehmen sind auf Publikumsverkehr und somit auf Parkplätze angewiesen. Arbeiter am Morgen auf Durchfahrt oder beim Znüni und Zmittag nutzen den Volg und das Chez Rodolfo gerne.

«Wären wir selbstständig, wäre die Existenz bedroht»

Beim Volg sind die Umsätze seit Baubeginn um bis zu einem Viertel zurückgegangen. Zwischen 6 und 9 Uhr morgens war für den Volg traditionell die strengste Zeit des Tages. «Jetzt läuft fast nichts mehr», klagt Filialleiterin Doris Dietwyler. Zu sehr klagen möchte sie aber nicht, auch wenn sie zugibt, dass es auch ihr «stinke». Glücklicherweise habe sie die Volg-Kette im Rücken, deren Chefs Verständnis für die Lage ihrer Filiale in Arisdorf aufbringen. «Wären wir selbstständig, wären wir wohl in unserer Existenz bedroht.»

Auf eigenen Beinen steht das «Chez Rodolfo». Der Ärger über die Bauarbeiten war beim Delegierten des Verwaltungsrats Daniel Oeri gross. Um bis zu 41 Prozent – bei den Mittagessen gar um zwei Drittel – ging der Umsatz seit Baubeginn zurück, meldete er in einem geharnischten Brief dem kantonalen Tiefbauamt. Oeri machte darin klar, dass damit die Existenz des Bistros bedroht sei. Baucontainer und Baumaschinen besetzen die vier Parkplätze vor der Liegenschaft. Auch 19 öffentliche Parkplätze vis à vis, von denen Investor Rolf Schäfer sieben selber finanzieren musste, sind wegen der Bauarbeiten besetzt. Es seien auch mehr, als die fünf der sieben in den Verhandlungen zugesprochenen Parkplätze, stellte Oeri klar. Die übrigen Parkplätze für die Hausarztpraxis, den Volg und das «Chez Rodolfo» würden auch von Anwohnern benutzt, weil diese ihre Fahrzeuge während der Bauphase nicht auf ihren Grundstücken abstellen können. Daniel Oeris Forderung im Schreiben an den Kanton war unmissverständlich: «Totale Räumung des öffentlichen Parkplatzes bis spätestens zum 30. September 2019.» Dass der Kanton auf sein Schreiben nicht einmal reagierte, empörte Daniel Oeri zusätzlich.

Besetzte Parkplätze werden geräumt

Doch am vergangenen Montag kam es zur Wende. Angelo Gatti, Leiter Baulicher Unterhalt beim Tiefbauamt, Projektingenieur Paul Pfister, Gemeindepräsident Markus Miescher und Daniel Oeri trafen sich zur Aussprache. Weil Gatti in den Ferien weilte, konnte er auf den Brief nicht antworten. Dazu kam, dass der verantwortliche Polier ebenfalls in den Ferien war und teilweise neue Bauarbeiter vor Ort waren. So kam es, dass einst getroffene Abmachungen betreffend Parkplätze nicht mehr eingehalten wurden. «Es war schlichtweg ein kommunikatives Problem», erklärt Gatti.

Ab sofort werden nur noch ausschliesslich fünf der 19 Parkplätze vis à vis der Praxis, des Volg und des Bistros für die Baucontainer benützt. Alle Baustellenfahrzeuge sowie die Autos der Arbeiter werden in der Känelmatt oder beim Werkhof abgestellt. Zudem werden unverzüglich die vier Parkplätze direkt vor der betroffenen Liegenschaft geteert und markiert. Daniel Oeri kann damit wieder in eine positivere Zukunft blicken. «Mit einer guten Kommunikation findet man in schwierigen Situationen immer für alle eine Lösung», freut sich der Unternehmer. Die Parteien haben vereinbart, bei Problemen zukünftig frühzeitig aufeinander zuzugehen.

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