Liestal

Bauunternehmer fährt nach Streit um Parkbusse einen Polizisten an

Die Beschimpfungen sind inzwischen verjährt, doch muss er dem angefahrenen Polizisten 1000 Franken Genugtuung zahlen und auch mehrere tausend Franken an Kosten übernehmen.

Die Beschimpfungen sind inzwischen verjährt, doch muss er dem angefahrenen Polizisten 1000 Franken Genugtuung zahlen und auch mehrere tausend Franken an Kosten übernehmen.

Ein 67-Jähriger verletzte in Binningen mit seinem Auto absichtlich einen Polizisten. Grund dafür war eine Parkbusse. Wegen Drohung gegen Beamte und versuchter Körperverletzung wurde der Mann zu einer Busse verurteilt.

«Schnuderbuebe», «Saubuebe» und ähnliche Ausdrücke sollen gefallen sein, wobei diese Beispiele noch zu den harmloseren Varianten gehörten: Im skurrilen Streit von Binningen im Dezember 2009 führte eine Parkbusse von 40 Franken nicht nur zu Beschimpfungen, sondern endete mit einem verletzten Polizisten und dem Einsatz von Pfefferspray gegen einen heute 67-jährigen Fahrzeuglenker.

Der Mann arbeitete früher als Bauunternehmer, und an jenem Dezembernachmittag war er bei einer Baustelle auf einem privaten Grundstück tätig. Diverse Handwerker hatten offenbar mehr oder minder legal auf dem Binninger Schweissbergweg parkiert und sich über die Parkbussen beschwert. Dies habe auch er getan, sagte er am Freitag vor Gericht, aber in freundlichem Tonfall.

Der Polizist hingegen sagte aus, der 67-Jährige sei bereits auf dem Schweissbergweg drohend auf ihn zugegangen und habe ihn beleidigt, weshalb er nach dem Ausweis gefragt habe. Einem «jungen Saicher» zeige er bestimmt keinen Ausweis, sei die Antwort gewesen. Der damals immerhin schon 37 Jahre alte Polizist brach das Gespräch ab, und wollte später mit einem Kollegen den Mann befragen. Nach einem wenig konstruktiven Wortwechsel auf dem Privatgrundstück warteten sie vor dem Tor.

«Polizist ist Unfallverursacher»

Kurze Zeit danach fuhr der Bauunternehmer auf die Strasse. Der zweite Polizist forderte ihn auf zu stoppen, wurde aber angefahren und verletzte sich dabei am Kopf. Sein 37-jähriger Kollege öffnete daraufhin die Fahrertüre und setzte der Fahrt nach einem längeren Gerangel schliesslich mit dem Pfefferspray ein Ende.

Der Bauunternehmer hingegen behauptete, er habe mit seinem Anhänger manövrieren müssen und habe sich darauf konzentriert. Plötzlich sei die Tür aufgerissen worden. «Ich frage mich, ob der seine Kontrollen immer so macht. Der Polizist ist der Unfallverursacher. Ich bin stur auf die Bremse gestanden und habe so noch Schlimmeres verhindert», betonte er. Durchgekommen ist er damit nicht: Die Staatsanwaltschaft büsste ihn drei Jahre später mit einer unbedingten Geldstrafe von rund 15 000 Franken wegen Drohung gegen Beamte und versuchter Körperverletzung, dagegen erhob der Mann Einspruch.

Einzelrichter Enrico Rosa verurteilte ihn am Freitag indes sogar wegen versuchter schwerer Körperverletzung: «Wer sich so verhält, wie Sie sich dort verhalten haben, der nimmt eine schwere Körperverletzung in Kauf», begründete Rosa. Statt 130 setzte es daher 210 Tagessätze, womit die Geldstrafe über 23 000 Franken beträgt. Allerdings wurde diese bedingt ausgesprochen, weil die Rückfallprognose des Mannes nicht eindeutig schlecht sei. Die Beschimpfungen sind inzwischen verjährt, doch muss er dem angefahrenen Polizisten 1000 Franken Genugtuung zahlen und auch mehrere tausend Franken an Kosten übernehmen. Das Urteil kann er noch weiterziehen.

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