Birsfelden

Befreite «Sphinx» verhilft Walter Eglin zu spätem Ruhm

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Nach dem KV-Sündenfall restaurierte ein Birsfelder das Vogelbad von seinem Vater und Walter Eglin. Der Künstler rückt dadruch wieder ein Stück mehr ins öffentliche Bewusstsein.

Einerseits war es eine Respektlosigkeit sondergleichen, als der KV Liestal das Mosaik «Sphinx» von Walter Eglin zumauerte. Andererseits hat der KV dem Künstler damit ungewollt geholfen: Seit der Kunstfrevel bekannt wurde, und der KV die «Sphinx» unter öffentlichem Druck ausgipsen musste (die bz berichtete), sind der 1966 verstorbene Eglin und seine zahlreichen Werke zumindest ein Stück weit wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Das freut einen, der Eglin noch persönlich kannte – den Archäologen Christoph Matt (61) aus Birsfelden. Sein Vater, der Glasmaler Georg Matt (1918 bis 1998), und Walter Eglin seien befreundet gewesen, er selber habe als Knabe Eglin erlebt. Dieser habe seinen Vater nicht nur mit seiner «handwerklichen Kunst» inspiriert, gemeinsam hätten die beiden Männer vor knapp 60 Jahren auch ein Vogelbad gebaut, dessen Oberseite eine aus Mosaiksteinchen geschaffene Wasserfauna ziert (siehe Bild).

Eglin junior hilft Matt junior aus

Der unerfreuliche Vorfall mit der «Sphinx» habe ihn motiviert, das rund einen Meter grosse Vogelbad, das auf seinem Grundstück steht, in den letzten Wochen zu restaurieren, sagt Christoph Matt. Dabei half ihm der Sohn von Walter Eglin, Toni Eglin, mit Mosaiksteinchen aus dem reichhaltigen, vom Vater geerbten Fundus aus. Nebst der Beziehung der Senioren gibt es also auch eine der Junioren.

Kein Wunder, ist Eglin derzeit in den Gedanken von Christoph Matt sehr präsent. Und er erzählt, wie sich die beiden Künstler kennen lernten: Als Eglin sein wohl bekanntestes Werk, das nicht weniger als 30 Meter hohe und 3,5 Meter lange Mosaik «Sendung», von 1938 bis 1946 in der Eingangshalle des Kollegiengebäudes der Universität Basel schuf, gehörte der über 20 Jahre jüngere Georg Matt zu den Zuschauern.

Museumsführer hofft auf Nachhall

Aber nicht nur Christoph Matts Vater, sondern auch seine Mutter Margarete liess sich von Walter Eglin inspirieren: Die gelernte Weberin wob zwei Wandteppiche nach Vorlagen von Eglin mit Motiven von Israel, wo dieser zu Beginn der 1960er-Jahre in einem Kibbuz lebte und unter anderem auch die «Sphinx» mit Steinchen aus der Negev-Wüste und aus der Kupfergrube von König Salomon schuf. Zur «Sphinx» und den Wellen, die dieses Kunstwerk im letzten Halbjahr in der Öffentlichkeit ausgelöst hat, sagt Matt: «Künstler haben zu Lebzeiten ihre Erfolge, sterben, werden vergessen und kommen, wenn sie qualitätvoll genug sind, wieder in die Erinnerung zurück.»

Darauf setzt auch ein anderer, der den Vergessensprozess von Walter Eglin hautnah miterlebte: Franz Wagner (82) aus Känerkinden. Er ist Mitglied der Kommission des Walter- Eglin-Museums, das zu Eglins 100. Geburtstag im Jahr 1995 in dessen Geburtsort Känerkinden eröffnet wurde.

Seit einem Dutzend Jahren macht Wagner, einst Nachbar von Eglin, sonntägliche Führungen durch das Museum und musste feststellen, dass der Kreis der Besucher in den letzten Jahren sukzessive kleiner wurde. Wagner sagt dazu: «Bis vor ein paar Jahren kamen relativ viele Leute, die Eglin persönlich kannten. Doch die sterben langsam aus und Junge kommen kaum.» Jetzt hofft Wagner dank der «Sphinx», die inzwischen ebenfalls im Museum steht, auf einen Aufschwung.

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