Ausstellung

Begegnung der Mundart-Pioniere im Liestaler Dichter- und Stadtmuseum

Begründer der Baselbieter Mundart- Literatur Jonas Breitenstein und Breitensteins Vorbild, Mundart-Monument Johann Peter Hebel.

Begründer der Baselbieter Mundart- Literatur Jonas Breitenstein und Breitensteins Vorbild, Mundart-Monument Johann Peter Hebel.

Eine Einführung in die Welt von Jonas Breitenstein und Johann Peter Hebel.

Johann Peter Hebel, 1760 in Basel geboren und 1826 in Schwetzingen während einer Dienstreise verstorben, war seinerzeit ein äusserst beliebter Dichter und Schriftsteller. Seine «Kalendergeschichten» sprachen Menschen aus allen Schichten an, und seine «Alemannischen Gedichte» entzückten selbst literarische Grössen wie Johann Wolfgang von Goethe. Im Hauptberuf war Hebel Lehrer, ab 1783 in Lörrach, seit 1791 dann in Karlsruhe, wo er auch als Vorsteher der lutherischen Landeskirche wirkte. In Basel kennt man seinen Namen auch heute noch, und sei es nur wegen seines Gedichts auf die Stadt am Rhein («Z’Basel an mym Rhy»).

Der Ziefner Breitenstein wurde Basler Ehrenbürger

Der Dichter Jonas Breitenstein hatte zwar keine Gelegenheit, Hebel persönlich zu begegnen, dessen Werke regten ihn aber zu eigenem literarischem Schaffen an. Breitenstein wurde 1828 in Ziefen geboren, wo sein Vater Dorflehrer war. Er besuchte zunächst die Schulen im Baselbiet, 1846 trat er ins Basler Pädagogium, das heutige Gymnasium am Münsterplatz, ein. Nach der Matura studierte er Theologie in Basel und Göttingen. Anschliessend war er von 1852 bis 1870 Pfarrer der Kirchgemeinde Binningen-Bottmingen.

1870 gab Breitenstein – er hatte mit acht Kindern eine grosse Familie zu ernähren – seine Pfarrstelle auf und war bis zu seinem Tod 1877 als vollamtlicher Sekretär der Freiwilligen Armenpflege in Basel tätig. Für seine Tätigkeit erhielt Breitenstein und seine Familie das Ehrenbürgerrecht der Stadt Basel. Breitensteins literarisches Werk geriet mit der Zeit in Vergessenheit. Dank der Edition seiner Gedichte, Erzählungen und Briefe in den letzten Jahren wird Jonas Breitenstein heute wieder vermehrt wahrgenommen.

Bereits in jungen Jahren wurde Jonas Breitenstein von seinem Vater dazu ermuntert, zu besonderen Gelegenheiten Gedichte zu verfassen. Wie sehr Breitenstein in Hebel ein Vorbild sah, zeigt sich etwa darin, dass er eine Sammlung seiner frühen Gedichte aus den Jahren 1846 bis 1854 mit dem Titel «Jurablüten oder Versuch neuer alemannischer Gedichte» versah. In seiner ersten Buchveröffentlichung – den unter dem Pseudonym B. T. Jonas 1860 publizierten «Erzählungen und Bilder aus dem Baselbiet» – benutzte Breitenstein noch ein mit Mundartausdrücken durchsetztes Schriftdeutsch.

In seinen grossen Mundart-Idyllen «Der Her Ehrli» und «S‘Vreneli us der Bluemmatt», die Breitenstein 1863 beziehungsweise 1864 unter eigenem Namen erscheinen liess, ging er einen Schritt weiter. Er verfasste diese, wie es im Untertitel der einen Idylle heisst, «in alemannischer Mundart», wozu bekanntlich auch das Baselbieter Dütsch und das Baseldytsch gehören. Die Liebesgeschichte von Herrn Ehrli, einem jungen Baselbieter, der in der Stadt eine Anstellung als Handlungsgehilfe gefunden hat, und einem Basler Fräulein, ist die erste Buchveröffentlichung in Baselbieter Mundart überhaupt. Sie macht Breitenstein zum Begründer der Baselbieter Mundart-Literatur.

Briefe Breitensteins aus Norddeutschland

Mit der eben eröffneten Ausstellung «Zeitzeugen und Pioniere der Mundartdichtung» lädt das Dichter- und Stadtmuseum Liestal zu einer Begegnung mit den beiden alemannischen Dichtern ein. Dabei ist Hebel mit einer Wanderausstellung des Lörracher Dreiländermuseums und des Hebelbundes präsent, die uns auf eine mehrtägige Schweizer Reise des Dichters im September 1805 mitnimmt. Hebel unternahm diese Rundreise durch unser Land als Begleiter zweier Söhne des Freiherrn von Menzingen und hielt in einem Tagebuch seine Eindrücke von Land und Leuten fest.

Jonas Breitenstein seinerseits erschliesst sich den Besucherinnen und Besuchern anhand von Dokumenten aus seinem Nachlass sowie an Lese- und Hörstationen. Dabei gehen die Ausstellungstexte auch auf eine Reise ein, die Breitenstein im Sommer 1851 nach Norddeutschland und übers Meer nach Helgoland brachte. Seine Beobachtungen, die er in Briefen Verwandten und Bekannten mitteilte, haben fast schon ethnografischen Charakter. Die Zitate, die Museumsleiter und Ausstellungsmacher Stefan Hess daraus ausgewählt und neben Auszüge aus Hebels Reisetagebuch gestellt hat, unterstreichen dies und machen auch deutlich, dass die Zeit seit Hebels Schweizer Reise und Breitensteins Deutschlandfahrt nicht stehen geblieben ist.

Ergänzend zur Ausstellung, die bis zum 14. Juni 2020 dauert, führt das Dichter- und Stadtmuseum Liestal eine Reihe von Veranstaltungen durch. So spricht heute Freitag, 7. Februar, 19.30 Uhr, Franz Littmann zum Thema «Johann Peter Hebel unterwegs als Aufklärer». Am Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr, steht der Vortrag «Jonas Breitenstein – ein Baselbieter Volksaufklärer?» von Jan Arni an. www.dichtermuseum.ch

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