«Schockiert» seien sie, «empört». Das schreiben Hanspeter Lichtin, Leiter der Pastoralkonferenz Baselland, und Monika Hungerbühler von der Dekanatsleitung der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt in einer Medienmitteilung. Auslöser für das Entsetzen ist das, was der katholische Landeskirchenrat Baselland vergangenen Donnerstag dem Basler Kirchenrat eröffnet hat: Der Vertrag über die gemeinsame Fachstelle Katholisch BL.BS wird gekündigt. Das empört auf vielen Ebenen. «Aber am stossendsten ist die Nicht-Kommunikation», kritisiert Hungerbühler. Der Baselbieter Kirchenrat habe alle vor vollendete Tatsachen gestellt, niemanden in die Entscheidung einbezogen – nicht die Seelsorgenden, nicht die Vertretung des Bistums, nicht den Basler Kirchenrat. «Die Zusammenarbeit ist immer gut gelaufen, die Fachstelle war ein Musterbeispiel.»

Warum ihr nun trotzdem per 30. Juni 2018 die finanzielle Grundlage entzogen wird? Da gibt es einerseits Gerüchte, andererseits die offizielle Erklärung der Landeskirchenrats. Der Informationsbeauftragte Martin Kohler formuliert sie so: «Als die gemeinsame Fachstelle vor fünf Jahren ins Leben gerufen wurde, sah die Situation noch anders aus. Mit der Errichtung von sieben Pastoralräumen in Baselland und von einem in Basel-Stadt gehen die Bedürfnisse und Strukturen in den beiden Kantonen einfach zu stark auseinander.»

Es sei deshalb nötig, die Strukturen anzupassen, da der Pastoralraum Basel-Stadt bereits 2018 errichtet wird. Und weil der Vertrag immer nur ein halbes Jahr vor Jahresende gekündigt werden kann, habe man schnell handeln müssen. Nun habe man genügend Zeit, die Strukturen so zu verändern, dass sie besser auf die Bedürfnisse der Baselbieter Katholikinnen und Katholiken abgestimmt sind. Bei der Erarbeitung dieser Strukturen wolle man alle Entscheidungsträger einbeziehen, sobald sich die Aufregung wieder einigermassen gelegt hat.

Persönlicher Konflikt als Auslöser?

Auf der anderen Seite stehen ganz andere Vermutungen im Raum, was hinter der Vertragskündigung stecken könnte. Die Fachstelle Katholisch BL.BS bringt immer wieder offen Themen aufs Tapet, die in der katholischen Kirche umstritten sind, so zum Beispiel die Aufhebung des Pflichtzölibats oder die Ehe für alle, und sie setzt sich für Themen wie die Prostituiertenseelsorge oder die volle Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche ein. Der Präsident der Landeskirche Ivo Corvini hingegen vertritt eher eine konservativere katholische Richtung. Musste die Fachstelle darum dranglauben? «Der Landeskirchenrat bestimmt über Ressourcen und Strukturen, nicht über Inhaltliches», wehrt Kohler ab. Nur der Bischof könne sagen, ob er inhaltlich mit der Arbeit der Fachstelle einverstanden sei. «Es geht sicher nicht darum, dass wir jemandem Böses wollen.»

Auch dieser Verdacht steht im Raum: Der Öffentlichkeitsbeauftragte von Katholisch BL.BS, Thierry Moosbrugger, und Ivo Corvini sollen sich nicht gerade gut verstehen. «Bereits letzten Herbst wollte der Landeskirchenrat den Bereich Öffentlichkeitsarbeit umstrukturieren, kam damit aber nicht durch», erinnert sich Hungerbühler. «Da drängt sich mir persönlich schon der Verdacht auf, dass nun halt ein formaler Grund angeführt wird, um eine unliebsame Person loszuwerden.» Auch andere äussern diesen Verdacht.

Davon hält Kohler gar nichts. «Dies ist ein Gerücht und natürlich auch mir zu Ohren gekommen.» Aber in der Fachstelle arbeite ja nicht nur Thierry Moosbrugger für die Öffentlichkeitsarbeit, sondern seien vor allem auch die übrigen Mitarbeitenden in den Bereichen Bildung, Spiritualität und Diakonie sowie dem Sekretariat angesiedelt. «Der Landeskirchenrat entscheidet sachlich und sicher nicht wegen eines persönlichen Konflikts.»

«Wirklich eine Angst vorhanden»

Auch Lichtin, der zwar entschieden gegen den Entscheid des Landeskirchenrates ist, unterstellt niemandem böse Absichten: «Es ist wohl wirklich eine Angst vorhanden, dass der Land- neben dem Stadtkanton zu kurz kommen könnte.» Das kenne man ja inzwischen auch aus politischen Debatten um die Universität oder das Theater. «Aber dafür hätte man nicht gleich den Vertrag künden müssen. Man hätte auch der Steuergruppe den Auftrag erteilen können, das Pflichtenheft der Fachstelle entsprechend zu überprüfen oder nötigenfalls anzupassen.»

Moosbrugger möchte sich nicht zu den Gerüchten um seine Person äussern. «Ich kann nur sagen: Unsere Fachstelle hat gezeigt, dass Pastoralräume und Pfarreien von der themenübergreifenden Arbeit profitieren.» Das sehen auch Lichtin und Hungerbühler so. Deshalb hätte man die Pastoralräume unbedingt in die Entscheidung über die Fachstelle einbeziehen sollen, heisst es in ihrer gemeinsamen Medienmitteilung. Die Vertragskündigung würde nun die mehrjährige Aufbauarbeit und die Infrastruktur zunichtemachen, was Verschwendung sei.

Unter anderem aus diesen Gründen appellieren die beiden an die Landeskirche BL, «die Kündigung des Vertrags zu überdenken und rückgängig zu machen». Das wäre jedoch nicht einmal möglich, wenn sich der Landeskirchenrat umstimmen liesse. «Die Kündigung ist bereits rechtsgültig deponiert», betont Kohler.