Deponie

Bei «Höli plus» soll vieles besser werden: Busse und Lenkungsabgabe gehören zur Strategie

Daniel Wenk (Bildmitte hinten) erläutert, wie die «Höli»-Aufforstung funktioniert.

Daniel Wenk (Bildmitte hinten) erläutert, wie die «Höli»-Aufforstung funktioniert.

Der Liestaler Bürgerrat informierte nun, wie er die Fehler der viel zu früh aufgefüllten Deponie Höli bei der Nachfolgelösung vermeiden will.

Der Liestaler Schleifenberg ist und bleibt DER Deponieberg im Baselbiet. Ja, wahrscheinlich ist er mit seiner Deponiedichte sogar schweizweit einzigartig. Nach «Lindenstock» (renaturiert), «Elbisgraben» (hier wird belastetes Material wie Schlacke abgelagert) und «Höli» (ist nächstes Jahr viel zu früh voll) kommt jetzt «Höli plus». Gestern informierte der Liestaler Bürgerrat erstmals über die Erweiterungsplanung.

Die Eckdaten des Vorprojekts lassen keinen Zweifel offen: Die «Höli plus» wird wie ihre Vorgängerin die für die Region mit Abstand wichtigste Lagerstätte für inerte Stoffe wie leicht verschmutzter Aushub und Bauschutt sein. So soll angrenzend an die «Höli» eine Fläche von 31 Hektaren Wald zu Gunsten eines Deponievolumens von 6,75 Millionen Kubikmetern gerodet werden; die «Höli» ist etwas mehr als halb so gross. Wobei der neue Bürgergemeindepräsident Franz Kaufmann betonte, dass die Rodung in sechs Schritten erfolge und die jeweils aufgefüllten Kompartimente umgehend renaturiert würden. Laut Kaufmann soll das neu zu schaffende Deponievolumen für 30 Jahre ausreichen.

Wird zu viel deponiert, gibt es eine hohe Strafe

Nur: Ähnliche Prognosen machte man vor zehn Jahren auch schon für die «Höli». Wieso soll jetzt alles besser werden? Kaufmann hob vor allem einen Punkt hervor: «Wir haben in intensiven Gesprächen mit der Stadt Liestal vereinbart, dass jährlich maximal 400'000 Tonnen abgelagert werden dürfen.» Zum Vergleich: In der «Höli» sind es im laufenden Jahr 700'000.

Werde die neue Limite überschritten, müsse eine so hohe Konventionalstrafe bezahlt werden, dass es fürs Baugewerbe nicht mehr interessant sei, so Kaufmann. Wobei einzuschränken ist, dass diese Limite erst ab 2028 gilt. Beim Start von «Höli plus» voraussichtlich im Jahr 2023 sollen 650000 Tonnen erlaubt sein, danach bis 2028 jährlich 50'000 weniger.

Sechs Franken pro Tonne in die Stadtkasse

Bestandteil des Vertrags mit der Stadt ist auch, dass diese sechs Franken pro Tonne erhält. Damit spült «Höli plus» mindestens 2,4 Millionen Franken jährlich in die – verebbte – Liestaler Stadtkasse. Auch der Kanton sei mit seiner letzte Woche vorgestellten Recycling-Strategie ein wichtiger Partner, sagte Kaufmann: «Wir verstehen uns als Teil dieser Strategie.»

Er und auch sein Vize Franz Thür zeigten sich an der Medienkonferenz zuversichtlich, dass die zu deponierende Menge dank eines forcierten Recyclings stark zurückgehe. Der ebenfalls anwesende Präsident der Bauunternehmer Region Basel, Rolf Graf, setzte allerdings ein Fragezeichen hinter eine der drei Säulen der Recycling-Strategie: Seine Branche sei sich nicht einig, ob für deponiertes Material eine Lenkungsabgabe eingeführt werden soll.

«Höli plus» hat noch einen weiten Weg vor sich

Auf die Bürgergemeinde – sie ist Grundeigentümerin, Initiantin und Bauherrin von «Höli plus» – wartet nun ein hürdenreicher Weg: Gespräche mit Naturschutzorganisationen und Jägern sowie ein Bewilligungsverfahren via Stadt – mit möglicher Volksabstimmung – und Kanton. Die Diskussionen dürften sich dabei laut Kaufmann vor allem um die Ersatzmassnahmen zu Gunsten der Natur drehen.

Folgt man der Logik von Bürgergemeindeleiter Daniel Wenk, ist eine neue Deponie schon fast eine Wohltat für die Natur: Das sei eine grosse Chance, um den bestehenden Wald durch wärmeresistentere Arten von Föhre bis Edelkastanie zu ersetzen.

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Autor

Andreas Hirsbrunner

Andreas Hirsbrunner

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