Stadtlauf

Bei ihm geht die Post ab

Sepp Nussbaumer, ein Pöstler mit 85’000 Kilometern in den Beinen.

Sepp Nussbaumer, ein Pöstler mit 85’000 Kilometern in den Beinen.

Sepp Nussbaumer läuft und läuft und läuft – heute nimmt er zum 33.Mal am Liestaler Stadtlauf teil.

61 Jahre, 165 Zentimeter, 65 Kilo: Das ist Sepp Nussbaumer, der heute zum 33. Mal den Liestaler Stadtlauf bestreitet. Er ist neben Heinz Dieffenbach aus Liestal der einzige Sportler, der an allen bisherigen Stadtläufen im Baselbieter Kantonshauptort teilgenommen hat.

«Der Liestaler Stadtlauf gehört fix zu meinem Jahresprogramm», erzählt Nussbaumer. Als er sportlich kürzergetreten sei, habe er sich gesagt: «Den Liestaler Stadtlauf ziehe ich durch, solange es irgendwie geht.» In zwei Jahren lässt sich der Leiter der Post-Paketfiliale Liestal – an der Grenze zu Frenkendorf gelegen – vorzeitig pensionieren; dann will er wieder mehr Zeit ins Lauftraining investieren.

Mitmachen war fast Pflicht

In den Anfängen des Stadtlaufs arbeitete Sepp Nussbaumer noch in der Liestaler Post, gleich neben dem Stedtli. Als Läufer sei es damals fast Pflicht gewesen, an diesem Wettkampf zu starten, erinnert sich der Lampenberger. Als Langstreckler gefällt ihm der Parcours ins Oristal besser als der Rundkurs durch die Altstadt, auf dem bis zur 20. Auflage alle Rennen stattgefunden haben. «In freier Natur laufe ich lieber als im Stedtli. Hier hatte ich immer das Gefühl, total am Anschlag zu sein», hält der Postangestellte fest. Diesem ist jedoch bewusst, dass der Charakter des Stadtlaufs mit der längeren Strecke ins Oristal verloren gegangen ist. Denn dort vermisse er die Zuschauer.

Karriere begann mit Fiasko

Sepp Nussbaumer setzt sich vor Läufen nie rangmässige Ziele, sondern stets persönliche Zeitlimiten. Das ist jetzt noch so. «Allerdings laufe ich heute nicht mehr so schnell wie früher auf Biegen und Brechen», meint der Schnurrbärtige mit breitem Lachen und betont: «Die Gesundheit geht für mich vor.»

Der Oberbaselbieter hat als 18-Jähriger mit Laufen begonnen. Nach einer Stammtischrunde mit Kollegen wagte er sich gleich an den 100-Kilometer-Lauf von Biel, was im Desaster endete. Völlig unvorbereitet nahm er den Dauerlauf in Angriff, unterschätzte diesen gewaltig und ernährte sich auch noch falsch – «vor dem Start eine Bratwurst mit Ovo». Nussbaumer musste aufgeben. Das sollte sich nicht wiederholen. Er fing an, regelmässig zu trainieren und beendete danach den 100er achtmal erfolgreich. Seine Bestzeit steht bei 9:20 Stunden.

Gut zweimal um die Erde

Sepp Nussbaumer bestritt auch 150 Waffenläufe und mehrmals den Swiss Jura-Marathon von Genf nach Basel über 350 Kilometer mit sieben Tagesetappen. Beste Klassierung war Mitte der 1990er-Jahre ein neunter Gesamtrang, inmitten starker europäischer Athleten. «Darüber bin ich besonders stolz. Da bin ich über mich hinausgewachsen», resümiert Nussbaumer.

Zu seinen besten Zeiten hat er wöchentlich rund 100 Kilometer zurückgelegt, heute kommt er auf drei, vier Trainingseinheiten und 30 Kilometer. Sepp Nussbaumer ist viel allein unterwegs, teilweise mit seiner Frau. Ab und zu schwingt er sich aufs Bike.

Laut eigener Rechnung hat Nussbaumer seit 1973 etwa 85 000 Kilometer hinter sich gebracht. Trotz dieser imposanten Zahl blieb er von hartnäckigen Verletzungen verschont, bloss Sehnenansatz-Entzündungen und Muskelverhärtungen. «Nichts Ernsthaftes», bemerkt der Ausdauerläufer lapidar.

33. Liestaler Stadtlauf Heute ab
17 Uhr, Start und Ziel im Stedtli.

www.stedtlilauf.ch

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