«Generationenwechsel»

Beide Co-Präsidenten der Baselbieter Juso treten zurück

Nach eineinhalb Jahren an der Spitze ist Schluss: Samira Marti und Jan Kirchmayr.

Nach eineinhalb Jahren an der Spitze ist Schluss: Samira Marti und Jan Kirchmayr.

Samira Marti und Jan Kirchmayr wollen jungen Wilden Platz machen, wie sie sagen – dabei sind sie selber erst 21 Jahre jung.

Etwas überraschend kommt dieser Rücktritt schon. Samira Marti und Jan Kirchmayr geben im März das Co-Präsidium der Juso Baselland ab – nach gerade einmal rund eineinhalb Jahren an der Spitze der Jungpartei. Noch überraschender ist ihre Begründung: In der gestern verschickten Medienmitteilung ist von einem «Generationenwechsel» die Rede, der damit ermöglicht werden solle. Dies ist beim noch immer als zart zu bezeichnenden Alter der scheidenden Amtsinhaber ein doch leicht irritierender Begriff: Marti und Kirchmayr sind beide 21-jährig – ihr Vorgänger Adrian Mangold war bei seinem Rücktritt 25; die Altersgrenze der Jungpartei liegt bei 35 Jahren.

Mit dem schlechten Abschneiden der Mutterpartei bei den Baselbieter Wahlen am 8. Februar habe der Rücktritt nichts zu tun, beteuern beide. «Wir hatten nie vor», sagt die Ziefnerin, «unsere Sitze zehn Jahre lang zu besetzen.» Sie würden nun Jüngeren den Weg frei machen. Auch Jan Kirchmayr begründet den Schritt nicht mit dem Rechtsrutsch bei den Wahlen, sondern mit dem Wunsch nach Erneuerung. «Seit wir die Leitung der Juso 2013 übernommen haben, hat sich der Mitgliederbestand verdoppelt», sagt der Aescher. «Wir wollen nun den jungen Wilden die Bühne überlassen.»

Laut Samira Marti ist die Zahl der Aktiven auf über 50 angewachsen, und im Anschluss an die Wahlen – bei denen die Juso gut abschnitten – sei nochmals ein halbes Dutzend Mitglieder dazu gestossen. «Das zeigt uns», sagt Marti, «dass hier schon wieder eine jüngere Generation bereits steht, die die Zügel in die Hand nehmen will und kann.» Eine Rolle spiele auch, dass sie beide mehr Zeit ins Studium investieren wollen, sagt Marti. Sie studiert an der Universität Basel, Kirchmayr ebendort. Die Nachfolger werden an der Jahresversammlung im März gewählt. Die Frist für Kandidaturen läuft am 26. Februar ab. Als ein Favorit gilt Joël Bühler, der dem Wunsch nach Verjüngung entsprechen würde: der Liestaler ist 19-jährig.

Der Baselbieter SP-Vizepräsident Christoph Hänggi war über den Doppelrücktritt schon im Vorfeld informiert worden. Für ihn ändere der Wechsel nichts am «guten Verhältnis» der Mutterpartei zur Jungpartei. «Wir schätzen die Arbeit der Juso sehr. Marti und Kirchmayr vollziehen nun einfach einen Rollenwechsel.»

Das Duo kann auf eine kurze, intensive Zeit zurückblicken. Marti und Kirchmayr übernahmen das Präsidium im September 2013, seither sind die Juso stark gewachsen, und sie dürfen sich heute ungeniert als aktivste Baselbieter Jungpartei bezeichnen, die sich auch immer wieder bei der Mutterpartei einmischt – zuletzt vor zehn Tagen: Noch am selben Tag, als die SP aus der Regierung flog, forderten die Jungen bei dieser mehr Mitsprache. Was bedeutet: mehr Sitze in der Geschäftsleitung.

Schielen sie aufs SP-Präsidium?

Marti und Kirchmayr bleiben der Partei erhalten. «Wir wollen nun aber auch bei der SP mitanpacken», sagt Marti. Im Dezember wurde sie in den Vorstand der Juso Schweiz gewählt, seit Januar sitzt sie in der Geschäftsleitung der SP Schweiz.

Martis Aussage ist brisanter, als auf den ersten Blick angenommen werden könnte. In linken Kreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass aus Kreisen der Juso auf das Präsidium der SP geschielt wird. Für diese These spricht, dass Marti und Kirchmayr ihr Ausscheiden aus dem Vorstand an der Mitgliederversammlung am 10. Februar ankündigten – also exakt zwei Tage nach den Wahlen.

Gut möglich also, dass es ihn nach der Jungpartei bald auch bei den «Grossen» gibt: den Generationenwechsel.

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