Hanf-Firma

Bereit für die Legalisierung – erste professionelle Hanfzucht steht in den Startlöchern

Demnächst soll es im Leimental den ersten Treibhaus-Cannabis der Region geben. Keystone

Demnächst soll es im Leimental den ersten Treibhaus-Cannabis der Region geben. Keystone

In Oberwil BL entsteht die erste gewerbsmässige Hanfzucht der Region. 800 Pflanzen sollen eine Ernte von 200 Kilogramm ergeben – high wird dieser Stoff aber nicht machen.

Es ist als harmloses Projekt angedacht. Der Basler Silvio Mettler hat diese Woche die Betriebszulassung für seine Hanf-Firma bekommen. An der Langegasse in Oberwil wird der gelernte Maschinenschlosser als Erster in der Region eine professionelle Hanf-Zucht in einem Treibhaus betreiben.

Seine 800 Pflanzen sollen ihm jährlich eine Ernte von 200 Kilogramm bescheren. Vorerst müssen sich die Nordwestschweizer Kiffer aber gedulden, ehe sie aus dem Unterbaselbiet mit berauschendem Stoff versorgt werden. Der Firmengründer will vorerst nur Cannabidiol-Hanf anbieten – einen legalen Stoff, von dem man nicht high wird.

Kooperation mit dem Kanton

Mettler wittert trotzdem ein Geschäft. Einerseits ist Cannabidiol (CBD), das maximal ein Prozent des berauschenden THC enthalten darf, derzeit eine Modeerscheinung. CBD soll beruhigend wirken und gegen Krämpfe, Entzündungen und Angst helfen. Alleine in Liestal verkaufen derzeit zwei Läden den legalen Stoff (die «Schweiz am Wochenende» berichtete). Ob Mettler diese dereinst beliefern wird, weiss er nicht. Doch zweifelt er nicht, dass sich für seine Pflanzen Abnehmer finden werden. «Der Markt ist ausgetrocknet.»

Mit einem Auge schielt der frischgebackene Hanfzüchter auch auf die politischen Entwicklungen. Derzeit wird auf unterschiedlichen Ebenen für eine Legalisierung des Rauschgifts gekämpft. Der Verein «Legalize it!» lancierte jüngst auf eidgenössischer Ebene eine Unterschriftensammlung; die Grünen reichten im Bundesparlament eine Parlamentarische Initiative mit dem gleichen Ziel ein. Mettler räumt ein: «Es geht auch darum, sich in Stellung zu bringen, wenn Cannabis legal wird. Dann kann ich von Cannabidiol auf THC-haltiges Hanf umstellen.»

Um auf der sicheren Seite zu sein, dass er mit den Behörden nicht in Konflikt kommt, hat Mettler diese bereits zu einer Besichtigung seiner neuen Anlage eingeladen. «Ich will verhindern, dass ich plötzlich das Kontrollkommando vor der Hütte habe und mit dem Gesetz in Konflikt gerate.» Mettler sagt, dass die Ein-Prozent-Limite auch «aus Versehen» schnell überschritten sei und er die Werte vom Kantonslabor geprüft haben will.

Gesetzlicher Irrgarten

Der Kanton hat derzeit alle Hände voll zu tun. Der Baselbieter Kantonsapotheker Hans-Martin Grünig sagt, er nehme zur Kenntnis, dass derzeit viele Cannabis-Firmen entstünden. Exakte Zahlen seien ihm aber nicht bekannt. Um sich im Irrgarten der Gesetzgebung zurechtzufinden, hat das Bundesamt für Gesundheit im Zug des CBD-Booms ein zehnseitiges Merkblatt über die Vollzugshilfe veröffentlicht.

Neben dem Betäubungsmittelgesetz ist auch die Lebensmittelgesetzgebung potenziell tangiert, wenn ein neuer Shop entsteht. Zudem dürfen die Läden keine Heilanpreisungen für die Produkte machen. «Wir haben eine Marktüberwachungspflicht, die wir wahrnehmen wollen», sagt Grünig.

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