Der Prattler Vizegemeindepräsident Emanuel Trueb wagt es, zu träumen: «Meine persönliche Fantasie wäre, dass irgendjemand das ganze Rohner-Areal saniert und zurückbaut, um darauf eine Wohnnutzung zu ermöglichen», sagte er in der Montags-bz. Nun stellt sich heraus: Diese Fantasie könnte schneller Wirklichkeit werden, als gedacht.

Auf Anfrage äussert sich erstmals die Besitzerin des Areals an der Gempenstrasse 6, der Basler Immobilien- und Arealentwickler Hiag. «Das Grundstück ist zum Glück sehr gut gelegen, direkt am Bahnhof. Das macht es für eine zukünftige Umnutzung attraktiv», sagt Verwaltungsratspräsident Felix Grisard. Für ihn ist klar: «Die Industriezone zur Wohn- und Gewerbezone aufzuwerten, macht Sinn.»

Chemie-Abfälle werden entsorgt

Kein Geheimnis macht er daraus, dass eine solche Aufzonung für die Hiag AG auch finanziell äusserst lukrativ wäre, gewinnt das Areal doch massiv an Wert. Entschieden ist allerdings noch nichts. «Wir werden jetzt das Gespräch mit der Gemeinde suchen», sagt Grisard.

Auch eine industrielle Folgelösung sei denkbar. Der Vorteil: Sie brächte der Hiag viel schneller wieder Mietzinseinnahmen. Doch Grisard zeigt sich diesbezüglich eher desillusioniert: «Verschiedenste Industriezweige verschwinden generell nach und nach aus der Schweiz. Auf lange Sicht müsste das Areal wohl so oder so aufgezont werden, zumal es geradezu ideal für eine Wohnnutzung ist.» Und er fügt an: «Es ist im Interesse aller, dass das Rohner-Areal nicht zur Geisterstadt wird.»

Das Aus ihres Mieters kommt für die Hiag derweil nicht ganz unerwartet, auch wenn man erst am Montagabend von Rohner-Geschäftsführer Daniel Pedrett informiert worden sei. «Die Zahlungsmoral von Herrn Pedrett war schon länger nicht optimal», sagt Grisard.

Während eine Wohnnutzung noch Zukunftsmusik ist, sorgen sich viele Prattler um die Sicherheit auf dem nun verlassenen Gelände. Schliesslich meldete die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) Anfang Juni, dass auf dem Hof noch 160 Tonnen wassergefährdende Flüssigabfälle lagern und verfügte, dass bis auf maximal 50 Tonnen alles entsorgt werden müsse. «Die Rohner AG hat die Entsorgung beauftragt und im Voraus bezahlt, damit das Hoflager in den nächsten Tagen unter 50 Tonnen kommt», schreibt Pedrett der bz.

Überhaupt bestehe derzeit keine Gefahr für Umwelt oder Bevölkerung. Man habe alle Anlagen «geleert, gespült und überwiegend gereinigt». Zur Überwachung würden zweimal täglich Sicherheitsrundgänge gemacht, der Zugang zum Areal bleibe über eine Sicherheitsfirma kontrolliert. Dies geschehe auch in Absprache mit dem Kanton. Das bestätigt die BUD.

Generalsekretärin Katja Jutzi betont: «Die Sicherheit von Umwelt und Bevölkerung hat für die Behörden höchste Priorität.» Doch was ist, wenn Rohner definitiv weg ist? Das Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) bereite zusammen mit dem Betreibungs- und Konkursamt die nötigen Schritte vor, um die Sicherheit auch nach einem allfälligen Konkurs sicherzustellen. «Selbstredend» beinhalte dies die Fortführung der Zutrittskontrolle wie auch die Patrouillen und einen Pikettdienst für den Unterhalt, so Jutzi.

Altlasten-Sanierung ist finanziert

Weniger problematisch als gewisse Prattler Politiker annehmen, scheint die Verseuchung des Bodens mit Altlasten aus der über 100-jährigen Betriebszeit der Rohner AG zu sein. Bereits seit 2005 würden altlastenrechtliche Sanierungsmassnahmen umgesetzt, sagt Jutzi. Diese betrafen einen Schaden mit chlorierten Lösungsmitteln. Für einen weiteren Schaden liege ein Vorgehenskonzept vor. «Die nun anstehenden Massnahmen sind im Detail geplant und vom AUE gutgeheissen.»

Auch die Finanzierung ist gesichert, konnte das Areal im August 2018 von Rohner doch nur unter der kantonalen Auflage an die Hiag verkauft werden, dass eine Bankgarantie für die zukünftigen Sanierungskosten besteht. Pedrett bestätigt: «Wir haben die finanziellen Mittel dafür zurückgestellt.» Und Hiag-Chef Grisard versichert, dass man als Arealentwickler viel Erfahrung mit belasteten Grundstücken hätte. «Der Standort ist schon ziemlich sauber, aber wir werden die Sanierung natürlich zu Ende bringen.»