1913 eröffneten Otto und Sophie Schaad in Rodersdorf eine Metzgerei. Damals war das nichts Besonderes, jedes Dorf hatte mindestens eine Metzgerei. Ungewöhnlicher ist, dass am Samstag der Enkel des Gründerehepaars, Martin Schaad, das Hundert-Jahr-Jubiläum der Metzgerei feiert. Denn unabhängige Metzgereien gibt es kaum mehr. Heute ist der Hauptsitz in Flüh, daneben führt Schaad mit seiner Frau Mireille eine Filiale in Aesch.

Verarbeitetes ist der Renner

«Mein Vater ist in den Betrieb hineingewachsen, und ich bin es auch.» So erklärt Martin Schaad, wie das Geschäft in Familienhand geblieben ist. Schon als Kind habe er den Eltern geholfen. «Ferien gab es bei uns nie, wir haben früh gelernt zu arbeiten.» Vor seiner Metzgerlehre absolvierte er die Handelsschule, was er im Nachhinein als unnötig empfindet. «Mir sagt kein Computer, sondern mein Gefühl, was beim Kunden ankommt.»

Überlebt hat die Metzgerei aber auch, «weil wir nie den Respekt vor den Fleischproduzenten verloren haben», so Schaad. Seine intensive Beziehung zu den Bauern würden die Kunden schätzen, deshalb kämen sie oft von weit her.

«Zu uns kommt, wer sich etwas Spezielles leisten will», sagt Schaad. Da ist zum Beispiel der Arbeitstätige, der sich an Feierabend anstatt einer Suppe in der Mikrowelle ein Plätzchen leistet; oder die Frau, die jeden Freitag aus Basel kommt und drei verschiedene Fleischsorten will; oder der Gastgeber, der einen besonderen Wurstsalat hinzaubern will. «Manche unserer Kunden freuen sich auf ein Kotelett zum Znacht wie auf ein Fussballspiel», weiss Schaad.

Einen Satz hören die Metzger hinter der Theke regelmässig: «Bei Ihnen schmeckt es einfach besser als in der Migros.» Gemeint sind oft verarbeitete Produkte, auf die die Metzgerei Schaad immer mehr setzt. So hat sich seit 2001 die Wurstproduktion verdoppelt. Produziert wird vor Ort in Flüh. Im Angebot sind aber auch exotischere Sachen wie Fleisch von Bierschweinen, die mit Bierhefe gemästet werden. Mit den Läden allein könnte die Familie aber heute kaum mehr überleben. Den grossen Gewinn bringen das Catering und die Belieferung von Gastro-Betrieben.

Für das Ehepaar Schaad bedeutet das viel Arbeit, 80-Stunden-Wochen sind für sie nicht aussergewöhnlich. Ihre Mitarbeiter hingegen wollen sie schonen. Deshalb schliesst die Läden am Samstag bereits um 15 Uhr. Schliesslich sei es nicht einfach, heutzutage ausgebildete Fachkräfte zu finden, sagt der 57-Jährige Martin Schaad. «Ich kann nicht wie im Supermarkt einem Mitarbeiter einfach sagen, hier sind die Würste und da sind die Entrecôte.» Sein Geschäft lebe von der Beratung, aber auch vom persönlichen Gespräch.

Die Nachfolge ist gesichert

Der Personal-Nachwuchs ist auch das, was ihm am meisten Sorgen bereitet. Wenn die Supermärkte den Markt beherrschen, verschwinden die Lehrstellen, bei denen gute Leute ausgebildet werden.» Die wichtigste Weiche für die Zukunft ihres Geschäft haben die Schaads aber schon gestellt: Ihr Sohn hat eine Metzgerlehre absolviert und wird den Laden bald übernehmen. «Dank ihm werden wir sicher den 120. Geburtstag feiern», ist der Vater überzeugt.