Brauch

Besuche im Wald oder via Skype: Corona macht Santichläuse erfinderisch

Der Santichlaus wird sich in diesem Jahr manchmal eine Maske anziehen müssen.

Der Santichlaus wird sich in diesem Jahr manchmal eine Maske anziehen müssen.

Trotz der Pandemie wollen viele nicht auf den Mann im roten Gewand und mit Rauschebart verzichten. Absagen sind eher die Seltenheit. Der Besuch des Santichlaus sieht in diesem Jahr allerdings anders aus als sonst.

Die ganze Familie mit Grosseltern, Tanten und Onkeln ist im Wohnzimmer versammelt. Während die Kinder auf dem Schoss des Santichlauses sitzen, schiessen die stolzen Eltern mit ihren Handys Fotos des Nachwuchses: Was am nächsten Wochenende in anderen Jahren in etlichen Haushalten geschehen würde, ist in diesen Zeiten so nicht möglich. Der Mindestabstand von eineinhalb Metern und die Beschränkung von zehn Personen bei privaten Veranstaltungen stellen den Santichlaus vor Herausforderungen.

Ein Blick auf die Region zeigt, dass der vorweihnachtliche Brauch selten ganz ins Wasser fällt. Es gibt einige Gemeinden wie Nunningen, in denen wegen Corona gar nichts stattfinden wird. Auf der Homepage der Gemeinde schreibt die Klausengruppe Oberkirch, die sonst die Familien zu Hause besucht: «Der Samichlaus und seine Begleiter können die vorgegebenen Schutzmassnahmen nicht oder nur teilweise einhalten.» Deshalb verzichte man auf den traditionellen Klausenumgang. Mit ihrer kompletten Absage stellen die Nunninger aber eine Ausnahme dar.

Santichlaus trifft die Kinder im Wald oder im Garten

Vielerorts im Raum Basel werden trotz der Pandemie Santichläuse unterwegs sein. Oftmals begegnen der Mann mit dem weissen Bart und sein Gehilfe mit der Rute der aussergewöhnlichen Situation mit Kreativität.

Der Terminkalender des Duos Samiklaus und Schmutzli, das von Menschen aus Basel-Stadt, dem ganzen Baselland und dem Schwarzbubenland gebucht wird, ist ziemlich voll. Die beiden haben vor, an acht Tagen rund 40 Familien zu besuchen. «Wir werden dabei immer den Mindestabstand einhalten», versichert Schmutzli, der seinen richtigen Namen nicht verraten möchte. «Ausserdem tragen wir eine Maske, falls dies nötig sein sollte.»

Absagen habe es nicht viele gegeben, sagt er. Es scheint, dass zahlreiche Familien nicht auf den Brauch verzichten möchten. In die warme Stube, wie in anderen Jahren, kommt das Duo häufig nicht. Stattdessen werde der Samiklaus den Kindern draussen Nüssli und Manderinen übergeben. «Einige Familien treffen wir im Wald, auf ihrer Terrasse oder im Garten des Hauses», erzählt Schmutzli. Die Beschränkung auf zehn Personen sorge bei einigen Familien dafür, dass nicht alle Verwandten anwesend sein könnten.

Ein Stückchen Normalität während dem Teil-Lockdown in der Stadt

Auf ein deutlich kleineres Gebiet beschränkt sich die Gruppierung Santiglaus Bruder Klaus. Die drei Chläuse sind am 6. Dezember meist in den beiden Basler Quartieren Gundeldingen und Bruderholz anzutreffen. «In diesem Jahr erhielten wir leicht weniger Anfragen als sonst», sagt Thomas Hinder, der am Sonntag auch ins Chlausenkostüm schlüpfen wird. Eine Maske würden er und seine Kollegen nicht anziehen. «Das ist undenkbar.»

Selbstverständlich werde man aber die Abstandsregeln einhalten und viele Familien ausserhalb der eigenen vier Wände besuchen. Über eine Absage der Besuche sei diskutiert worden, so Hinder. Gerade während des Teil-Lockdowns in Basel-Stadt sei ein Stückchen Normalität wichtig. «Wir entschieden uns gegen eine Absage.»

Über Skype holt der Chlaus die Kinder aus dem Alltag

Meist sind es kleinere Formationen, die in der Region die Kinder ehrenamtlich als Santichläuse besuchen. In vielen Gemeinden wird diese Aufgabe von ortsansässigen Vereinen übernommen. In Muttenz existiert eine eigene Santichlaus-Gruppe, die in diesem Jahr auf Hausbesuche verzichten wird.

Stattdessen liess sich die Gruppe etwas Spezielles einfallen: «Die Kinder können über Skype mit dem Chlaus sprechen», sagt Michel Eigenmann. Auch bestünde die Möglichkeit, Briefe und Zeichnungen zu schicken, die anschliessend vom Santichlaus beantwortet werden.

Der bevorstehende Videochat erfreut sich Beliebtheit. «Es kommen laufend Anfragen rein», so Eigenmann, der selber mit den Kindern sprechen wird. Für einmal habe der Santichlaus kein Sündenregister der Eltern erhalten. «Er unterhält sich einfach mit den Kindern.» Das Ziel ist dieses Jahr klar: Die Kinder aus dem Alltag rausholen.

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