Glückliche Wendung

Betrogen und ausgenutzt – doch die Geschichte dieser Coiffeuse hat zwei Happy Ends

Der 20. Juli 2015 markiert einen Wendepunkt im Leben von Eliya Monova. An jenem Tag erschien ein Artikel in der bz über das Leben der Bulgarin: «13'920 Franken für einen geplatzten Traum», lautete der Titel. Monova war in eine Sackgasse geraten und es sprach wenig dafür, dass sie da bald wieder rausfinden würde.

Ihre Geschichte ging so: Eliya Monova trat mit ihrer Pop-Band in Weil am Rhein auf, lernte einen Mann kennen, heiratete und zog in die Schweiz. Bald musste sie feststellen, dass ihre Ausbildung in der neuen Heimat nichts zählte. Um weiterhin als Coiffeuse zu arbeiten, brauchte sie einen Abschluss. Sie stiess auf eine private Fachhochschule. Für fast 14'000 Franken versprach diese einen Diplomabschluss. Viel Geld für Monova, die sich die Ausbildung nur durch zusätzliche Schufterei als Putzhilfe im Spital und in einer Wäscherei leisten konnte.

Schuften für die Chance auf einen Job Tagsüber stand Eliya Monova im Coiffeur-Salon ihres Ausbildungsbetriebs. Mit dem versprochenen Unterricht war es allerdings nicht weit her, vielmehr war die ausgebildete Coiffeuse Gratis-Arbeitskraft, ja zahlende Arbeiterin. Als ihre Chefin krank ausfiel, schmiss Monova für sie den Laden.

Diplom war eidgenössisch nicht anerkannt

Sie schnitt die Haare der Kunden und musste sich fast täglich um die Frisur ihrer Chefin kümmern. Die traurige Pointe war aber das Ende ihrer zweijährigen Ausbeutung: Monova war einem Schwindel aufgesessen. Ihr Diplom war eidgenössisch nicht anerkannt. «Ich bezahlte so viel Geld, arbeitete hart – alles für meinen Traum, Coiffeuse zu sein», sagte sie der bz. Der Artikel endet damit, dass Monova – inzwischen lebt sie allein – auf Arbeitslosengeld verzichtet und stattdessen hofft, irgendwann ihr «Einkommen selber verdienen» zu können.

Nachdem Christian Hamann diese Zeilen gelesen hatte, wendete sich das Blatt. Hamann leitet den Salon «Stedtlicoiffeur» in Laufen und ist Vizepräsident im Baselbieter Coiffeur-Verband. «Ich habe noch vor acht Uhr morgens aufs Amt angerufen und nach Monovas Nummer verlangt», erinnert er sich. Das durfte das Arbeitsamt nicht, doch die Beamten stellten den Kontakt zu Monova her. «Ich fand es unmöglich, was ihr passiert ist», sagt Hamann, dem der Ruf seines Berufsstands sehr am Herzen liegt. «Kurz darauf habe ich sie eingestellt», sagt Hamann. Drei Jahre später vermeldete der Stedtlicoiffeur auf seiner Website: «Toller Lehrabschluss mit der Note 5,2 von Eliya Monova, die sich mit nun vierzig Jahren ihren Traum vom Ausbildungsabschluss in der Schweiz als Coiffeuse EFZ erfüllt hat.» Unter der Meldung hängt ein Bild; Monova hält darauf strahlend ihr Abschlusszeugnis in die Kamera.

«Hier will ich ewig arbeiten»

Jetzt steht Eliya Monova in einem Salon in Aesch, im zweiten Stock eines unscheinbaren Gebäudes an der Hauptstrasse. Draussen dröhnt der Feierabendverkehr. «Zwei Tage nach Abschluss meiner Lehre habe ich hier zu arbeiten begonnen» sagt Monova und meint den Laden von Ermina Rustic. «Ich bin sehr glücklich über diese Chance. Ich will ewig hier arbeiten», sagt Monova. Rustic ist äusserst zufrieden mit ihrer Angestellten: «Eliya ist sehr fleissig», sagt sie. Eliya Monova strahlt. «Wir verstehen uns sehr gut», bekräftigt sie. Aus jedem Satz ist ihre Erleichterung zu hören.

Monova kann mehr als einen Schlussstrich unter ihren schlechten Start in der Schweiz ziehen: Vergangene Woche gewann sie den vierjährigen Rechtsstreit gegen jenen Betrieb, der sie ausgebeutet hatte. Monova hatte am Zivilgericht gegen ihre ehemalige Chefin geklagt und Recht bekommen. Die Chefin wehrte sich allerdings und ging bis vors Bundesgericht. Ohne Erfolg. Die Betreiberin muss den üblichen Lohn einer Aushilfskraft in der Höhe von fast 25'000 Franken zahlen.

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