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Bibliothek lädt zum «Gamen» ein

Die Jugendlichen treten bei den Spielen am liebsten in Wettbewerben gegeneinander an. Foto: Nicole Nars-Zimmer

Bibliothek lädt zum «Gamen» ein

Die Jugendlichen treten bei den Spielen am liebsten in Wettbewerben gegeneinander an. Foto: Nicole Nars-Zimmer

Aussergewöhnlich Die Bibliothek Breite holt mit Wii-Spielen Jugendliche von der Strasse.

Der Schreck aller Jugend- und Sozialarbeiter: Kaum kommen die Kinder von der Schule nach Hause, setzen sie sich vor den Fernseher. Oder Jugendliche, die nach dem Mittagessen sofort ihre Spielkonsolen auspacken. Das Interesse am Lesen von Romanen schwindet immer mehr. Viel beliebter bei den jungen Leuten ist das Gamen – stundenlang sperren sie sich in ihre Zimmer ein und spielen Fussball oder Autorennen am Fernseher. Sie vereinsamen, werden fettleibig und gewalttätig, so die Kritiker.

Simone Fasola, Bibliothekarin in der Bibliothek Breite, hat ein neues Angebot der GGG Stadtbibliothek Basel geschaffen. Sie lotet mit den Jugendlichen zusammen ausgerechnet die Welt des Gamens aus. Seit drei Wochen können diese in der Bibliothek verschiedene Spiele ausprobieren.

Jeden Donnerstagnachmittag werden die Jungs und Mädchen sogar von zwei Betreuern begleitet. Bedenken gegen das Gamen hat sie keine: «Wir gehen von den Bedürfnissen der Jugendlichen aus. Und diese gamen gerne in grossen Gruppen und haben viel Spass zusammen.»

Abgeschieden von Büchern und sonstigen Medien ist der Game-Treff nicht. Im Gegenteil: «Rundherum stehen Sachbücher, Mangas, Bücher über Sexualität oder Sport und CDs.» Oft passiere es, dass ein Jugendlicher, der gerade nicht spiele, sich die anderen Sachen ansehe. «Wichtig ist, dass wir die Buben und Mädchen nicht zwingen, Bücher in die Hand zu nehmen», betont die Projektleiterin.

«Reden über Internetsucht»

Fasolas Engagement wird unterstützt von der mobilen Jugendarbeit Basel (Mja). «Wir haben mit den Jugendlichen vor allem im Sommer im öffentlichen Raum Kontakt», sagt Jugendarbeiter Michel Eisele. Mit dem Game-Angebot in der Bibliothek könne die Mja auch während der Wintermonate Beziehungen aufrechterhalten. Gespräche suchen sei eine ihrer Aufgaben. «Wir können mit ihnen über Altersbegrenzungen, Game- oder Internetsucht reden», fügt er hinzu. Bibliothekarin Fasola ergänzt: «Immer wieder entstehen Konfliktsituationen, zum Beispiel wenn einige Jugendliche zu viel Platz einnehmen oder zu laut sind. Dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen.»

Über die Zusammenarbeit mit Mja ist Fasola froh. «Die Jugendlichen bauen mit den Sozialarbeitern bestimmt eine andere Beziehung auf, als mit mir als Bibliothekarin.» Beliebt unter den jungen Menschen sind vor allem Fussballspiele oder Tanzwettbewerbe. «Wir haben viele Wii-Spiele, bei denen man sich bewegen, tanzen oder springen muss.» Eisele fügt an: «Im Angebot beim
Game-Treff haben wir vor allem Spiele, die in Gruppen ausgeübt werden.» Brutale Games seien nicht im Sortiment.

Dass sich durch den Game-Treff ein soziales Netzwerk unter den Jugendlichen bildet, ist nach drei Wochen bereits ersichtlich: «Immer wieder spielen Leute zusammen, die zuvor nie miteinander geredet haben.» Etwa ein Viertel der Besucher sind Mädchen. Der jüngste Teilnehmer ist acht Jahre alt, durchschnittlich kommen Zehn- bis Vierzehnjährige vorbei. «Es hat sich ein Stammgrüppchen unter den Besuchern gebildet. Wir sind zuversichtlich, dass wir durch das Projekt konstante Beziehungen halten können.»

Gametreff, Bibliothek Breite, Zürcherstrasse 149, betreuter Treff jeweils Donnerstag von 16 Uhr bis 18 Uhr

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