Flugpionier

Biders Lieblingsflieger hebt wieder ab: Zwei Jahrzehnte lang wurde an der Maschine gebaut

Der Jagd-Doppeldecker während seines Jungfernflugs vor der Kulisse des Grenchenbergs.

Der Jagd-Doppeldecker während seines Jungfernflugs vor der Kulisse des Grenchenbergs.

In 20-jähriger Arbeit hat eine Gruppe von Flugzeugenthusiasten die Nieuport 23 C-1 des Baselbieter Flugpioniers nachgebaut.

«Jetzt bin ich Oski Bider sehr nahe gewesen.» Ein kurzer Freudenschrei erklingt aus dem Cockpit. Pilot Isidor von Arx hat soeben den Erstflug mit der nachgebauten Nieuport 23 C-1 bestanden. Der auf dem Flugfeld wartende Kuno Schaub eilt hinzu und umarmt seinen Freund. Die ungemein lange Arbeit von zwei Jahrzehnten hat sich gelohnt, der Traum ist endlich in Erfüllung gegangen: Nach einem Jahrhundert kann der legendäre Doppeldecker wieder den Himmel stürmen.

Der Baselbieter Flugpionier Oskar Bider, geboren 1891 und abgestürzt 1919 in Dübendorf, ist eng mit diesem Jagdflugzeug Nieuport verbunden. Es war seine Lieblingsmaschine als Cheffluglehrer der Schweizer Fliegertruppe. Sein Name fand stets Erwähnung, als sich Ende der 1990er-Jahre einige Solothurner Piloten im Gasthof Kreuz in Egerkingen zum Fachsimpeln trafen.

Am Stammtisch wurde die Idee zum Bau eines Flugzeugs geboren. Ein Oldtimer der alten und seltenen Art sollte es werden. Nach einigem Abwägen entschlossen sich Kuno Schaub und Isidor von Arx für die Nieuport 23 C-1. Damit ergab sich ein Bezug zur engeren Wohnregion, da Oskar Biders Geburtsort Langenbruck gleich auf der anderen Seite der Jurakette liegt.

Zuerst mussten die Pläne beschafft werden

Die Idee wurde irgendwann in den Jahren 1998 oder 1999 geboren, und niemand der Beteiligten konnte sich vorstellen, dass sich das Projekt erst am 21.Oktober 2020 um 15.46 Uhr mit dem Erstflug erfüllen sollte. Die Gruppe erhielt mit «Nieuport Memorial Flyers» einen Namen und richtete ihr Atelier im Haus von Kuno Schaub in Neuendorf ein. Mit von der Partie war auch Geri Mäder aus Kappel, der mit Jahrgang 1957 im Verlauf der Arbeiten allzu früh verstarb.

Es erwies sich als ausserordentlich aufwendig, die schriftlichen Grundlagen für den Nachbau des Erst-Weltkriegs- Jagdflugzeugs zu erhalten. Beteiligte Ingenieure und Piloten konnten nicht mehr befragt werden, die waren alle schon lange gestorben. Fündig wurde das Team in der «Zeitschrift für Flugtechnik und Motorluftschifffahrt», in der 1916 und 1917 Baupläne der Nieuport publiziert wurden. Aber auch Reisen nach München und Brüssel waren notwendig, um an alle Unterlagen zu gelangen.

Das Flugzeug besteht aus rund 2000 Bauteilen. Viele technische Details mussten im Verlauf der Jahre geklärt werden, was immer etliches an Zeit in Anspruch nahm. Zwölf Holzarten sind in der Nieuport verbaut, am meisten Spruce (Fichte), Esche und Pappel. Die guten Kenntnisse von Geigenbauer Kuno Schaub im Holzbau kamen dem Projekt sehr zugute.

Interessierte und Firmen unterstützen das Projekt

An vielen Flugtagen präsentierten die «Nieuport Memorial Flyers» den Fortschritt ihrer Arbeit. Viele Interessierte liessen sich vom Projekt begeistern und halfen tatkräftig mit. Auch Firmen leisteten ihren Beitrag, indem beispielsweise in den Lehrlingswerkstätten Bauteile hergestellt wurden.

2009 hat in Langenbruck in einer ehemaligen Militärbaracke eine eigene Ausstellung eröffnet werden können, bei der auch auf das Leben von Oskar Bider eingegangen wird. Als es an den Zusammenbau des Flugzeugs ging, konnten Schaub und von Arx neue grosszügige Räumlichkeiten in der ehemaligen Tesil in Egerkingen beziehen. Hier wurde die Nieuport fertiggestellt.

Vorangegangener Höhepunkt war die Präsentation des Flugzeugs in Dübendorf am 7.Juli 2019. Exakt am 100.Todestag von Oskar Bider wurde die Nieuport in Sichtweite seiner Absturzstelle offiziell enthüllt – ein bewegender Moment, bei dem kaum ein Auge trocken blieb. Mit dabei war eine Delegation aus Langenbruck mit Gemeindepräsident Hector Herzig an der Spitze sowie Bernhard Müller, Kommandant der Schweizer Luftwaffe.

Erste Rollversuche fanden in Bleienbach statt

Seither lag die Aufmerksamkeit beim Motor, der ausgiebigen Tests unterzogen wurde. Zum Einbau kam der Umlaufmotor «Thulin A» mit neun Zylindern. Es ist der schwedische Lizenzbau des Motors «Le Rhône J 110», der bei den Schweizer Nieuport verwendet wurde. Mitte September wurde die Nieuport zum Flugplatz Langen- thal-Bleienbach gebracht, wo die ersten Rollversuche erfolgreich stattfanden. Um für den Erstflug eine längere Piste zur Verfügung zu haben, kam die Maschine Anfang Oktober nach Grenchen.

Nach dem erfolgreichen Erstflug folgen nun weitere Tests, bis das neue alte Flugzeug der Öffentlichkeit gezeigt werden kann. Dann dürften ziemlich genau 100 Jahre vergangen sein, seit die Nieuport 23 C-1 am Schweizer Himmel flog. Sie schied 1921 aus dem Dienst der Fliegertruppe aus.

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