Reinach/Münchenstein

Bierläufer im Baselbiet lassen sich nicht unterkriegen

Der Harassenlauf – hier 2011 – soll in diesem Jahr wieder mehr Jugendliche anlocken. Birgit günter

Der Harassenlauf – hier 2011 – soll in diesem Jahr wieder mehr Jugendliche anlocken. Birgit günter

Der harte Kern der Bierläufer denkt nicht ans Aufgeben: Trotz des diskussionslosen Alkoholverbots wird für den diesjährigen Harassenlauf Werbung gemacht.

Die Bierläufer wollen nicht zusehen, wie der einstige Grossanlass mit über 2000 Besuchern erstickt wird durch Grossaufgebote der Polizei, Auflagen und Bewilligungspflichten. Die bz weiss: Die anonymen Organisatoren werden auch in diesem Jahr dazu aufrufen, sich am 1. Mai in Reinach zu treffen, um dann mit einer Kiste Bier in Richtung Münchenstein zu spazieren.

Bis anfangs April hätten die Organisatoren sich um eine Bewilligung bei den Gemeinden Reinach und Münchenstein bewerben müssen, wo der Harassenlauf traditionell stattfindet. Hier ist bisher noch nichts eingetroffen. Ein «dennoch stattfindender Lauf» sei «illegal», wie aus einer Medienmitteilung der Baselbieter Sicherheitsdirektion vom letzten September hervorgeht.

Spontane Route

Die Organisatoren haben sich auch in diesem Jahr nicht um eine Bewilligung bemüht. «Es geht nur darum, Verantwortliche finanziell zur Rechenschaft zu ziehen, falls etwas passiert», glaubt David Schneider*, Mitorganisator des diesjährigen Laufs. Der Reinacher ist der Meinung, dass er als Student mit ein paar Hundert Franken Monatseinkommen eine solche Verantwortung nicht schultern kann, oder besser: nicht will.

Denn die letzte Prise Anarchie will der 23-jährige Jus-Student dem Anlass nicht rauben. Am Schluss, so fürchtet Schneider, «muss man noch Eintritt bezahlen, um mitmachen zu dürfen». Die Werbetrommel rühren die Organisatoren über Facebook oder SMS. Für einen bereits entworfenen Flyer wird noch eine Druckerei gesucht, die anonym druckt. Auch sie soll davor verschont werden, für den Anlass Verantwortung zu übernehmen. Ziel der Werbeaktion ist es, wieder mehr Teilnehmer anzulocken als im vergangenen Jahr. Damals widersetzten sich nur rund 100 Jugendliche dem Verbot des Laufs.

Schneider strebt zwar nicht nach einem Massenbesäufnis in früheren Dimensionen. «Wenn es dereinst aber wieder 300 oder 400 Teilnehmer sind, dann bin ich zufrieden.» Wo die Route in diesem Jahr durchführen wird, wird spontan entschieden. Den Organisatoren schwebt die traditionelle Routenführung zwischen dem Schwimmbad in Reinach und dem Park im Grünen in Münchenstein vor – das, obwohl die Gemeinde Reinach gestern publik machte, dass auf diesem Gebiet eine Alkoholverbotszone eingerichtet wird. «Wir nehmen ja nicht an, dass die Polizei mit einem Grossaufgebot aufkreuzen wird», sagt Schneider.

Die Kampfansage der Harassenläufer erstaunt beim Kanton niemanden. Adrian Baumgartner, Sprecher der Sicherheitsdirektion, bekräftigt, dass die Hausaufgaben gemacht seien. «Wir werden bereit sein. Die Polizei wird gemäss den gesetzlichen Grundlagen und der Verhältnismässigkeit vorgehen.» Schneider hofft derweil, dass die Polizei überhaupt nicht eingreifen muss. Denn auch wenn er nicht abstreitet, dass dem Harassenlauf etwas Rebellisches zugrunde liegt, betont er: «Wir wollen keine Abfallberge sehen.» Deshalb will er mit seinen fünf bis sechs Mitorganisatoren mit einem Leiterwagen hinter dem Tross herlaufen und die Abfälle der Harassenläufer einsammeln.

*Name der Redaktion bekannt

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