In den Lehrerzimmern der Baselbieter Schulen gibt es zurzeit ein Thema: das geplante Ende des automatischen Erfahrungsstufen-Anstiegs und der Wechsel hin zu einem Leistungslohn für Staatsangestellte. «Das wird heiss diskutiert bei uns», sagt Lukas Flüeler zur bz. Der Primarlehrer aus Ormalingen sitzt im Vorstand der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK).

«Mit welchen transparenten und objektiven Kriterien soll gemessen werden, ob Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeit gut machen? Ich bitte Herrn Lauber um Vorschläge und Beispiele!», twitterte am Wochenende auch Ernst Schürch, Präsident der AKK. Die zynischen Vorschläge der Antwortenden zeigen, wie verzweifelt viele sind: «Je mehr SchülerInnen das Gym erreichen? Erreichter Notenschnitt pro Klasse/Schülerin? Gewinn der Miss/Mister LehrerInnen Wahlen?», schreibt etwa Beatrice Büschlen, Grüne Einwohnerrätin aus Binningen und Mitglied des Baselbieter Bildungsrats. Später schiebt sie nach: «Vielleicht zählen auch Likes von Eltern für eine A-Bewertung.» 

Lehrer gewinnen etwas Zeit

Der Frust sitzt tief. «Ich habe gehört, dass es Schulleiter gibt, die aufhören würden, sollten sie gezwungen werden, ihre Lehrer lohnrelevant zu bewerten», sagt Flüeler. Doch genau das wird kommen: War bisher noch unklar, ob die umfassende Überarbeitung des Lohnsystems aller Staatsangestellten, über welche die «Schweiz am Wochenende» und die bz bereits berichtet haben, auch für die Lehrer sämtlicher Schulstufen gelten würde, so redete Finanz- und Personaldirektor Anton Lauber nun Klartext. In einem Interview für den internen Gebrauch, das der bz vorliegt, sagt er: «Vor dem Hintergrund der Gleichbehandlung aller Mitarbeitenden lässt es sich nicht rechtfertigen, dass die Lehrpersonen im heutigen System der Erfahrungsstufen bleiben.»

«Schule und Verwaltung sind einfach nicht vergleichbar», hält Flüeler dagegen. Lehrer arbeiteten viel stärker in Teams zusammen. Individuelle Leistungsbelohnungen brächten nur Unruhe. Mobbing würde gefördert, da ein Prozent der Lohnsumme nur auf jene verteilt würde, die in den Mitarbeitergesprächen (MAG) gut abschneiden. Und für die Schulleitungen seien umfangreiche MAG kaum zu stemmen. «Auf einen Schulleiter kommen teils 40 Lehrer, viele von ihnen sieht er nur selten im Jahr», ergänzt Michael Weiss vom Lehrerverein Baselland (LVB).

Sogar Lauber spricht im Interview von «besonderen Herausforderungen bei der Beurteilung von Lehrpersonen». Deswegen macht er ein Zugeständnis: Während die MAG für die Kantonsverwaltung im Sommer 2019 lohnrelevant werden sollen, soll für die Lehrer erst danach ein «geeignetes Instrument» erarbeitet werden. Die Schulen erhalten also etwas mehr Zeit.

Brief soll Gschwind überzeugen

Mehr konnten die Verbände um AKK, LVB oder auch dem Schulleiterverband VSL von Lauber kaum erwarten. Unterstützung erhoffen sie sich aber von der Bildungsdirektorin, sprechen doch Lehrer und Schulleitungen aller Stufen mit einer Stimme. Wie die bz weiss, bereiten die Verbände zurzeit einen Brief an Monica Gschwind vor. Darin wird sie aufgefordert, sich einzusetzen, dass der Leistungslohn nicht für Lehrer gilt.

Am Rande von Gschwinds Pressekonferenz am Montag, einer generellen Rück- und Vorschau zu den Themen der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, fragte die bz nach: «Ich verstehe, dass die Menge an MAG im neuen System für die Schulleitungen zum Problem werden könnte», sagt sie zwar. Doch: «Grundsätzlich fände ich es gut, wenn es auch bei Lehrerinnen und Lehrern eine gewisse Leistungskomponente im Lohn gäbe. Ohne die tausenden Lehrpersonen macht eine Änderung des Systems keinen Sinn.» Für Weiss ist diese Haltung ernüchternd: «In dieser Frage sollte sich die Bildungsdirektorin stärker für ihre Schulen einsetzen.»

Er kann sich aber noch etwas anderes vorstellen: Dass nämlich wie im Kanton Solothurn die lohnrelevanten MAG an den Schulen nach kurzer Zeit wieder verschwinden – gescheitert an den von allen Seiten anerkannten «besonderen Herausforderungen».