Fakt ist: Aus dem Brief der Schulleitung an das Amt für Volksschulen (AVS) vom 4. Dezember 2015 geht hervor, dass sie in der Woche davor, also Ende November, den umstrittenen Kompromiss mit den beiden muslimischen Schülern eingegangen waren. Gschwind betonte im bz-Interview vom Dienstag, dass «vorgängig kein Kontakt zu mir oder der Direktion in dieser Angelegenheit stattgefunden hat».

Die Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) teilt aber nun auf Anfrage der bz mit, dass bereits im November die erste Anfrage der Schule an das Generalsekretariat der BKSD eingetroffen sei. Der Stab Recht der Direktion habe der Schulleitung darauf eine telefonische Rückmeldung gegeben, dass im Einzelfall eine Abwägung zwischen der Religionsfreiheit und den Werten unserer Gesellschaft wie dem Diskriminierungsverbot vorgenommen werden müsste.

Anfang Dezember folgte dann der erwähnte Brief ans AVS und den Präsidialausschuss der Schulleitungskonferenzen mit der ausführlichen Schilderung des Falles und der Bitte um ein rechtliches Gutachten.

Laut der BKSD habe das AVS mit seinem Leiter Urs Zinniker erst an der Direktionskonferenz im Januar seiner Chefin den Fall erläutert, worauf diese in der zweiten Monatshälfte das Gutachten in Auftrag gegeben habe.

Prüfung der Abläufe

Wusste Gschwind also wirklich bis im Januar nicht, dass sich in ihrer Direktion bereits mehrere Stellen mit diesem Fall beschäftigten? Spätestens der Brief vom Dezember war schliesslich so deutlich formuliert, dass dem AVS die Brisanz klar werden musste. Von der bz darauf angesprochen, beteuert Gschwind: «Ich wurde Ende Januar informiert, habe die Brisanz sofort erkannt und das Gutachten initiiert.» Der Kontakt mit der Rechtsauskunft im November sei ein alltäglicher Vorgang, über den sie in der Regel nicht informiert werde.

Aber was danach passierte, stösst der Direktionsvorsteherin nun sauer auf: «Es dauerte tatsächlich zu lange, bis ich das Gutachten in Auftrag geben konnte. Ich wurde zu spät informiert.» Sie werde nun die Abläufe innerhalb der BKSD überdenken. «Wir müssen für solche Fälle sensibler werden.»