Verunstaltung

Binningen tilgt seine Schandflecken: Bauruinen sollen endlich der Vergangenheit angehören

Die restlichen Mauern an der Kernmattstrasse sind mit einem Dach vor dem Zerfall geschützt.

Die restlichen Mauern an der Kernmattstrasse sind mit einem Dach vor dem Zerfall geschützt.

Während vieler Jahre verunstalteten zwei Bauruinen die Gemeinde Binningen. In dieser Zeit wuchs das Unverständnis für das Nichtstun immer mehr. Doch nun steht endlich fest, was mit den beiden «Schandflecken» geschehen soll.

Zwei Brände haben in Binningen in den vergangenen Jahren Spuren hinterlassen. An Weihnachten 2007 brannte die Hauptstrasse 10 ab. Einige Jahre stand an dieser prominenten Stelle eine Bauruine. Seit deren Abriss klafft jetzt eine Baulücke, die als provisorischer Parkplatz dient. Nur wenige Schritte davon entfernt, an der Kernmattstrasse 20, fackelte 2016 ein Wohnhaus ab. Mitten im Wohnquartier sind seither die restlichen Mauern unter einem grossen Gerüst mit Kunststofffolien vor dem Zerfall geschützt.

Beide Orte wurden in den vergangenen Jahren immer wieder als «Schandfleck» bezeichnet. Das Unverständnis in Politik und Bevölkerung wuchs. Doch jetzt zeichnen sich Lösungen ab.

Bebauungsplan kann endlich umgesetzt werden

An der Hauptstrasse kann ein seit Jahren rechtsgültiger Bebauungsplan umgesetzt werden, weil ein Besitzerwechsel stattgefunden hat. Knackpunkt war eine Parzelle, die sich hinter dem eigentlichen Brandareal befindet und der Gemeinde gehört. Zu dieser muss der Zugang gewährleistet bleiben.

Weil jetzt auch die Gemeinde die hintere Parzelle verkauft hat, ist für die neuen Besitzer der Weg für den Bau eines Mehrfamilienhauses frei. Die baurechtliche Situation war aber so kompliziert, dass im Oktober im Einwohnerrat auch nach fast einer Stunde Diskussion nicht alle verstanden hatten, warum die Sache so lange blockiert gewesen war.

Immobilienstrategie wurde abgewartet

Auch an der Kernmattstrasse war die Lage nicht einfach. Die Liegenschaft gehört der Gemeinde, und diese wollte nach dem Brand erst prüfen, ob und in welcher Form sie selber Verwendung für das Areal haben könnte. Dafür wollte der Gemeinderat aber abwarten, bis sich Binningen eine Immobilienstrategie gegeben hatte.

Diese befand sich zum Zeitpunkt des Brandes gerade in Erarbeitung. «Das war ein langer Prozess. Aber nach dem Brand mussten wir reagieren», sagt Gemeinderat Philippe Meerwein (SP). «Das war natürlich nicht optimal.»

Seit zwei Jahren liegt jetzt die Immobilienstrategie vor. «Damit haben wir die Eckwerte, die festlegen, was wir abstossen und was wir behalten wollen», erklärt Meerwein. Der Gemeinderat führte eine Nutzwertanalyse für die Parzelle durch. Er kam zum Schluss, dass die Gemeinde sie nicht brauche, auch nicht als strategische Reserve. Nicht zuletzt wegen diverser politischer Vorstösse und der – inzwischen angenommenen – Bodeninitiative war ein Verkauf an einen privaten Investor für den Gemeinderat aber auch keine Option.

Die alten Mauern müssen stehen bleiben

Für eine Abgabe im Baurecht kam dann fast nur eine Wohnbaugenossenschaft in Frage. «Das ist im Sinne der Gemeinde und der Immobilienstrategie, wir brauchen in Binningen günstigen Wohnraum», sagt Meerwein. Den Zuschlag erhielt die Baugenossenschaft Wohnstadt, das Baurecht dauert 30 Jahre. Diese hat im Oktober bereits ein Baugesuch für ein Wohngebäude eingereicht.

Das Projekt sieht einen Wiederaufbau der Brandruine in den bestehenden Begrenzungsmauern vor. Letzteres ist ein wichtiges Detail. Würden nämlich die noch stehenden Reste ganz abgerissen, kämen die geltende Bauvorschriften zur Anwendung – und die erlauben weniger Nutzfläche als mit den aktuellen Mauerresten. «Es gilt die Bestandesgarantie», sagt Meerwein.

Das ist auch der Grund, weshalb die Gemeinde seit dem Brand die Ruine schützt. Das Schutzdach hat die Gemeinde seit dem Brand vor vier Jahren um die 53'000 Franken gekostet, die allerdings von der Gebäudeversicherung zurückbezahlt werden, wenn die alten Mauern erhalten bleiben und es sich zumindest baurechtlich um eine Sanierung handelt.

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