Schliessung

Binninger Sozial-Bioladen schliesst – eine kleine Hoffnung bleibt

Rund 150'000 Franken wären pro Jahr nötig, um das Arbeitslosenprojekt zu finanzieren.

Rund 150'000 Franken wären pro Jahr nötig, um das Arbeitslosenprojekt zu finanzieren.

Im «Tatkraft» an der Hauptstrasse wird schon das Mobiliar verkauft. Es fehlte an Sponsoren für das Arbeitsintegrationsprojekt.

Eigentlich gibt es keinen Weg zurück mehr: «Total-Schlussverkauf» titelt der Trägerverein des Arbeitslosentreffs «Tatkraft» im gestrigen Binninger Anzeiger. Bis Ende Januar soll das gesamte Warensortiment haltbarer Artikel liquidiert und auch die Einrichtung günstig verkauft werden. Es geht um Kühlschränke, Tiefkühltruhen, einen Kaffeeautomaten, Ladenregale, Geschirr, Tische und Stühle, die bisher für das Arbeitsintegrationsprojekt und den Bioladen mit Café an der Hauptstrasse 38 genutzt wurden. «Das Mietobjekt soll so rasch als möglich für neue Interessenten zur Verfügung stehen», heisst es in der Mitteilung. Schon vergangenen Oktober verschickte der Trägerverein das Kündigungsschreiben an die Liegenschaftsverwalterin Wincasa und kündigte per Ende Jahr der Geschäftsführerin Iva Streckeisen sowie dem Betriebsleiter Patrick Wüthrich, wie Vereinspräsidentin Brigitte Strondl auf Anfrage sagt. Auch der Verein selbst soll aufgelöst werden.

Doch nun melden sich Unterstützer des Projekts zu Wort. «Man muss alles daran setzen, das Arbeitslosenprojekt zu retten», sagt der Binninger alt SP-Landrat Marc Joset zur bz. Schliesslich sei es in den 21 Jahren seines Bestehens sehr erfolgreich gewesen und für einen Grossteil der im Laden ausgebildeten Arbeitslosen sei jeweils eine Festanstellung gefunden worden. Joset publizierte im gestrigen Binninger Anzeiger einen Leserbrief, in dem er einen radikalen Schnitt fordert: «Ich plädiere für eine ‹Auswechslung› der Verantwortlichen. Die angekündigte Mitgliederversammlung – Termin noch unbestimmt – hat das letzte Wort.»

Wüthrich will Laden übernehmen – Wincasa zögert

Vereinspräsidentin Brigitte Strondl hätte nichts dagegen, würden sich neue Leute finden, die das Projekt doch noch retten. Allerdings müsste wegen der bereits ausgesprochenen Kündigungen ein echter Neustart her. Und Strondl weist darauf hin, dass man nicht leichtfertig aufgegeben habe. Immerhin benötige das Projekt rund 150'000 Franken an Sponsorengeldern pro Jahr. Schon mehrmals sei es deshalb kurz vor dem Aus gestanden, zuletzt 2017. Und 2018 habe es nur dank einer einmaligen Finanzspritze aus dem Swisslos-Fonds überlebt.

Am ehesten besteht noch Hoffnung, wenigstens den Bioladen mit Café weiterzuführen, denn der bisherige Betriebsleiter Patrick Wüthrich hat sich bei Wincasa als Nachmieter beworben. Bloss: Weshalb wird dann bereits das Mobiliar verscherbelt? «Wir verkaufen es erst provisorisch», sagt Strondl. Man musste aber handeln, da die Miete für den Verein kaum noch zu tragen sei. Zudem bräuchte der Laden bei Fortbetrieb eine neue Raumkühlung, die sehr kostspielig sei. Ausserdem suche Wincasa selbst bereits nach einem anderen Nachmieter. Heute Freitag trifft sich Strondl aber nochmals mit der Liegenschaftsverwaltung. Diese stellte der bz erst für heute Antworten in Aussicht. Strondl: «Es wäre schön, gäbe es ein Happy End.»

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