Rheintunnel

Birsfelden denkt langfristig

Mit dem Rheintunnel soll der Autobahnzubringer zum Hafen vierspurig werden. Damit würden die Ausfahrten von und nach Birsfelden verschwinden.

Mit dem Rheintunnel soll der Autobahnzubringer zum Hafen vierspurig werden. Damit würden die Ausfahrten von und nach Birsfelden verschwinden.

Der Bau des Rheintunnels beginnt zwar erst in etwa 15 Jahren. Er könnte den Hafen und ein Entwicklungsgebiet aber für Jahre blockieren.

Christof Hiltmann weiss: In rund 15 Jahren, wenn der Bau des Rheintunnels beginnen soll, ist er nicht mehr Birsfelder Gemeindepräsident – und erst recht nicht 2040, wenn der Autobahntunnel zwischen dem Schänzli und der Basler Nordtangente eröffnet werden soll. Derzeit erarbeitet das Bundesamt für Strassen (Astra) erst das generelle Projekt, definitiv ist noch gar nichts.

Trotzdem macht sich Hiltmann bereits Sorgen, was mit dem Bauwerk auf seine Gemeinde zukommt. Er befürchtet während dem Bau ein Verkehrschaos vor den Toren Birsfeldens. Die Autos sollen, vom Schänzli her kommend, im Hardwald unter der Erde verschwinden, was eine jahrelange Tagebau-Baustelle rund um den Hafenkreisel bedeutet – also genau dort, wo der Hafen, aber auch das Birsfelder Gewerbegebiet erschlossen wird. «Dabei haben wir dort einiges vor», sagt Hiltmann. Wo sich heute Sportanlagen befänden, sei ein Entwicklung angedacht, zusammen mit dem Kanton.

Pläne gibt es auch an der Hardstrasse, auf der Kiesgrube, die dem Kanton Basel-Stadt gehört. Doch der Bau des Rheintunnels verunmögliche jegliche Entwicklung bis etwa 2040, sagt Hiltmann. «Wenn der Hafenkreisel jahrelang nur schwer befahrbar ist, zieht das das ganze Gewerbegebiet von kantonaler Bedeutung in Mitleidenschaft.» Gemäss Astra soll die Bauerei rund acht Jahre dauern, gemäss Hiltmann zehn.

Gemeinden sind in Begleitgruppe

Sorgen bereitet ihm auch der Endzustand des Rheintunnels. Der jetzige Autobahnzubringer soll nämlich auf vier Spuren verbreitert werden. Wegen der engen Platzverhältnisse bedeutet das den Wegfall der Zufahrten vom und zum «Erdnusskreisel». Wer von der Autobahn nach Birsfelden will, wird deshalb den Umweg über den Hafenkreisel nehmen müssen. «Weil der Verkehr in der Region wohl auch 2045 nicht kleiner sein wird, ist das eine Verschlechterung für Birsfelden.» Zudem würde der Spurausbau dem Freuler-Quartier mehr Lärm und Abgase bringen.

Ähnliche Gedanken in die ferne Zukunft machen sich die Schweizerischen Rheinhäfen. «Aus unserer Sicht ist die ununterbrochene Erreichbarkeit des Hafenareals während der gesamten Bauphase eine grosse Herausforderung», sagt Direktor Hans-Peter Hadorn. Die Zu- und Abfahrten zu den Umschlagsanlagen dürften nämlich nicht beeinträchtigt werden. Allerdings verweist er auch auf Gespräche, die das Astra mit dem Hafen und der Gemeinde geführt habe. «Erste Lösungsansätze wurden vorgestellt», sagt er. Das Astra habe die Anliegen aufgenommen.

Dieses sagt auf Anfrage: «Die Gemeinde ist in die Begleitkommission eingebunden und kann dort ihre Anliegen einbringen.» Davon ist Hiltmann weniger überzeugt. Zwar hat er sich vom Astra das Versprechen geben lassen, dass zumindest für die Abfahrten zum und vom Erdnusskreisel Alternativen untersucht würden. Doch das Amt plane und optimiere das Projekt natürlich aus der eigenen Perspektive. «Wir müssen sicherstellen, dass die Birsfelder Anliegen genügend Gehör finden.»

Deshalb möchte er Interessengruppen einbinden, die die Forderungen Birsfeldens unterstützen. Wen er ins Boot holen möchte, will er nicht sagen: «Es gibt verschiedene Optionen. Kommuniziert wird zu gegebener Zeit.» Eine Erwartungshaltung formuliert er jetzt schon klar: Der Kanton solle die Bedenken und Anliegen Birsfeldens ernst nehmen – nicht zuletzt aus eigenem wirtschaftlichen Interesse.

Doch Liestal gibt sich zurückhaltend. Dieter Leutwyler, Sprecher der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion, verweist auf die Begleitkommission des Astra. «Dort wird man die Fragen, die man sich in Birsfelden stellt, diskutieren müssen.» In der Kommission sitzen neben dem Kanton, dem Hafen und Birsfelden auch Muttenz. Dass Gemeinden in einer Begleitgruppe des Astra sitzen, ist eher ungewöhnlich.

Zu früh für das Astra

Mit Verweis auf den frühen Planungsstand des Rheintunnels will sich das Astra auf Anfrage nicht zu den von Hiltmann kritisierten Punkten äussern. Wie gross die Auswirkungen der Baustelle auf den Verkehr seien und wo die Baustelle zu stehen komme, könne man noch nicht sagen.

Noch gar keine Gedanken an den Rheintunnel verloren hat Immobilien Basel-Stadt, das für die Kiesgrube verantwortlich ist. «Das ist alles noch sehr weit weg», sagt Sprecherin Barbara Neidhart. Man erarbeite jetzt erst die Arealstrategie. «Es ist noch überhaupt nicht absehbar, welchen Einfluss die Baustelle haben wird», sagt sie. «Und der Hafenkreisel wird schon immer irgendwie befahrbar sein.»

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