Strafgericht

Birsfelder Schiesserei nach 10 Jahren immer noch ungeklärt

Die Vorgänge bei der Schiesserei aus dem Jahr 2003 sind immer noch unklar. (Symbolbild)

Die Vorgänge bei der Schiesserei aus dem Jahr 2003 sind immer noch unklar. (Symbolbild)

Eine Schiesserei in Birsfelden aus dem Jahr 2003 gibt noch immer Rätsel auf. Die drei Beteiligten stehen wegen Geiselnahme und versuchter Tötung in Liestal vor Gericht. Alle sehen sich als Opfer.

Eine fast zehn Jahre alte Geschichte wird diese Woche vor dem Strafgericht in Liestal verhandelt: Im Oktober 2003 schoss ein heute 37-jähriger Mann einem heute 32-Jährigen auf dem Parkplatz vor der Birsfelder UBS ins Gesicht. Die Kugel ging durch die Wange und blieb vor der Halswirbelsäule stecken; der angeschossene Mann überlebte.

Das Opfer ist allerdings heute selbst angeklagt, weil der Mann an jenem Abend kurz vorher den Cousin des späteren Schützen als Geisel genommen haben soll. Ein heute
33-jähriger Kumpel half ihm dabei, den Cousin mit einer Waffe in Schach zu halten und gab nach dem lebensgefährlichen Schuss vermutlich seinerseits Schüsse auf den inzwischen flüchtenden Schützen ab. Die Geisel konnte im Gefecht unverletzt fliehen. Die Schiesserei ereignete sich am frühen Abend, deshalb wurden durch die Schüsse auch Passanten gefährdet.

So sassen gestern zum Prozessauftakt unter Polizeischutz drei Angeklagte im Gerichtssaal: Der 37-Jährige ist wegen versuchter vorsätzlicher Tötung angeklagt, der 32-Jährige wegen qualifizierter Geiselnahme, der 33-Jährige gar wegen beider Tatbestände. Alle Beteiligten haben türkische oder kurdische Wurzeln, sind hier aufgewachsen oder leben seit der Teenagerzeit hier. Die Polizei musste allerdings gestern nicht eingreifen: Die drei Angeklagten beharrten im Gerichtssaal zwar teilweise energisch auf angeblichen Widersprüchen der Gegenpartei, suchten ansonsten aber keinen Streit mehr.

Grund des Streits nicht bekannt

Offenbar sollte die Festhaltung des Cousins damals dazu dienen, mit dem 37-Jährigen «die Sache» zu klären und zu reden. Um was für eine Sache es sich tatsächlich handelt, ist bislang unklar - eine Woche vor der Birsfelder Schiesserei sah sich der 32-Jährige vom späteren Schützen bereits bedroht: Am Basler Kannenfeldplatz fühlte er sich verfolgt, gab zwei Warnschüsse in die Luft, flüchtete in eine Beiz und stellte sich hinterher der Polizei. Dieser Teil der Geschichte soll in Basel verhandelt werden, das Verfahren ist dort nach fast zehn Jahren noch immer hängig.

Alle drei Männer sehen sich als Opfer der Aggression der Gegenseite und berufen sich auf Notwehr. Zumindest eine unabhängige Zeugin will allerdings in Birsfelden gesehen haben, dass der Angeschossene kurz vor dem Schuss seine Hände erhoben hatte. Er hatte immer betont, er sei deeskalierend mit ausgebreiteten Armen auf den Schützen zugegangen. Abgesehen vom jetzigen Strafverfahren kämpft der 32-Jährige auch um seine Gesundheit: Auch nach all den Jahren wären weitere Operationen nötig, wofür die Versicherungen aber die Kosten nicht übernehmen wollen. Heute halten die Staatsanwaltschaft sowie die drei Verteidiger ihre Plädoyers, das Urteil fällt am Freitag.

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