Gleichstellung

Bischof Felix Gmür traf sich mit Theologinnen: «Für uns Frauen war das kein Erfolg»

Felix Gmür und Elke Kreiselmeyer

Felix Gmür und Elke Kreiselmeyer

Der Basler Bischof Felix Gmür traf sich mit Theologinnen, die Gleichberechtigung fordern. Für diese verlief das Gespräch nicht nur positiv.

Mit 20 Forderungen zur Gleichstellung in der römisch-katholischen Kirche wandten sich im Frühling Theologinnen und Theologen an Bischof Felix Gmür. Mittlerweile haben sie sich mit Bischof Gmür an einen Tisch gesetzt, um darüber zu sprechen.

Das Gespräch habe das gegenseitige Verständnis gefördert, sagt Hansruedi Huber, Medienverantwortlicher des Bistums Basel. In einer Medienmitteilung schreibt das Bistum zudem, dass man im Gespräch zwischen der Ebene der kulturellen und der strukturellen Veränderungen differenziert habe.

Den Fokus legt das Bistum nun auf kulturelle Veränderungen. Diese sollen unter anderem durch gezielte Aus- und Weiterbildung im Bereich der Gleichstellung gefördert werden. Zudem wurden die Berufsbezeichnungen angepasst: «Als Unterscheidung zu den Geistlichen wurden Theologen früher als ‹Laientheolog/-innen› bezeichnet und ihre Berufsgruppe ‹Pastoralassistent/-innen› genannt», erklärt Huber. «Laie» und «Assistent» verschwinden nun aus der Bezeichnung.

Verheiratete Priester für Bistum durchaus vorstellbar

Das weitere Vorgehen bei den strukturellen Veränderungen, wie beispielsweise die Abschaffung des Zölibats, wird durch die Bischofskonferenz auf nationaler Ebene besprochen. «Das Bistum Basel kann sich sowohl verheiratete Priester vorstellen wie auch Frauen am Altar», betont Huber.

Ungeachtet dessen zieht Elke Kreiselmeyer, Leiterin der katholischen Pfarrei St. Stephan Therwil/Biel Benken, ein ernüchterndes Fazit: «Ein Erfolg war das für uns Frauen nicht.» Ein Erfolg wäre es gewesen, wenn die Kirche anerkennen würde, dass Frauen das Recht haben, ihre Rolle zu definieren, sagt sie. «Und wenn anerkannt würde, dass ihre Forschungsergebnisse erwiesen haben, dass die heutige Situation der Frauen in der katholischen Kirche kein biblisches Fundament hat. Sie ist einer patriarchalen Schriftinterpretation zu verdanken, die teils bewusst den Beitrag der Frauen in der frühen Kirche verfälscht und verschwiegen hat.»

Trotzdem würde sie das Gespräch nicht als völlig wirkungslos bezeichnen. «Wir haben mit Felix Gmür einen Bischof, der zuhört und grundsätzlich immer zu Gesprächen bereit ist», sagt sie. Sie sei zufrieden, dass er die Taufvollmacht neu auch Theologen erteilen wolle, die nicht in einer Leitungsfunktion tätig sind. «Mich freut auch, dass die diskriminierenden Berufsbezeichnungen für das Bistum Basel abgeschafft wurden», sagt sie.

Deutlich mehr Schritte wünsche sie sich aber im Bereich der Liturgie. «Theologinnen feiern heute am Sonntag vielerorts Gottesdienste. Sie teilen die Kommunion aus, lesen das Evangelium vor, beten die offiziellen liturgischen Gebete und predigen. Sobald jemand von der Bistumsleitung mit dabei ist, müssen die Frauen wieder schweigen.» Das sei eine paradoxe und kränkende Situation. Die Gruppe werde sich nach der Sommerpause wieder treffen und das weitere Vorgehen besprechen.

Nun kommen auch die Migrantinnen vor

Monika Hungerbühler, Theologin und Leiterin der offenen Kirche Elisabethen in Basel, stimmt Kreiselmeyer zu. «Der ehemalige ‹Tag der Völker› hätte in ‹Tag der Migranten› umbenennt werden sollen», führt sie aus. Sie und einige Kolleginnen haben interveniert, nun heisst er «Tag der Migrantinnen und Migranten». «Das macht deutlich, dass sich zwar nicht auf struktureller, wohl aber auf kultureller Ebene doch einiges tut.»

Autor

Kelly Spielmann

Kelly Spielmann

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