Muttenz

Blaues Kreuz übernimmt Brocki der Lungenliga: Alte Waren brachten wenig Ertrag

Die Lungenliga beider Basel wollte mit «BrockiPlus» in Muttenz Geld verdienen. Ohne Subventionen konnte es aber kaum Gewinne machen. Beim Blauen Kreuz sind nun die Arbeitsplätze von IV, Arbeitsamt und Gemeinden mitfinanziert.

Über zwei Jahre lang versuchte die Lungenliga beider Basel, mit ihrem «BrockiPlus» in Muttenz Geld zu verdienen. Der Erlös aus dem Verkauf von Gebrauchtwaren im Brockenhaus an der Hofackerstrasse sollte die Tätigkeiten der Lungenliga mitfinanzieren. Schon das erste Betriebsjahr 2012 hätte Gewinn abwerfen sollen, so das ambitionierte Ziel.

Stattdessen betrug der Deckungsgrad nur 55 Prozent. Trotz eines im Jahresbericht angekündeten «Powerjahr 2013» gibt die Lungenliga ihr Brocki jetzt auf. «Es bestand keine Hoffnung, Gewinn zu erwirtschaften», sagt Geschäftsleiterin Sibylle Kraus.

Man sei finanziell gerade über die Runden gekommen. «So konnten wir das ‹BrockiPlus› nicht weiterführen.» Die Lungenliga ist Zewo-zertifiziert und darf nicht mehr als 17 Prozent ihrer Einnahmen in Administration stecken. Für die Lungenliga war es schweizweit der erste und vermutlich letzte Versuch, sich mit einem Brocki Geld zu verschaffen.

Doch zu geht das Brocki an der Hofackerstrasse nicht. Weitergeführt wird es von der Stiftung Jugendsozialwerk des Baselbieter Blauen Kreuzes. Dieses will das schaffen, was der Lungenliga nicht gelang: Mit dem Verkauf von gebrauchten Gegenständen Geld verdienen, mit dem das eigentliche Kerngeschäft im Sozialbereich finanziert werden soll.

Migranten habens gern günstig

Das Blaue Kreuz hat gegenüber der Lungenliga einen entscheidenden Vorteil: Es bietet in seinen Brockis geschützte Arbeitsplätze an. Die Löhne vieler Arbeitskräfte sind also von der IV, vom Arbeitsamt und von den Gemeinden mitfinanziert. Nach diesem Prinzip funktioniert seit 14 Jahren das Blaukreuz-Brocki in Reinach, seit zehn Jahren mit Gewinn.

Das stimmt dessen Leiter Benjamin Singer zuversichtlich: «Auf zwei bis drei Jahre hinaus wollen wir auch in Muttenz selbsttragend sein, am liebsten noch früher.» Schliesslich könne man die Infrastruktur und einen kleinen Teil der Mitarbeiter von der Lungenliga übernehmen.

Kraus hatte noch bemängelt, das «BrockiPlus» leide darunter, dass man es schlecht finde. Doch Singer ist überzeugt: «Wenn das Angebot gut ist, kommen die Käufer.» Denn eigentlich sei die Agglomeration für Brockenstuben ein guter Standort, findet er. Meist handle es sich um reiche Gemeinden. «Die Leute haben viel Material, das sie einer sozialen Institution abgeben möchten.»

Und in Muttenz sei Pratteln nicht weit, wo der Ausländeranteil hoch sei, sagt Singer. «Bei den Käufern haben wir inzwischen einen Migrantenanteil von 50 Prozent.» Kulturell bedingt, würden Ausländer oft dort einkaufen, wo es günstig sei.

Geld ist nicht alles

Doch auch wenn Brockis oft keine vollen Löhne zahlen, sind sie in der Agglo keine Selbstläufer. Das zeigt das «Jäger und Sammler» in der Ziegelei in Allschwil. Das Geld reiche knapp aus, sagt Claude Brunner, der das Brocki mit seiner Frau führt. Dabei zahlen die beiden vielen Mitarbeitern gar keinen Lohn.

Denn in Absprache mit der IV und ähnlichen Stellen bieten sie «eigentlich eine Art Beschäftigungsprogramm», so Brunner. Zum sozialen Charakter des Brockis gehört, dass man oft Sachen verschenkt, die noch etwas Wert sind. Brunner: «Wir definieren Lebensqualität eben nicht nur über Geld.»

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