In den Medien wurde das Gerücht aufgeworfen, Sie seien zur Aufgabe der TNW-Geschäftsführung gedrängt worden. Gehen Sie nun freiwillig oder nicht?

Andreas Büttiker: Ich gehe freiwillig; die Initiative kam ganz klar von unserer Seite. Die BLT hat am 30. Oktober 2012 den Verbundspartnern den Vorschlag unterbreitet, die Geschäftsstelle des TNW zum 1. Januar 2014 auszugliedern. Ein Auslöser für unsere Überlegung war, dass Paul Gschwind, der eigentliche «Mister TNW» hinter den Kulissen, Ende 2013 in Pension gehen wird. Ausserdem wird das Tarifgeschäft immer anspruchsvoller; und auch die Kantone als Besteller der öV-Leistungen sollen vermehrt Einfluss auf die Tarifpolitik nehmen können.

Sehen Sie den Interessenskonflikt zwischen TNW und BLT, der Ihnen in den Medien vorgeworfen wurde?

Nein. Als Leiter der Geschäftsstelle habe ich in erster Linie eine grosse Aufgabe und Verantwortung, aber kaum Kompetenzen. Denn die Entscheidungen werden ja einstimmig von allen sechs Tarifpartnern getroffen. Ich verstand meine Rolle stets als Dienstleister für die Verbundpartner.

Und die jährlichen 700 000 Franken, welche die BLT für TNW-Aufgaben bekommt?

Von dieser Summe werden 180 000 Franken für die eigentliche Geschäftsführung des TNW verwendet, die von drei Personen, mich eingeschlossen, in Teilzeit wahrgenommen wird. Der Grossteil der Kosten wird von BLT-Mitarbeitern in Teilzeit für «operative Fleissaufgaben» wie U-Abo-Bewirtschaftung, Subventionsabrechnung, Produktmanagement von Jobticket, Mobility-Ticket, Informatik und so weiter aufgewendet. Hier kann der TNW von betrieblichen Synergieeffekten, das heisst von tiefen Produktionskosten profitieren.

Der BLT bleiben Sie aber erhalten?

Ja, sicher, das steht nicht zur Diskussion. Ich bleibe übrigens auch dem TNW erhalten, da die BLT weiterhin Partner im Verbund ist.

Wie geht es denn nun konkret weiter mit dem TNW?

Mit der erwähnten BLT-Synergie haben wir seit 26 Jahren eine gut funktionierende Verwaltungsstruktur für den TNW, die erhalten bleiben soll. Es geht jetzt darum, die Geschäftsführung, das heisst die Managementaufgaben, auszulagern. Die neue Geschäftsstelle soll mit zwei Personen besetzt werden, mit deren Suche wir noch im Juni beginnen werden. Ferner sind wir daran zu klären, welche Aufgaben und Kompetenzen die Transportunternehmen und die Kantone in der neuen Struktur haben sollen. Die Kantone werden in erster Linie auf der strategischen Ebene mitwirken, zum Beispiel bei Fragen der Tarifpolitik.

Ist es ausgeschlossen, dass jemand aus den sechs Transportunternehmen des TNW Geschäftsführer wird?

Es ist noch völlig offen, wer die Geschäftsführung übernehmen wird. Für diese anspruchsvolle Stelle suchen wir die beste Person: Sie braucht hohe Fachkompetenz, aber auch Sozialkompetenz. Sie muss wissen, wie die trinationale Region funktioniert und gut kommunizieren können. Wir suchen eine Frau oder einen Mann mit Führungsqualitäten.

Sie hätten also kein Problem damit, wenn der neue Geschäftsführer aus den Reihen der BVB käme?

Der Prozess ist offen; und letztendlich ist es wichtig, dass wir die beste Person für die Aufgaben finden. Das kann übrigens auch jemand aus dem grenznahen Ausland sein.

Denken Sie bereits an eine trinationale Ausweitung des Verbunds?

Wir sind in der Region Basel pionierhaft vorangegangen mit trinationalen Tariflösungen. Ich denke an grenzüberschreitende Abos oder die trinationale Tageskarte. Die Rahmenbedingungen für den öV sind im Dreiland aber sehr unterschiedlich. Deshalb steht im Moment keine gemeinsame Organisation im Vordergrund, sondern die Vertiefung der gut funktionierenden Partnerschaften.

Aber am Einstimmigkeitsprinzip im TNW wird sich nichts ändern?

Ob sämtliche Entscheide auch in Zukunft einstimmig gefällt werden müssen, ist zu diskutieren. Ich gehe davon aus, dass strategische Entscheide wie Tarifpolitik, Einnahmen- und Kostenverteilung weiterhin der Einstimmigkeit bedürfen. Jeder Partner im TNW muss ernst genommen werden.

Wenn Sie die Geschäftsführung des TNW abgeben, haben Sie keine Angst, Ihren Trumpf für das Ein-Zonen-Prinzip zu verlieren?

(lacht) Die U-Abo-Zonierung ist letztlich eine politische Entscheidung, mit der auch alle TNW-Partner einverstanden sein müssen. Mit der Abgabe der Geschäftsführung wird die Position der BLT im Verbund aber sogar gestärkt. Wir können unsere Meinung pointierter einbringen, was bisher aufgrund des Doppelmandates nicht immer der Fall war.

Wie sehr belastet das Thema Margarethenstich die Zusammenarbeit im TNW?

Das sind zwei unterschiedliche Themen, die man auseinanderhalten muss. Natürlich beflügelt die Meinungsdifferenz die Zusammenarbeit im Verbund nicht gerade. Letztlich überwiegt aber das gemeinsame Interesse für einfache und attraktive Tariflösungen für unsere Kunden.

Und wann fusionieren BLT und BVB?

Das ist eine Frage, die schlussendlich die Verwaltungsräte und Kantonsregierungen zu beantworten haben. Tatsache ist, dass die Kostenstrukturen, die Produktivität und Unternehmenskulturen völlig unterschiedlich sind. Die BLT arbeitet als privatrechtliche Aktiengesellschaft deutlich günstiger. Die Erfahrung zeigt, dass sich bei einer Fusion der günstigere Betrieb an den finanziell aufwendigeren anpasst und nicht umgekehrt. Dies wollen wir nicht – und setzen deshalb auf Kooperation statt Fusion.

Was machen Sie jetzt mit Ihren 15 Stellenprozent, die mit dem TNW wegfallen?

(lacht) Mir wird es bestimmt nicht langweilig. Ich möchte mich intensiver der BLT zuwenden, aber auch mehr Zeit für meine Familie und mich selbst haben. Denn auch für mich gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit: Ich will auch mit 60 Jahren noch so fit sein wie heute.