Öffentlicher Verkehr

BLT-Doppelspur verzögert sich – und wird doppelt so teuer

Mit dem Doppelspur-Ausbau in Binningen muss eine ganze Häuserzeile abgerissen werden. Das frei werdende Areal bietet städtebauliche Möglichkeiten.

Mit dem Doppelspur-Ausbau in Binningen muss eine ganze Häuserzeile abgerissen werden. Das frei werdende Areal bietet städtebauliche Möglichkeiten.

Binningen ist für die Tramlinie 10 ein Nadelöhr. Schon seit sieben Jahren plant deshalb der Kanton den Doppelspurausbau. 2014 genehmigte der Kanton einen Planungskredit – doch die Umsetzung des Projekts verzögert sich.

Andreas Büttiker ist ungeduldig. Der Direktor der Baselland Transport AG (BLT) möchte den Doppelspurausbau der Tramlinie 10 in Binningen möglichst rasch. Derzeit besteht beim ehemaligen Restaurant Spiesshöfli ein 350 Meter langes Nadelöhr mit nur einer Spur. Dass sich die Trams durchgehend kreuzen können, ist laut Büttiker elementar wichtig für die Fahrbahnstabilität.

Zu Stosszeiten fahre alle dreieinhalb Minuten ein Tram durch den einspurigen Abschnitt, sagt er. «Da wartet ständig ein Tram.» Dabei übernehme der 10er für die 60 000 Einwohner des Leimentals die Funktion einer S-Bahn. Für die bereits angedachten Expresstrams wäre der Doppelspurausbau sogar zwingend nötig, sagt Büttiker. Für ihn ist klar: «Der Doppelspurausbau wird zu wenig entschlossen vorangetrieben.»

Als der Landrat 2014 einen Projektierungskredit von 850 000 Franken genehmigte, war der Zeitplan der Folgende: Genehmigung des Baukredits durch den Landrat 2017, Baubeginn 2018, Inbetriebnahme 2020. Doch derzeit befindet sich das Projekt erst auf der «Stufe Bauprojekt (Entwurf)». Das antwortete die Regierung im vergangenen November auf eine Anfrage der Ettinger Landrätin Christine Gorrengourt (CVP).

Daniel Schoop, der in der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) das Projekt «Spiesshöfli» leitet, räumt auf Anfrage ein: Der Rückstand auf den ursprünglichen Fahrplan beträgt etwa zwei Jahre. Seine Begründung: Der Landrat konnte 2014 den Projektierungskredit erst sprechen, nachdem der Bund im Rahmen des 2. Agglomerationsprogramms seine Mitfinanzierung sichergestellt hatte. Seither, versichert Schoop, «ist die Terminplanung stabil». Demnach soll der Baukredit Ende 2018 vor den Landrat kommen. Gibt es keine Einsprachen, ist 2020 Baubeginn.

Allerdings bleibt eine zeitliche Unsicherheit. Denn für den Doppelspurausbau (und für die Sanierung der Kantonsstrasse) müssen mindestens zwölf Liegenschaften abgerissen werden, weil ihr Abstand zu den Schienen zu klein wäre. Die Parzellen, auf denen sie stehen, möchte der Kanton als Ganzes kaufen. Das sei sinnvoller, als nur diejenigen Quadratmeter zu erwerben, die man brauche, sagt BUD-Sprecher Dieter Leutwyler. Einige Besitzer hätten schon verkauft, mit anderen sei der Kanton noch am Verhandeln. «Wir suchen einvernehmliche Lösungen und wissen noch nicht, ob es Enteignungen geben wird», sagt Leutwyler.

Seit sieben Jahren wird geplant

Doch erfahrungsgemäss brauchen Enteignungen Zeit – was wiederum Binningen gar nicht so ungelegen käme. «Das gibt uns die Gelegenheit, uns Gedanken zu machen, was wir mit dem frei werdenden Areal machen wollen.» Der Kanton möchte nämlich die Flächen, die für den Doppelspurausbau nicht nötig sind, nach dem Bau wieder veräussern. Für Keller ist das «eine einmalige Chance». Das Areal sei stadtnah, verkehrstechnisch bestens erschlossen und biete sich deshalb für eine Wohnüberbauung an.

Der Kanton ist laut Keller offen für Gespräche, will aber von Binningen konkrete Vorstellungen sehen. «Wir wollen jetzt Ideen zusammentragen und das weitere Vorgehen beschliessen», sagt Keller. Offen ist zum Beispiel, an wen der Kanton die Areale verkaufen soll. Für Keller ist aber jetzt schon klar: Die Binninger Pläne werden den Doppelspurausbau nicht verzögern.

Doch für Büttiker gehen sowohl Kanton als auch Gemeinde zu langsam vor. Seit mindestens sieben Jahren werde am Projekt Spiesshöfli geplant, stellt er fest. Da müsse eigentlich klar sein, was städtebaulich möglich und sinnvoll sei. Das Schienenprojekt komme mehr oder weniger voran. Doch für ihn ist auch wichtig, dass man für das ganze Areals eine gute Lösung findet. «Das hilft der Akzeptanz des Schienenprojekts.»

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