Passagier-Rückgang

BLT kannibalisiert sich selbst: E-Fahrzeuge erobern die Kurzstrecke

Pick-e-Bike statt Tram Die BLT trägt am Rückgang ihrer Fahrgastzahlen eine gewisse Mitschuld.

Pick-e-Bike statt Tram Die BLT trägt am Rückgang ihrer Fahrgastzahlen eine gewisse Mitschuld.

Der Geschäftsbericht 2018 der Baselland Transport AG lässt aufhorchen. Das Transportunternehmen muss bei den Passagieren einen Rückgang hinnehmen, zum zweiten Mal in Folge.

Es ist ein ungewohntes Bild, das die BLT abgibt. Früher war klar: Jahr für Jahr transportieren die gelben Trams mehr Passagiere. Die Vorortslinien konnten auf die wachsende Bevölkerung entlang der Täler südlich von Basel zählen, die gerne die BLT-Trams benutzte, um rasch in die Stadt und wieder nach Hause zu gelangen.

Jetzt hat diese Erfolgsstory ein Ende gefunden. Total wurden im vergangenen Jahr 54,8 Millionen Fahrgäste gezählt, 963'000 weniger als noch im Vorjahr. Den Verlust eingefahren haben jedoch lediglich die Tramlinien. Schon 2017 hatte sich die Zahl der Fahrgäste auf der Schiene konsolidiert, 2018 verschärfte sich der Trend. Der Rückgang beträgt minus 2,2 Prozent, so steht es im publizierten Jahresbericht der Baselland Transport AG.

Auch die Basler Verkehrs-Betriebe hatten Rückgänge vermeldet. Die BVB registrierte laut ihrem Anfang Mai publizierten Jahresbericht ein Minus auf fast allen Tramlinien. Bemerkenswert im Fall der BLT ist: Bei den Bussen ist der Aufwärtstrend ungebrochen. Die 19 Linien fuhren ein Plus von 1,1 Prozent ein.

Mehrere Faktoren verantwortlich

Andreas Büttiker macht für den Rückgang der Trampassagiere mehrere Faktoren verantwortlich. So sei die Nachfrage bei den Linien 10, 11 und 17, vor allem im Basler Innenstadtbereich rückläufig gewesen, obwohl Basel-Stadt an Bewohnern und Jobs zulege. Der Rückgang habe, sagt der BLT-Direktor zur bz, sicher auch mit dem schönen Wetter, das zum Flanieren anregte, und den vielen Baustellen zu tun gehabt.

Als schärfsten neuen Konkurrenten, der seinem Betrieb Passagiere abgräbt, macht Büttiker aber die E-Fahrzeuge aus. «Wir beobachten, wie sich die Mikromobilität der Kunden rasant verändert», sagt Büttiker. «Die E-Bikes und E-Trottinette sind eine attraktive Alternative zum öffentlichen Verkehr. Gerade auf der Kurzstrecke in der Innenstadt ist das zu spüren. Es gibt aber auch immer mehr Personen, die das E-Bike zum Pendeln benutzen.»

Pikant an Büttikers Aussagen ist, dass die BLT selber kräftig im E-Mobilitäts-Markt mitmischt. Vor einem Jahr lancierte sie gemeinsam mit Primeo Energie und der Basler Kantonalbank das neue Sharing-Angebot «Pick-e-Bike» mit 300 E-Bikes und 60 E-Scootern zum Ausleihen. Laut BLT zählt das Angebot rund 14'000 Kundinnen und Kunden.

Büttiker sagt, der Trend hin zu den Sharing-Angeboten sei ungebrochen – das könne sein Unternehmen nicht ignorieren: «Immer mehr Menschen wollen ein Motorfahrzeug oder ein Velo nicht mehr selber besitzen. Sie nutzen die Fahrzeuge stattdessen nur dann, wenn sie effektiv eines brauchen.»

Mehr Einzeltickets verkauft

Für die BLT gehe es darum, die «First- und Last-Mile» zu besetzen: «Wir müssen dafür schauen, dass die Menschen mit unseren Angeboten zu unseren Trams und Bussen gelangen. Wenn wir das nicht machen, macht es jemand anderes.» Sein Unternehmen gehe so auch ein gewisses Risiko ein, dass die eine oder andere Tram- oder Busfahrt wegfalle, weil ein Kunde die Strecke gleich ganz mit dem E-Fahrzeug zurücklege. «Aber wir sehen ‹Pick-e-Bike› ganz klar als Ergänzung zu unserem bestehenden Angebot.»

Ein weiterer Faktor dafür, dass die Trams mehr Luft statt Menschen herumkutschierten, ist laut Büttiker die Demografie. In den Agglomerationsgemeinden steige der Anteil der Pensionierten. Die seien – anders als Erwerbstätige – nicht mehr täglich mit dem öV unterwegs. Daher würden sie auf das Jahres-U-Abo verzichten und stattdessen eher Einzeltickets und Mehrfahrtenkarten lösen. Ein Sonderfall ist die Waldenburgerbahn, welche die BLT 2016 integrierte. Das Minus der Linie 19 ist mit der abnehmenden Zahl von Schülerinnen und Schülern zu erklären.

Finanziell hat der Rückgang bei den Trams für die BLT keine Konsequenzen. Der Jahresgewinn beträgt 2,45 Millionen Franken. Alle drei Sparten erwirtschafteten einen Überschuss.

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