Öffentlicher Verkehr

BLT startet im Baselbiet dreijährigen Test mit neuem Erdgasbus

Die Baselland Transport AG (BLT) testet in den kommenden drei Jahren auf ihrem Liniennetz einen neuen Erdgasbus. Dieser ergänzt die Busflotte der BLT, die derzeit aus 63 Linienbussen besteht. Der Hersteller Scania stellt den Bus kostenlos zur Verfügung.

Wer sich regelmässig in einen BLT-Bus setzt, könnte bald in einem mit Erdgas betriebenen Modell unterwegs sein. Ab sofort testet die Baselland Transport AG (BLT) nämlich ein Modell der neusten Generation (Euro-6-Norm) von Scania. Es ist der erste gasbetriebene Bus des schwedischen Nutzfahrzeugherstellers in der Schweiz. In den kommenden drei Jahren sollen die Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Ökologie der Gas-Antriebstechnologie unter die Lupe genommen werden. Dies in Zusammenarbeit mit Scania Schweiz und dem Gasverbund Mittelland AG (GVM). Sie stellen der BLT den Gasbus kostenlos zur Verfügung. Die BLT bezahlt den Treibstoff sowie das Verbrauchsmaterial für den Unterhalt. Der dreijährige Versuch wird von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) begleitet.


Klimaanlage unangenehm laut
Feierliches Blumengesteck zierte die Front des Erdgasbusses. Mangels Tankstelle in Oberwil führte die Jungfernfahrt gestern vom dortigen BLT-Depot Hüslimatt bis zur Gas-Tankstelle in Arlesheim. Das Fahrgeräusch klingt ähnlich laut wie bei anderen Linienbussen. Die Klimaanlage hat allerdings einen etwas unangenehmen Geräuschpegel. Bei der Gangschaltung ruckelte der Bus minim. Trotzdem: Die meisten Fahrgäste würden kaum merken, dass sie in einem gasbetriebenen Bus sitzen. Die dominierenden Farben innen sind dunkelgelb und grau, die Passagiersitze mit anthrazitfarbenem Stoff überzogen. Auf der Fahrt nach Arlesheim sass es sich bequem. Wie heutzutage üblich, ist der Bus Rollstuhl- und Kinderwagen-tauglich. Ins Auge fällt das fehlende Fenster am Heck des Busses. Dort befindet sich der Gasmotor.

Hybridbusse: «Zu wenig Pfupf»
Die BLT setzt heute auf ihren 18 Buslinien in der Agglomeration Basel und im oberen Baselbiet 63 Dieselbusse des Herstellers Mercedes ein. Pro Jahr legt ein Bus rund 65 000 Kilometer zurück. Während der Einsatzdauer von zwölf Jahren bringt es ein Bus also auf etwa 800 000 Kilometer. Ebenso testet die BLT seit drei Jahren einen Volvo Hybridbus. Dieser Versuch läuft Mitte 2016 aus. Die Hybridtechnologie für Linienbusse habe sich im Agglomerationsverkehr nicht bewährt. «Die Hybridbusse haben zu wenig Pfupf», sagt BLT-Direktor Andreas Büttiker. Hinzu komme, dass die Treibstoffeinsparung im Vergleich zu den neusten Euro-6-Dieselmotoren nur 15 Prozent betrage, was den teureren Preis in der Anschaffung und im Unterhalt von 25 Prozent nicht rechtfertige. «Der Gasbus ist kein Ersatz, aber eine gute Ergänzung», findet Kurt Schmidlin, Leiter Marketing beim GVM.


Mit dem Erdgasbus scheint die BLT im Trend und der Stadt Basel einen Schritt voraus zu sein, da diese noch keine Euro-6-Gasbusse haben. Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) «nimmt den Entscheid der BLT zur Kenntnis». Die BVB betreiben aktuell 38 Mercedes-Gasbusse, die zu rund 40 Prozent mit Biogas betrieben werden. «Bei der letzten Busbeschaffung wurden keine Gasbusse beschafft, da damals keiner mit Euro-6-Abgasnorm auf dem Markt erhältlich war», sagt BVB-Mediensprecher Benjamin Schmid. Die Wahl der Dieselbusse sei deshalb zum Zeitpunkt der Beschaffung richtig gewesen, betont er.


Der Euro-5-Bus schneide, ökologisch gesehen, deutlich schlechter ab. Bei den BVB ist man der Ansicht, dass mit der Euro-6-Norm die Dieselbusse aus Emissionssicht den Gasmotoren ebenbürtig sind. In Bezug auf den Energieverbrauch habe der Dieselbus durch seinen besseren Wirkungsgrad aber klar die Nase vorne. Im Rahmen des Projekts ‹Bus der Zukunft› evaluiert die BVB alternative Antriebssysteme für die nächsten Beschaffungen 2020 und 2027.» Dabei würden auch Gasbusse untersucht, welche mit 100 Prozent Biogas betrieben werden.

Meistgesehen

Artboard 1