Millionenprojekt

BLT verleiht bald E-Bikes – Basel-Stadt ist «not amused»

In Zürich wird bereits geradelt, in Basel liegt die freie Fahrt in weiter Ferne.

In Zürich wird bereits geradelt, in Basel liegt die freie Fahrt in weiter Ferne.

BLT-Direktor Andreas Büttiker will in der Region 250 Elektrovelos sowie 60 Elektroroller vermieten. Der Konflikt mit den Basler Behörden ist absehbar.

Die Firma ist gegründet, in zwei Wochen wird das Angebot gross vorgestellt: Pick-e-Bike – ein Veloverleihsystem mit E-Bikes. Das Millionenprojekt wird von den staatsnahen Betriebe Baselland Transport (BLT), Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und Basler Kantonalbank (BKB) getragen, wie Andreas Büttiker, BLT-Direktor und Verwaltungsratspräsident der neuen Firma, bestätigt. Es handle sich um ein kantons- und branchenübergreifendes Angebot, das zunächst in einem Versuchsbetrieb lanciert werde. Alle weiteren Informationen will Büttiker für den geplanten Medienauftritt aufsparen.

Recherchen zeigen, dass vorerst in der Region 250 Elektrovelos sowie 60 Elektroroller zum Einsatz kommen sollen. Nach vorliegenden Informationen sind keine festen Standplätze vorgesehen, sondern via App kann das am nächsten stehende Gefährt – wie bei Catch-a-Car – gesucht und gebucht werden. Büttiker ist von der Software-Lösung begeistert und spricht von einer «coolen Sache». Die Anfangsinvestition für die Fahrzeuge in Höhe von 1,3 Millionen Franken übernimmt die EBM.

Mit dem Zürcher Anbieter «smide» waren im vergangenen Jahre noch Kooperationsgespräche geführt worden. Die Basler Partner hätten sich jedoch zu einem Alleingang entschlossen. «Smide»-Mitinhaber Raoul Stöckle bedauert, dass nun konkurrierende Systeme auf den Markt drängen. Stossend sei auch, dass in der Region Basel mit öffentlichen Geldern finanziert werde, was auch privatwirtschaftlich hätte aufgebaut werden können.

Basel-Stadt fährt andere Strategie

Basel-Stadt ist über die Kantonalbank, nicht aber über die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) Teil des Aktionariats. Ob sich die BVB beteiligen würden, sei noch offen, erklärt Sprecher Benjamin Schmid. BVB-Direktor Erich Lagler hat an der Jahresmedienkonferenz von dieser Woche aber auf die Bedeutung der E-Bikes hingewiesen: Die massive Zunahme von Elektrofahrrädern sei ein Grund, weshalb die Zahl der BVB-Fahrgäste trotz wachsender Bevölkerung und Pendlerströme rückläufig sei.

Die Basler Verwaltung steht dem Projekt Pick-e-Bike kritisch gegenüber. Dies geht jedenfalls aus Antworten der Regierung zu neueren parlamentarischen Vorstössen hervor, auf die Projektleiter Martin Dolleschel hinweist. In den Stellungnahmen wird die öffentliche Ausschreibung eines einheitlichen Verleihsystems angekündigt, da ein solches als «öffentliche Aufgabe» erkannt wurde. Der Betrieb eines Verleihs im öffentlichen Raum sei zudem «bewilligungspflichtig». Die Prüfung von Gesuchen einzelner Anbieter erachtet die die Regierung aber als «nicht sinnvoll», da die Zulassung mehrerer Anbieter wenig kundenfreundlich sei. Ein Konflikt mit Pick-e-Bike ist damit programmiert.

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