Ob der Mann, der am Sonntag in Rünenberg Martin Wagner und dann sich selbst erschossen hat, das mit einer Armeepistole oder mit einer privaten getan hat, will die Polizei bis dato nicht sagen. So oder so: Die Tat dürfte die Diskussion um den Erwerb von Schusswaffen im privaten Rahmen befeuern. Derzeit läuft diese Diskussion vor allem auf einer übergeordneten Ebene, auf der es darum geht, ob die Schweiz die in der EU als Folge der Terroranschläge geplante Verschärfung des Waffenrechts übernehmen muss.

Über die derzeitige Entwicklung sprechen die Zahlen der Baselbieter Polizei eine deutliche Sprache: Die Baselbieter rüsten im Schnellzugstempo auf. Im letzten Jahr waren im Kanton 24'500 Waffen in Privatbesitz registriert. Das sind über 18'000 Waffen mehr als 2009, als neue gesetzliche Bestimmungen über die Registrierung von Waffen eingeführt wurden. Davor habe es eine grössere Dunkelziffer gegeben, sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler, weil Verkäufe unter Privaten nicht registriert worden seien.

Zu beachten ist dabei, dass die Zunahme an Waffen seit 2009 nicht linear erfolgte, sondern vor allem in den letzten Jahren massiv angestiegen ist. So nahm der Waffenbestand – dabei wird nicht nach Art der Waffe wie Pistole oder Gewehr unterschieden – 2015 um 2231, im 2016 um 3050 und im letzten Jahr um 3212 Stück zu. Dafür seien verschiedene Faktoren verantwortlich, so unter anderem das subjektive Sicherheitsgefühl, bei dem wiederum die Weltlage eine Rolle spiele, sagt Gaugler. Etwas plakativer ausgedrückt könnte das heissen: ein Trump in Amerika, viele Waffen im Baselbiet.

Weniger Armeewaffen

Aber nicht jeder, der will, erhält eine Waffe. Denn dazu ist ein Waffenerwerbsschein nötig und um diesen ausgestellt zu bekommen, muss man ein Gesuch ausfüllen und einen Strafregisterauszug beibringen. Die Polizei prüft danach in ihrem System nach Einträgen in Datenbanken, so etwa in jener mit den Hooligans. Dazu Gaugler: «Nur wenn keine Auffälligkeiten vorhanden sind, erhält eine Person einen Waffenerwerbsschein.» Mit diesem kann man dann innerhalb von sechs Monaten eine Waffe mit unbeschränkter Menge Munition kaufen. Wird eine Person später auffällig zum Beispiel durch häusliche Gewalt, kann ihm die Polizei die Waffe abnehmen.

Über die zunehmende Ausstellung von Waffenerwerbsscheinen freut sich Urs Küng. Der Betreiber eines Waffenladens im Liestaler Stedtli sagt, dass das 2017 für ihn ein gutes Jahr gewesen sei. Küng ist nahe bei den Leuten und sieht einen Grund für das zunehmende Bedürfnis nach Waffen bei der Polizei selbst: «Der Kanton spart und spart, und die Polizei schliesst in diesem Zusammenhang immer mehr Posten. Dadurch fühlen sich viele unsicherer.»

Eine Rolle spiele aber auch die mögliche Verschärfung des Waffengesetzes: Die Leute wollten vorher noch eine Waffe erstehen. Küng, der sein Waffengeschäft seit 1995 führt, sagt denn auch: «Mein bestes Jahr war 1998. Am 1. Januar 1999 wurde das Waffengesetz verschärft.»
In die umgekehrte Richtung weist die Tendenz bei den Militärwaffen, wobei es nur Zahlen für die ganze Schweiz und nicht für die einzelnen Kantone gibt: Immer weniger Armeeangehörige behalten nach dem Austritt aus dem Militärdienst ihre Waffen. 2006 waren es 25 Prozent, im Jahr 2016 noch elf Prozent; neuere Zahlen gibt es beim eidgenössischen Verteidigungsdepartement nicht.

Weil parallel dazu die Zahl der Soldaten abnimmt, sinkt die Zahl der Armeewaffen, die in Privatbesitz übergehen, rapide. 2016 waren es 1544 Sturmgewehre und 1016 Pistolen, zehn Jahre zuvor noch 5375 Sturmgewehre und 3165 Pistolen. Besonders stark war der Rückgang von 2009 auf 2010. Damals mussten alle, die ihre Armeewaffe behalten wollten, erstmals einen Waffenerwerbsschein vorweisen.