Im Baselbieter Landrat kommt es zum grossen Sesselrücken: Nicht weniger als 27 der insgesamt 90 Kantonsparlamentarier haben an der heutigen Ratssitzung ihren Letzten. 15 von ihnen wurden bei den Gesamterneuerungswahlen vom 31. März abgewählt, 9 durften wegen der im Baselbiet geltenden Amtszeitguillotine von vier Legislaturen gar nicht mehr kandidieren. Drei weitere Landräte werden aus anderen Gründen heute verabschiedet: Kathrin Schweizer (SP, Muttenz) ist zwar als Landrätin im Amt bestätigt worden; weil sie aber gleichzeitig in die Kantonsregierung gewählt wurde, erbt ihren Parlamentssitz Roger Boerlin.

Ebenfalls wiedergewählt wurde Oskar Kämpfer; der ehemalige SVP-Präsident kündigte allerdings nach der Wahl an, aus gesundheitlichen Gründen das Amt in der neuen Legislatur nicht weiterzuführen. An seiner Stelle wird nun am Montag Dominique Erhart angelobt. Der Liestaler Diego Stoll hat aus beruflichen Gründen auf eine Kandidatur und damit die wahrscheinliche Wiederwahl verzichtet. Stoll – einer der grossen Hoffnungsträger der Baselbieter SP – scheidet nach nur einer Legislatur aus dem Parlament aus.

Fraktions- und Parteichefs weg

Zwar liegt es in der Natur der Sache, dass es zum Legislaturwechsel im Parlament zu einer Blutauffrischung kommt. Doch dieses Mal sind die Abgänge besonders zahlreich und der zumindest vorübergehende «Braindrain» offensichtlich: Mit Rolf Richterich (FDP) und Dominik Straumann (SVP) gehen gleich zwei amtierende Fraktionschefs, auch Kathrin Schweizer hatte dieses Amt (2011-2015) inne. Der Muttenzer Straumann ist zudem SVP-Kantonalpräsident.

Dasselbe gilt für die ehemaligen Parteichefs Oskar Kämpfer (SVP), Paul Hofer (FDP), Marie-Therese Müller (BDP) Pia Fankhauser und Martin Rüegg (beide SP). In der langen Liste an Prominenten, die heute gewollt oder ungewollt verabschiedet werden, sticht ein weiterer Name heraus: jener von Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser. Er ist bei den Gesamterneuerungswahlen nach zwölf Jahren im Parlament abgewählt worden.

Sieben der von der Amtszeitguillotine betroffenen Landräte sind in der ablaufenden Legislatur vorzeitig zurückgetreten. Darunter sind gleich vier alt Landratspräsidenten. Rechnet man diese Rücktritte hinzu, ist die in jüngerer Vergangenheit erfolgte personelle Erneuerung im Parlament noch augenfälliger. Das heisst freilich nicht, dass am Montag lauter Grünschnäbel einziehen würden. Unter den 27 Neulingen finden sich ein Verbandsdirektor (Martin Dätwyler von der Handelskammer beider Basel), ein Parteichef (Bálint Csontos von den Grünen) sowie mehrere aktuelle oder ehemalige Gemeindepräsidenten.