Eigentlich lief alles wie geschmiert: Als 23-jähriger Mann erhielt er bei einer Firma in Aesch eine Stelle als Buchhaltungsassistent, stieg bald zum Buchhalter auf und war vom begeisterten Patron insgeheim schon als künftiger Geschäftsführer auserkoren. Vier Jahre später verdiente er monatlich 6300 Franken und kümmerte sich um die gesamte Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung. Auch konnte er ohne jede weitere Kontrolle durch den Geschäftsführer beliebige Beträge ab dem Firmenkonto überweisen: Er verfügte über sämtliche Logins und Passwörter für das E-Banking.

Doch der Lohn reichte für den gewünschten Lebensstandard offenbar nicht aus: Der Mann fing an, erfundene Rechnungen von tatsächlichen Lieferanten einzubuchen oder fälschte die Rechnungen gar komplett.

Erst nach zwei Jahren aufgeflogen

Überweisungen gingen auf sein Privatkonto, und die Belastungsanzeigen von der Bank fälschte er hinterher ebenfalls wieder passend. Auch die Revisoren hatten jeweils den Eindruck, es seien lediglich normale Lieferantenrechnungen bezahlt worden. Nach zwei Jahren flog die Sache allerdings auf: Die Deliktsumme liegt bei knapp über einer Million Franken.

Gerichtspräsident Daniel Seiler rechnete dem Mann gestern im Strafgericht in Muttenz vor, er habe über 25 Monate hinweg jeden Monat rund 40'000 Franken veruntreut. Der Angeklagte gab die Verfehlungen zwar zu, konnte aber das Ganze nicht so recht erklären. Er erwähnte den Erwartungsdruck des damaligen Chefs sowie die Ansprüche seiner aus gutem Hause stammenden Ehefrau. Das Geld ging offenbar für Möbel, Schmuck, Kleider und Autos drauf.

Arbeitgeber verweigert Vergleich

Bislang zahlte der Mann monatlich 2000 Franken zurück, rund 50'000 Franken hat er bereits abgestottert. Allein etwa 70'000 Franken ergab die Verwertung seiner Wertgegenstände.

Ein Vergleich mit dem ehemaligen Arbeitgeber war bislang nicht möglich: Dessen Anwalt sagte vor Gericht, sein Mandant sei nicht bereit, den Grossteil der Summe von insgesamt einer Million Franken abzuschreiben. Der Verteidiger meinte dazu, die Vergleichsvorschläge seien für seinen Mandanten schlichtweg nicht machbar.

Das Dreiergericht verurteilte den Mann schliesslich – wie von der Staatsanwaltschaft gefordert – zu einer teilbedingten Strafe von zweieinhalb Jahren wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung.

Urteil kann weitergezogen werden

Sechs von diesen 30 Monaten muss er absitzen, was eigentlich problemlos mit der elektronischen Fussfessel möglich wäre. Sein heutiger Arbeitgeber weiss allerdings nichts von der Geschichte, und die erwähnte Vollzugsform ist nur in Kooperation mit dem Arbeitgeber möglich. Der Verteidiger hatte 18 Monate bedingt gefordert, er kann das Urteil aber noch weiterziehen.