Ettingen

Buchlädeli trotz Spendenstopp gerettet

Das Ehepaar Stöcklin (Links) und das Ehepaar Bürgler bangten in den letzten Wochen ums Buchlädeli.

Das Ehepaar Stöcklin (Links) und das Ehepaar Bürgler bangten in den letzten Wochen ums Buchlädeli.

«Es geht weiter!» ist seit kurzem auf der Website der Rettungsaktion fürs Buchlädeli Ettingen zu lesen.

Man sollte meinen, dass der von Alain und Nicole Bürgler organisierte Spendenaufruf Früchte getragen hat. Beim Telefonat mit Werner Stöcklin, der vor 25 Jahren mit seiner Frau die Buchhandlung «Für Gross und Klein» gegründet hat, wird jedoch klar, dass sich kurzfristig eine ganz andere Lösung ergeben hat: Das Lädeli wird von einer jungen Frau übernommen.

Kleingewerbe straft Engagement fürs Dorf ab

Spulen wir zurück: Im Dezember startete das Ehepaar Bürgler einen Spendenaufruf, um das Fortbestehen des Buchlädelis von Werner und Brigitte Stöck- lin zu sichern. Da sich keine Nachfolger finden liessen, sprangen Alain und Nicole Bürgler in die Lücke – mit der Bedingung, den Laden definitiv zu übernehmen, falls genug Spenden zusammenkommen würden (die bz berichtete).
In den vergangenen Wochen zeichnete sich aber ab, dass diese Art von Rettungsbemühung schlecht ankam im Dorf. Werner Stöcklin spricht gar von Umsatzeinbussen: «Von Seiten unserer Kunden wurde der Vorwurf laut, der Ladenverkauf sei viel zu teuer. Wir wollten für den Verkauf der Buchhandlung wesentlich weniger als der Gesamtbetrag des Spendenziels.» Mancher Ettinger hätte sich gefragt, wie viel Engagement und Nachhaltigkeit in einem Geschäft, das mit Fremdkapital aufgebaut ist, tatsächlich stecken könne.

Von solchen Reaktionen weiss auch Alain Bürgler zu berichten: «Es gab bestimmt Leute, die den Laden boykottierten, weil sie mit der Spendenaktion nicht einverstanden waren.» Nebst der Aktion schrieb das Ehepaar auch KMU an mit der Bitte, der Buchhandlung finanziell unter die Arme zu greifen. Diese Schreiben weckten bei einigen Gewerblern Unmut. «Ich glaube, im Kleingewerbe ist gutes Geld allenfalls geliehenes Geld. Geschenktes Geld geniesst einen zweifelhaften Ruf», bedauert Bürgler. Es herrsche die Meinung vor, Unternehmen hätten sich selbst hochzustrampeln.

Trotz Spendenabbruch Gewinner auf allen Seiten

Und dennoch: Solidarisierung gab es durchaus. Einige Geschäfte taten ihre Unterstützung kund, das Spendenbarometer kletterte bis zum Aktionsabbruch vor zwei Wochen auf knapp 17000 Franken. Auch wenn diese Summe vom Gesamtbetrag, den Bürgler zweimal nach unten korrigierte, nur rund zehn Prozent ausmachte. «20000 Franken hätten wir geschafft», ist sich Bürgler sicher, «gerade jetzt, im letzten Monat der Aktion, hatten wir viel Werbung gemacht und waren mit einigen Privatpersonen in Verhandlung.» Umso bitterer fühlte sich die plötzliche Absage an.

Werner Stöcklin spricht von einem Glücksfall und meint damit die frischgebackene Ladenbesitzerin Eveline Scherrer. Die 24-jährige Walliserin, die noch nicht lange in Witterswil wohnt, hörte zufällig über ihre Schwester vom Spendenaufruf. Sie habe das Ehepaar Bürgler kontaktiert und ihr Interesse an einer Mitfinanzierung und einer gemeinsamen Geschäftsübernahme geäussert.
Zusammen mit ihrem Schwager, der Jurist ist, sei sie nach den anfänglichen Gesprächen noch einmal über die Bücher gegangen. «Ein grosses finanzielles Risiko zu tragen und nur ein eingeschränktes Mitspracherecht zu haben, ist eine ungünstige Ausgangslage», ist Scherrer sicher. So entschied sich die gelernte Detailhandelsfachfrau und momentane Schulassistenz, den Laden alleine zu übernehmen: «Ich träumte schon lange von einem eigenen Lädeli. Diese Chance musste ich einfach packen.»

Kundenreaktionen fallen positiv aus

Die zweite Spendeninfo, die am 8. Februar stattfand, wurde kurzerhand zur Information über die Geschäftsübernahme umfunktioniert, mit unterschiedlichen Emotionen. «Ich bin zuversichtlich, dass der Laden Zukunft haben wird. Die Kundenreaktionen sind ausgezeichnet», schwärmt Stöcklin. Scherrer spricht von einer anfänglich getrübten Freude; schliesslich sei sie es gewesen, die der Spendenaktion ein Ende gesetzt habe.

Den schwierigsten Stand hat wohl das Ehepaar Bürgler: «Unser Traum, die ganze Energie und der Effort, den wir in die Aktion gesteckt haben, sind wie eine Seifenblase geplatzt. Das war im ersten Moment sehr frustrierend.» Mittlerweile überwiege aber die Freude, dass das Buchlädeli gerettet werden konnte. «Dank unserer Aktion ist Frau Scherrer ja erst auf den Laden aufmerksam geworden. Insofern haben wir unser Ziel erreicht.»

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