Liestal

Bürgergemeinde gibt grünes Licht für Windräder am Schleifenberg

Die Elektra Baselland hofft, dass sich das Projekt am Schleifenberg realisieren lässt. (Symbolbild)

Die Elektra Baselland hofft, dass sich das Projekt am Schleifenberg realisieren lässt. (Symbolbild)

Die Liestaler Bürger stimmten am Montag über den Bau von drei neuen Windanlagen am Schleifenberg ab. Der Grundentscheid viel mit 55 zu 6 Stimmen positiv aus. Die Elektra Baselland wird nun überprüfen, ob der Standort geeignet ist.

Die Elektra Baselland (EBL) trat mit geballter Kraft auf: CEO Urs Steiner, Geschäftsleitungsmitglied Tobias Andrist und Projektleiter Martin Strohmaier erklärten am Montagabend den Liestaler Bürgern wortreich, wieso es am Schleifenberg vier Windräder brauche.

Unter dem Stichwort Energiewende legten sie dar, dass neue Atomkraftwerke kein Thema mehr seien für die Schweiz, dass der Ausbau der Wasserkraft an Grenzen und Widerstände stosse, und die EBL nicht nur im Ausland in Solar- und Windenergie investieren wolle. Dazu Andrist: «Wir müssen auch vor Ort etwas machen, die Lasten müssen überall verteilt werden.» Zudem laufen wichtige Konzessionen wie jene des Kraftwerks Birsfelden, an dem die EBL beteiligt ist, in absehbarer Zeit aus.

Doch die EBL musste die noch relativ jungen Windpläne in ihrem Einzugsgebiet bereits zusammenstutzen: Von den sieben ins Auge gefassten Windrädern am Nordhang des Ergolztals, die Strom für je 1000 Haushaltungen produzieren sollten, liess sie jene drei in Lausen und Sissach mangels Wind fallen.

Diese seien bei einer Einspeisevergütung von 20 Rappen pro Kilowattstunde nicht wirtschaftlich zu betreiben, begründete Strohmaier den Verzicht am Rande der Bürgergemeindeversammlung. Und die auf Füllinsdörfer Boden geplante Anlage steht auf wackligem Grund: Gegen die äusserst knappe Zustimmung der Bürgergemeindeversammlung wurde das Referendum ergriffen. Voraussichtlich kommt es im ersten Halbjahr 2016 zur Urnenabstimmung.

Bürgerratspräsident ist stolz

Bleiben also auf der Ergolztal-Nordseite noch die drei Windräder auf Boden der Liestaler Bürgergemeinde. Entsprechend gross war das Aufatmen bei der EBL-Vertretung und dem Bürgerrat, der einstimmig hinter der Windkraftnutzung am Schleifenberg steht, als sich die Liestaler Bürger nach kurzer, eher kritischer Diskussion überraschend klar hinter das Vorhaben stellten: Sie sagten mit 55 zu 6 Stimmen Ja zum Grundsatzentscheid, dass auf Bürgerland nördlich des Aussichtsturms Windkraftanlagen erstellt werden dürfen.

Und noch deutlicher mit 55 zu 3 Stimmen erteilten sie dem Bürgerrat die Kompetenz, mit der EBL einen Standortvertrag und später einen Baurechtsvertrag abzuschliessen. Bürgerratspräsident Peter Siegrist quittierte das mit den Worten: «Es gibt noch viele Hürden, und Euphorie ist fehl am Platz. Doch ich bin stolz auf die Bürgergemeinde Liestal.»

Zur nächsten Hürde: Die EBL will nun im November im Gebiet einen 80 Meter hohen Windmess-Masten aufstellen, und die Windwerte bis im Frühjahr 2017 detailliert ermitteln. Erweist sich der Wind als stark genug, braucht es eine Zonenplanänderung, die den Einwohnerrat und bei einem allfälligen Referendum eine Volksabstimmung passieren muss. Für die vier Windanlagen in Liestal und Füllinsdorf budgetiert die EBL insgesamt 33 Millionen Franken.

Doch gebaut werde nur, wenn über die Anlagen-Laufzeit von rund 30 Jahren eine Rentabilität von vier bis fünf Prozent erzielt werde, betonte Steiner. Aber auch wenn alles stimmt, vergehen noch ein paar Jahre, bis das erste Windrad in Liestal dreht. Als Minimalzeit für die Errichtung einer Windanlage bezeichnet Strohmaier vier Jahre, je nach Einsprachen könne es aber auch über zehn Jahre dauern.

Nicht so weit wie in Liestal ist die EBL mit ihren weiteren Windkraft-Planungen. Das Projekt in Reigoldswil-Ziefen befindet sich noch in den Startlöchern, zu jenem in Itingen-Zunzgen ist letzte Woche ein Gutachten fertig erstellt worden. Laut Strohmaier muss nun nachgerechnet werden, ob genug Wind vorhanden ist.

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