Restaurant-Tester

Bumann warten lassen – keine gute Idee: Der TV-Restauranttester wird von einem Buusner Paar arg versetzt

Der Restaurant-Tester von «3+» prüft ein Caterer-Paar aus Buus auf Herz und Nieren. Schon beim ersten Besuch läuft einiges schief. Ihr Kapitalfehler war: Sie haben den Ort des Geschehens nicht vorher inspiziert und hatten keine Decken dabei. So mussten die geladenen Gäste ziemlich frieren.

Eishalle Sissach, kurz vor 19 Uhr. Das Essen sollte längst da sein, schon seit fast einer halben Stunde. Doch nichts rührt sich in der Halle an diesem Montagabend – und auch nicht davor: kein Catering-Service in Sicht. Nur Regen und Dunkelheit.

Daniel Bumann und Daniel Stocker versuchen es noch einmal. Stocker, der das Essen bestellt hat, nimmt sein iPhone hervor, wählt abermals die Nummer von Bambus Catering aus Buus, stellt den Lautsprecher an. Wieder die Combox. Wieder nichts. «Gopfärtelli», entfährt es Bumann in schönstem Walliserdeutsch. Der Restaurant-Tester wird ungeduldig. «Die haben ihr Lehrgeld schon bezahlt», sagt er. «Aber es ist gar nicht so schlecht, wenns nicht ideal läuft. Dafür bin ich ja da: Zeigen, was zu verbessern ist.» Zu lernen gibt es einiges an diesem Abend für die Inhaber von Bambus Catering. Noch ahnen sie aber nichts davon.

Seit über zehn Jahren testet Bumann für den Fernsehsender «3+» Restaurants, bei denen es im Gebälk ächzt. 82 Küchen inspizierte der Sternekoch und Kochbuchautor bisher. Tränen gab es häufig, in mancher Folge flogen Teller durch die Luft – einmal sogar Stühle. Doch nicht selten hilft Bumann seinen Berufskollegen aus der Patsche, ist die letzte Rettung.

Bumann testet die Buuser Caterer – als Erstes kommen sie zu spät

Bumann testet die Buuser Caterer – als Erstes kommen sie zu spät

Die Sissacher Curler dienten nur als Lockvögel

Wird ein Betrieb ausgewählt, der sich für «Bumann der Restauranttester» angemeldet hat, schaut der 60-jährige Walliser vorbei – nur wissen die Wirte nicht, wann. Das ist meist die schönste Szene jeder Folge: Der Gesichtsausdruck des Wirtes, wenn plötzlich der Restauranttester vor ihnen steht, leibhaftig, nicht im TV. Wenn Bumann die halbe Karte bestellt. Wenn die Speisen auf dem Tisch stehen und nichts beschönigt werden kann: keine lauwarme Suppe, keine latschige Pizza, keine Penne, die so weich ist, dass man sie aus der Schnabeltasse trinken könnte.

Für die Folge in Sissach musste eine Tarnung her. Lieferdienste besitzen selten ein eigenes Lokal, das man spontan besuchen kann. Als Lockvogel diente Daniel Stocker, Coach beim Curling-Team Bern Wagenseil, ein Freund des Ehepaars Bumann. Der Sissacher, gelernter Koch, heute Küchenplaner, bestellte beim Catering- und Partyservice Bambus für Montagabend ein Buffet. Der Auftrag: indonesische Speisen, für 20 bis 25 Curler, mit Dessert und Wein, Eishalle Sissach, Eintreffen: 18.30 Uhr.

Krabbenchips, vegetarische Frühlingsrollen und Windbeutel

Es ist 19 Uhr, noch immer lässt das Essen auf sich warten. Bumann steigt zu den Curlern aufs Eis, lässt einen Stein flitzen. Plötzlich Aufregung beim Kamerateam. Ein weisser Volvo-Kombi sei vor der Halle vorgefahren. Das könnten sie sein. Ein paar Minuten später laufen sie ein, Claudia und Matthias Blauenstein, bestellt auf 18.30 Uhr, eingetroffen fast eine Dreiviertelstunde später, beladen mit Gläserkartons, einem Reiskocher und metallenen Wärmebehältern. «Jo, das glaubi jo nid!», sagt Claudia Blauenstein, als sie Bumann erblickt. Ihr Mann Matthias behauptet, er habe es geahnt: «Der Typ, der bestellt hat, der wollte alles ganz präzis wissen. Das war seltsam.»

Als erstes müssen sie sich erklären. Warum die Verspätung? Der Wagen sei nicht angesprungen. Danach geht es Schlag auf Schlag. Um 20.11 Uhr hat das Warten ein Ende: Die ersten Gäste türmen sich die Teller voll. Es gibt Reis, Lachs, Nudeln mit Gemüse, vegetarische Frühlingsrollen, eine Currysauce und Rendang, das indonesische Nationalgericht: würziges Rindsragout mit Kokosmilch. Dazu Krabbenchips als Vorspeise, und zum Dessert Windbeutel. Bumann prüft die Speisen penibel, spricht seine Bewertung in die Kamera. Sie fällt gut aus. Die Note für das Caterer-Paar jedoch ist weniger schmeichelhaft.

Die Gäste frieren in der Eishalle. Das müsste nicht sein

«Das war ganz klar ungenügend», sagt Bumann in die Linse. Auftrag nicht gelungen. Aber das Wichtigste stimme: das Essen. «Geschmacklich war es wunderbar!» Darauf können sich die Blauen-steins, die früher das Restaurant Bambus in Rheinfelden führten, etwas einbilden. Daniel und Ingrid Bumann schlossen zwar 2017 ihr Restaurant Chesa Pirani in La Punt bei St. Moritz, weil die Pacht auslief. Doch das Wirtepaar hatte sich 18 Gault-Millau-Punkte und zwei Michelin-Sterne erkocht.

Der Kardinalfehler der «Bambus»-Gastronomen, die nicht nur catern, sondern auch das DAB-Radio «Multi Kulti» betreiben: Sie verzichteten darauf, sich den Ort zuvor anzuschauen. Darum wussten die Blauensteins nicht, ob und wo es Steckdosen hat. Oder, dass es in der Eishalle wahnsinnig kalt ist. «Sie hätten sonst Heizstrahler mitgebracht», sagt Bumann. «Oder wenigstens Decken.»

Um 21 Uhr ist der Anlass zu Ende. Fürs TV-Team geht es am nächsten Tag weiter. Ein Besuch in der Küche der Caterer steht an und ein Crashkurs. Dann erhalten die Blauensteins eine neue Chance, mit Apéro Nummer zwei. Dieses Mal mit Vorwarnung.
Die Entschuldigung, das Auto sei nicht angesprungen, gilt nicht mehr.

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