Vorwürfe

Buuser Wirt schiesst scharf gegen Gysin

Hans Rudolf Gysin soll Gelder falsch verwendet haben. zvg

Hans Rudolf Gysin soll Gelder falsch verwendet haben. zvg

Gastronom Peter Staub legt sich mit Wirtschaftskammer-Direktor Hans Rudolf Gysin an. Er wirft ihm Veruntreuung und Amtsmissbrauch vor. Der verwahrt sich dagegen in aller Form.

Es bleibt offen, ob es sich im folgenden Fall um berechtigte Vorwürfe gegen einen Wirtschaftsvertreter oder um Krawall eines frustrierten Selbstständigen handelt. Hans Rudolf Gysin hört die Vorwürfe gegen sich jedenfalls nicht zum ersten Mal: «Es passiert öfter, dass gewisse Leute die Medien instrumentalisieren.» Dabei dementiert der FDP-Nationalrat und Direktor der Wirtschaftskammer (Wika) die Vorwürfe von Veruntreuung und Amtsmissbrauch gegenüber der bz «in aller Form»: «Es stimmt nicht, dass ich Wika-Gelder für meine eigenen parteipolitischen Arbeiten verwende.»

Genau das wirft ihm aber Peter Staub, Buuser Gastronom und Mitglied im Verband Gastro-Baselland, vor und beantragt deshalb an der kommenden Verbandsversammlung am 13.April den Austritt von Gastro-Baselland aus der Wika. «Es kann nicht sein, dass unsere Mitgliederbeiträge dazu verwendet werden, einseitig und ohne Rückfrage der FDP zu Dienste zu sein», schreibt Staub in seinem Antrag an den Vorstand, welcher der bz vorliegt. Staub nimmt dabei kein Blatt vor den Mund: Der «greise Kapitän der Wirtschaftskammer» könne seine verschiedenen Geschäftsbereiche nicht mehr voneinander trennen.

Harsche Worte in der Öffentlichkeit, die Staub gegenüber der bz mit folgendem Vorfall rechtfertigt: Mitte März habe er als BDP-Mitglied eine persönliche Einladung von Herrn Gysin «an alle Mitglieder der FDP Baselland» zu einem «Bericht aus Bern und Liestal» mit FDP-Granden aus Liestal und Zürich erhalten, geschrieben auf Nationalratspapier, versehen aber mit einem bereits frankierten Antwortkuvert an die Wirtschaftskammer Baselland. Für Staub ist damit klar: «Offensichtlich werden Material und Personal der Wirtschaftskammer zu parteiinternen Arbeiten herangezogen.» Diese Arbeiten müssten sich nicht mit denen der GastroBaselland decken, folgert Staub in seinem Antrag.

Staub selbst sagt, er habe Gysin bereits vor drei Jahrzehnten auf diesen Interessenkonflikt hingewiesen. Damals war Staub nach eigener Aussage noch Mitglied des Sanitär-, Spengler- und Installateurverbandes. Gysin sei damals im Verband Gastredner gewesen und habe nach Staubs Vorwürfen den erfolglosen Antrag gestellt, den Kritiker aus dem Verband auszuschliessen. Seither hätten sich die beiden noch drei- bis viermal getroffen.

Gysin gibt sich überrascht von diesen Vorwürfen. Er erinnere sich nicht an Staub oder den angeblichen Vorfall vor drei Jahrzehnten. «Ich haben diesen Vorfall intern in der Wirtschaftskammer mit viel Aufwand abklären lassen, aber weder konnte sich einer meiner Mitarbeitenden daran erinnern, noch brachte der Gang ins Archiv etwas», erklärt der FDP-Nationalrat.

Porto ist «kein Problem»

Das Porto für die wenigen nicht-elektronischen Rückantworten habe die Wika, oder genauer gesagt das Haus der Wirtschaft, bezahlt, wie von Staub behauptet. In diesen 30 Franken sieht Gysin aber kein Problem: Die Veranstaltung hätten er und FDP-Gönner aus eigener Tasche bezahlt, auch das Porto für die Einladung an sich. Wahr sei auch, dass die Wika ihre Infrastrukturen für Veranstaltungen von Parteien zur Verfügung stelle, wenn sie «im weitesten Sinne im Interesse der Wirtschaft» seien. Das seien oft Veranstaltungen der FDP, aber auch der SVP, CVP
oder anderer bürgerlicher Parteien, die dem selbstständigen Mittelstand nahestünden.

In all dem kann Gysin keinen Interessenkonflikt erkennen: «Ich habe einen Vertrag mit der Wika, in dem meine Aufgaben und Kompetenzen geregelt sind. Eine halbe Stelle meines persönlichen Mitarbeiters zahle ich aus meinen Einkünften als Nationalrat.» Staub sei noch nicht lang Mitglied bei Gastro-Baselland; die FDP-Einladung habe er als Abonnent der Parteizeitschrift «Baselbieter Post» bekommen. Vermutlich gehe es Staub um Reklame für sein Restaurant: Die «Instrumentalisierung eines Mediums» sei billiger als eine Anzeige im selbigen.

Ausserdem ist Ehrenmitglied Gysin «ganz sicher», dass Gastro-Baselland nicht aus der Wika austreten werde: «Wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit.» Staub will den Entscheid der Mehrheit akzeptieren, möchte aber wissen, wo das Geld hinfliesst: «Die Mitglieder sollen die Wahl haben: Wollen wir das so oder nicht?» Nun wird sich am 13. April also zeigen, was die anderen Gastronomen denken; bis dahin bleibt es spannend. Der Gastro-Vorstand gibt sich bedeckt: Der Vorstand werde interne Gespräche führen, sich bis zur Generalversammlung aber nicht öffentlich äussern, teilt Geschäftsführer Bruno Gruber auf Anfrage mit.

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