Allschwil

BVB lässt Rollatorfahrer stehen: Senioren leiden unter veralteten Trams

Die Altfahrzeuge stellen für Eugen Stebler eine Herausforderung dar.

Die Altfahrzeuge stellen für Eugen Stebler eine Herausforderung dar.

Nach Allschwil fahren überdurchschnittlich viele veraltete Trams. Darunter leiden die Senioren.

Bereits 35 Jahre wohnt Eugen Stebler (87) in der Nähe des Lindenplatzes in Allschwil. Er nutzt regelmässig die Tramlinie 6. Erstmals überhaupt überlegt er sich nun, für das kommende Jahr kein U-Abo mehr zu lösen. Der Grund: Er ist enttäuscht von den Basler Verkehrsbetrieben (BVB).

Er habe feststellen müssen, dass seit rund einem halben Jahr vermehrt alte Trams auf der Linie 6 fahren. Für ihn, der seit einem Schlaganfall vor zwei Jahren auf einen Rollator angewiesen ist, ist das ein kleines Drama. «In den alten Trams ist der Niederflurbereich sehr beschränkt. Wenn dort schon zwei Kinderwagen und eine Person mit Rollator stehen, gibt es ein riesiges Chaos», sagt Stebler. Es sei schon ein paar Mal vorgekommen, dass er deshalb nicht einsteigen konnte und auf das nächste, neuere Tram warten musste. Immer wieder habe er mit anderen Betroffenen gesprochen, die ebenfalls unter dieser Situation leiden. «Die meisten lassen es aber einfach so über sich ergehen und trauen sich nicht, etwas zu sagen», so Stebler. Deshalb beschloss er, sich direkt an die BVB zu wenden.

Alte Trams dürfen nicht ins Ausland fahren

Zweimal habe er beim Kundendienst angerufen, um in Erfahrung zu bringen, was der Grund für die zahlreichen alten Trams auf der Linie 6 sei. «Eine richtige Antwort konnte mir dort aber niemand geben.» Auf die Situation angesprochen, erklärt die BVB-Mediensprecherin Sonja Körkel: «Es gibt nur sehr wenige Linien, auf denen wir Altfahrzeuge einsetzen können. Die Linie 6 ist eine davon.» Auf der Linie 1/14 beispielsweise würden wegen des Schänzlitunnels aus Sicherheitsgründen nur neue Trams fahren. Auf den Linien 3 und 8 nach Frankreich und Deutschland dürfen die alten Trams nicht fahren. Für die Linie 3 nach Saint-Louis sind nur Flexitys zugelassen, für die Linie 8 nach Weil am Rhein nur Combinos und Flexitys. Auf der Linie 2 können prinzipiell ebenfalls Altfahrzeuge eingesetzt werden. Bis zum Ende der Arbeiten am Parking Kunstmuseum verkehren auf dieser Linie mit wenigen Ausnahmen aber ebenfalls nur neue Fahrzeuge.

Erst 2024 sind alle alten Trams weg

«Diese Situation ist natürlich nicht optimal», sagt Körkel. «Generell versuchen wir, die neusten Trams auf den Schienen zu haben. Allerdings gibt es durch anstehende Reparaturen immer wieder Engpässe, sodass wir mehr Altfahrzeuge einsetzen müssen.» Eine zeitnahe Verbesserung der Situation wird voraussichtlich nicht eintreffen. Die alten Trams werden erst 2024 endgültig abgeschafft. Bis dahin müssen Stebler und andere mobilitätseingeschränkte Personen wohl weiterhin ab und an ein Tram auslassen und auf ein Fahrzeug mit mehr Platz im Niederflurbereich hoffen.

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