Schlechter Ruf

CABB ist Lieferant von Chemikalien und Negativschlagzeilen

Unfälle wie dieser im September 2010 machen die CABB AG in Pratteln suspekt.

Unfälle wie dieser im September 2010 machen die CABB AG in Pratteln suspekt.

In der Vergangenheit stand Cabb nicht nur wegen der zahlreichen Havarien in der Kritik. Auch das Verfahren der Quecksilber-Elektrolyse, welches die Firma lang anwendete, ist verpönt.

«Unserer Verantwortung als Teil der chemischen Industrie sind wir uns bewusst. Deshalb gehen wir, was Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit betrifft, keine Kompromisse ein.» Der Selbstbeschrieb des Weltmarktführers in der Herstellung von Monochloressigsäure deckt sich indes immer weniger mit der öffentlichen Wahrnehmung. Es gibt derzeit kaum ein anderes Unternehmen in der Region Basel, dessen Ruf so stark ramponiert ist wie jener von Cabb in Schweizerhalle.

Da kann Konzern-CEO Peter Vanacker noch lange darauf verweisen, dass bei Cabb die Unfallrate mit 0,4 pro 200 000 Arbeitsstunden weit unter dem europäischen Chemie-Branchenschnitt von 0,8 liege. In der Öffentlichkeit wird der Ableger der internationalen CABB Group trotzdem zuallererst mit jener Serie von Unfällen und Zwischenfällen in Verbindung gebracht, die gestern und vorgestern ihre unrühmliche Fortsetzung gefunden hat.

Das liegt bis zu einem gewissen Grad in der Natur der Sache. So hält der Baselbieter Sicherheitsinspektor Gregor Pfister die chemische Produktion für einen der sichersten Industriezweige der Schweiz. Allerdings reagiert die Bevölkerung auf Unfälle in der Chemischen Industrie weitaus empfindlicher als auf vergleichbare Vorfälle in anderen Branchen. Gerade in der Region Basel ist seit der Sandoz-Katastrophe vor 30 Jahren diese Wahrnehmung besonders geschärft; vor allem dann, wenn gefährliche Gase und unangenehme Gerüche in die Umwelt entweichen.

Experten bezeichnen die Chemische Produktion ohne ein gewisses Mass an Restrisiko als unmöglich. Am Standort Schweizerhalle stellt Cabb jährlich bis zu 600 000 Tonnen Feinchemikalien her, mit denen Endproduzenten im gesamten chemischen Sektor beliefert werden. Die von Cabb hergestellten Chemikalien bilden Bestandteile für Pflanzenschutzmittel, Arzneien und Kosmetika, Geschmacks- und Duftstoffe, aber auch für Vitamine und Reinigungsmittel. Am Standort in Pratteln beschäftigt der Konzern über 300 Mitarbeitende, insgesamt sind es rund 1000 Angestellte an fünf weiteren Produktionsstätten in Deutschland, Finnland, China und Indien. Der Hauptsitz liegt in Sulzbach/Frankfurt. Der Jahresumsatz der Gruppe wird auf rund eine halbe Milliarde Euro geschätzt.

Problem Quecksilber-Elektrolyse

Doch die Serie an Havarien ist nur ein Teil davon, weshalb Cabb in der Region als Problemfall wahrgenommen wird. Das lange Zeit angewandte Verfahren, Chlor und Natronlauge mittels hochgiftigem Quecksilber aus dem von der Saline Schweizerhalle gelieferten Kochsalz zu spalten, führte 2013 zu einer scharfen politischen Kontroverse zwischen den Baselbieter Grünen und der Wirtschaftskammer, welche die Kritik an der Quecksilber-Elektrolyse als unlauteren Angriff auf ein etabliertes Unternehmen wertete. Ebenso spielte Cabb zumindest zeitweise eine Rolle bei den massiven Geruchsbelästigungen, die seit 2014 immer wieder von der ARA Rhein ausgehen.

Nun ist immerhin die Frage der verpönten Quecksilber-Elektrolyse vom Tisch. Cabb löst das ab Ende 2017 verbotene Verfahren durch eine moderne Membran-Technologie ab, die ohne Quecksilber auskommt. Zu diesem Zweck hat Cabb 55 Millionen Franken in eine neue Anlage investiert. Der Gesamtumfang der Investitionen in den Standort Schweizerhalle nähert sich damit der 200-Millionen-Grenze. Doch gegen den schlechten Ruf in der Öffentlichkeit hilft dies herzlich wenig, solange die Unfallserie nicht endet.

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