Uni Basel

Campus in Liestal wäre eine Chance für alle Beteiligten

Das viel gepriesene Nervenzentrum Kollegiengebäude auf dem Petersplatz war vor allem eins: ein oft hoffnungslos überfülltes, altertümliches Ärgernis.

Das viel gepriesene Nervenzentrum Kollegiengebäude auf dem Petersplatz war vor allem eins: ein oft hoffnungslos überfülltes, altertümliches Ärgernis.

Die Universität Basel mag vieles sein, aber eines ist sie gewiss nicht: eine Einheit. In den eher zu vielen als zu wenigen Jahren als Student der Geisteswissenschaften habe ich ausserhalb meines angestammten Freundeskreises keinen einzigen angehenden Mediziner, Biologen oder Juristen kennen gelernt.

Zu isoliert und verstreut lagen die Institute, als dass sich ein fakultätsübergreifender Austausch hätte ergeben können. Und das viel gepriesene Nervenzentrum Kollegiengebäude auf dem Petersplatz war vor allem eins: ein oft hoffnungslos überfülltes, altertümliches Ärgernis. Das war vor gut 20 Jahren.

Es geht um Verlustängste

Doch es geht um Verlustängste, was die teilweise heftigen Reaktionen in Basel erklärt, nachdem die bz zu Beginn dieser Woche über die Umzugspläne einzelner Uni-Departemente nach Liestal berichtet hat. Dass da in der Abwehrargumentation der Ist-Zustand idealisiert und jegliche Veränderungen als unzumutbar taxiert werden, liegt auf der Hand. All den jetzigen und künftigen Jus- und Wirtschaftsstudenten, die an der ach so pulsierenden Nauenstrasse von der Schreckensvision eines Umzugs in die trostlose Provinzwüste erschüttert werden, sei gesagt: Am Liestaler Bahnhofplatz würden sie in Rufweite zwei Grossverteiler, vier Imbisse und Restaurants, ein Fitnesscenter, ein Kino, ein Kulturhaus, eine Buchhandlung, eine Post, einen Grosskiosk, eine Kantonsbibliothek samt Café, ein Staatsarchiv und ein Kantonsgericht für juristischen Anschauungsunterricht vorfinden; Stand heute, Aufzählung nicht abschliessend, weitere Angebote im geplanten grossen Bahnhofneubau noch nicht berücksichtigt. Besonders mutige Baslerinnen und Basler, die sich in die unbekannte Baselbieter Hauptstadt verirren, entdecken entzückt, dass sie selbst an Samstagen im Fielmann und Swisscom-Shop einkaufen können, ohne ewig anstehen zu müssen.

Doch die Gegenargumentation mit der «Provinz» ist ohnehin nur Folklore. Bedenklicher sind Aussagen wie «Baselland soll sich zuerst finanziell richtig an der Uni beteiligen, ehe die vom Land irgendwelche Forderungen stellen können». Offenbar ist die gemeinsame Trägerschaft samt paritätischer Mitfinanzierung nach bald einem Jahrzehnt noch immer nicht im breiten Bevölkerungsbewusstsein verankert. Selbst der von Liestals Stadtpräsident Lukas Ott angeführte Umkehrschluss, dass mit dem Umzug bedeutender Departemente nach Baselland den permanent Uni-kritischen Baselbieter Kreisen endlich der Boden entzogen werden könnte und sich diese zwangsläufig hinter die gemeinsame Uni-Trägerschaft scharen müssten, ist nicht entscheidend.

Ein neuer Partner für die Uni

Wesentlich ist, dass mit der Stadt Liestal ein neuer Partner bereit steht, der einen Uni-Campus wirklich will und verkehrstechnisch bestens erschlossenen Platz zur Ansiedlung modernster Infrastruktur bietet. Selbstverständlich ist das nicht, und wird es künftig immer weniger sein. Auf den immer knapper werdenden Entwicklungsarealen sind vor allem hoch rentable Wirtschaftsunternehmen gefragt, wozu einzelne Universitätsfakultäten gewiss nicht gehören. Kaum ins Gewicht fällt auch die Wertschöpfung durch den einzelnen Studierenden. Die Universität Zürich rechnet mit Kosten von rund drei Milliarden Franken, um die ausgelagerten Standorte wieder an einer zentralen Lage in der Stadt zusammenzuführen. Es ist zumindest denkbar, dass auch in der Stadt Basel bei rückläufigen Steuererträgen der Druck auf die Universität steigen wird, Standorte an bester Lage für ertragreiche Wohn- oder Büronutzungen freizugeben. Im Fall der Juristischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät wäre dies der einst ohnehin als Bürofläche konzipierte Peter Merian/Jacob Burckhardt-Komplex neben dem Bahnhof SBB. Die Dezentralisierung auf mehrere eigenständige, dafür hochmoderne Campus-Areale wie das Schällemätteli wird daher eher Zukunfts- als Auslaufmodell sein.

Ob jemals auf einem Liestaler Uni-Campus Studierende ein- und ausgehen werden, steht in den Sternen. Es wäre aber fahrlässig, die Verlagerungsdiskussion nicht als das zu führen, was sie ist: eine Chance für alle, wirklich alle Beteiligten. Bliebe noch ein Haken. Schmettern die Baselbieter Stimmberechtigten am 5. Juni den Beitrag zur Pensionskassen-Sanierung der Uni ab, sind solcherlei Umzugspläne ohnehin nur Makulatur.

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