Eidgenössisches

Chance für Schwingfest in Aesch bei «unter 50 Prozent»

Dass es 2022 auf den Äckern in Aesch so aussieht wie vor drei Jahren in Burgdorf, ist je länger, je unwahrscheinlicher. Dies lasten Kritiker dem Vorgehen des Baselbieter Schwingerpräsidenten Urs Lanz an.

Dass es 2022 auf den Äckern in Aesch so aussieht wie vor drei Jahren in Burgdorf, ist je länger, je unwahrscheinlicher. Dies lasten Kritiker dem Vorgehen des Baselbieter Schwingerpräsidenten Urs Lanz an.

Es rumort im Basellandschaftlichen Kantonal-Schwingerverband (BLKSV): Die Pressesprecherin des Vorstands, Anita Biedert, steht mit ihrer Kritik am Vorgehen des Präsidenten, Urs Lanz, nicht alleine da.

Die Nerven im Vorstand des Basellandschaftlichen Kantonal-Schwingerverbands (BLKSV) liegen blank: Pressechefin Anita Biedert kritisiert den Präsidenten Urs Lanz massiv. Und dieser hat gemäss Protokollführerin Christine Brügger die Vorstandsmitglieder angewiesen, nach aussen hin Ruhe zu bewahren.

Die Nervosität ist begründet: Der BLKSV und der Schwingerverband Basel-Stadt müssen sich bald entscheiden: Können sie 2022 das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (Esaf 2022) gemeinsam durchführen oder nicht? Am gemeinsamen Wunsch und am Willen würde es nicht fehlen, denn die Schwinger beider Basel haben Nachwuchssorgen, und ein gelungener Grossanlass würde die Attraktivität ihres Sports steigern.

Falls die beiden Kantonalverbände einen Anlass mit rund einer Viertelmillion Besuchern nicht organisieren können, müsste der Nordwestschweizerische Schwingerverband genug Zeit haben, Alternativen zu prüfen. Turnusgemäss käme erst der Kanton Solothurn, dann der Aargau infrage. Die Abgeordnetenversammlung des Eidgenössischen Schwingerverbands (ESV) – das nationale Schwingerparlament – wird dann am 3. März 2018 beschliessen, ob das Fest vom Nordwestschweizerischen Schwingerverband organisiert wird. Zusammengefasst heisst das: Die beiden Basler Verbände müssten bald einmal eine valable Kandidatur präsentieren, sonst bleibt den nachrangig infrage kommenden Kantonen zu wenig Zeit, ihrerseits ein Projekt aufzugleisen.

Ohne Boden kein Fest

Was im BLKSV bisher vorliegt, ist eine Machbarkeitsstudie: Ein Schwingfest in Aesch Nord wäre möglich. Doch in aller Deutlichkeit sagen die Bauern, dass sie ihr Land dafür nicht zur Verfügung stellen. «Also kann man dort kein Schwingfest durchführen», bedauert Biedert, die ein «Eidgenössisches» im Baselbiet «den Hammer» fände. Einer ihrer Kritikpunkte an Lanz: Er habe den Kontakt zu den Landwirten nicht gesucht.

Willi Wenger, Ehrenmitglied des BLKSV, präzisiert: «Wenn der Verband am 4. Juni einen eingeschriebenen Brief von den Bauern bekommt und darauf nicht reagiert, dann ist das schlechter Stil und unanständig.» Auch Wenger betont: «Wenn wir das das Land nicht haben, gibt es in Aesch kein Schwingfest, selbst wenn gemäss Machbarkeitsstudie alle anderen Aspekte geklärt sind.»

Zwar seien die Machbarkeitsstudie (die bz berichtete) sowie weiterführende Schritte für die Generalversammlung des BLKSV vom 25. November traktandiert. Der Entscheid, Schwingfest Ja oder Nein, habe die Generalsversammlung ja noch nicht gefällt. Man habe erst die Machbarkeitsstudie beschlossen. Doch selbst wenn die Bauern von ihrer Position abrücken würden, ist Wenger skeptisch, ob sich wichtige Fragen wie Organisationskomitee, Finanzierung, Sponsoren etc. in nützlicher Frist klären lassen.

Situation «verkachelt»

René Girod, Ehrenmitglied des Schwingklubs Muttenz, hat von Lanz’ Redeverbot für die Vorstandsmitglieder gehört. Er findet es falsch, «dass der Präsident alles auf seine Kappe macht. Auch an der Sissacher Bezirksversammlung wurde gefragt: Warum vernehmen wir nichts?»

Wolfgang Rytz, Redaktor der in Luzern erscheinenden Schwingerzeitung «Schlussgang», kommt aus einer externen Perspektive zum Schluss: «Urs Lanz hat sich vergaloppiert, die Situation ist verkachelt.» Eine Möglichkeit, das Fest in Aesch zu retten, sieht er höchstens dann, wenn es Baselbieter Prominenz gelänge, bei den Bauern das Eis zu brechen. «Es ist schwierig zu verhandeln, wenn die andere Seite gar nicht verhandeln will.» Die Chance, dass das Schwingfest in Aesch doch noch zustande kommt, schätzt er auf «deutlich weniger als 50 Prozent.»

Damit dürfte als Austragungsort St. Jakob stärker in den Vordergrund rücken: Schliesslich sind Basel und das Baselbiet nur alle 45 Jahre an der Reihe, ein Esaf durchzuführen. Eine Weitergabe an einen anderen Kanton im Nordwestschweizer Verband wäre ein unerwünschtes Szenario: «Wichtig ist, dass das Fest nicht ennet dem Bözberg stattfindet», betont Raymond Stalder, Vizepräsident des Schwingerverbands Basel-Stadt.

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