Öffentlicher Verkehr

Chauffeure der Autobus AG sind muff auf ihre Chefs

Zumindest ein Teil der Busfahrer sind mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden.

Zumindest ein Teil der Busfahrer sind mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden.

Kommt neben dem Krach mit dem Kanton nun noch ein Arbeitskonflikt auf die AAGL zu?

Die Schilderung erinnert an den Zorn der Fahrer der Basler Verkehrsbetriebe vom vergangenen Sommer: Bei der Autobus AG Liestal (AAGL) würden die Fahrer unter den langen Schichten leiden, im kommenden Jahr werde es noch schlimmer: 14-Stunden-Schichten, und zwischen dem Arbeits-Ende am Abend und dem Beginn am nächsten Morgen seien 9 Stunden einfach zu kurz, um sich zu erholen. Viele würden sich deshalb krank melden, was bei den anderen zu über 100 Überstunden führe. Etliche würden die Firma verlassen: Sie möchten unter diesem Betriebsleiter nicht mehr arbeiten.

Vor dem Hintergrund, dass gemäss «Tageswoche» von vier befragten AAGL-Fahrern sich alle wünschen, dass die Baselland Transport AG (BLT) die AAGL übernehmen solle, «weil die Bürokratie stark zugenommen habe», klingt die anonyme Schilderung plausibel genug, der Sache nachzugehen. Ein ehemaliger AAGL-Fahrer bestätigt die Kritik in einigen Punkten, und weitere – allerdings firmen-externe Quellen – haben den Unmut unter den Fahrern ebenfalls mitbekommen.

«Die Belastung hat zugenommen», bestätigt Geschäftsführer Roman Stingelin. Der Grund seien zunehmende Staus und Spardruck. Trotzdem liege die Zahl der Kranken auf dem tiefsten Stand seit Jahren.

Zur Kritik an den Überzeiten erklärt er, während der Sommermonate wachse der Überstundensaldo, dies, weil der Fahrplan trotz Ferienabsenzen gefahren werden müsse. Im Winter werde dieser Saldo wieder abgebaut. 2014 seien es 60 Stunden gewesen, 2015 deren 12. Aktuell hätten die Fahrer im Schnitt 70 Überstunden auf dem Konto. Davon müsse man abziehen, dass man in der AAGL vereinbart habe, dass jeder für die Pensionskassensanierung anstelle von Lohnabzügen täglich 10 Minuten länger arbeite. Diese Zeit sei noch nicht vollständig vom Überstundenkonto abgebucht.

Komplexer Dienstplan

Betriebsleiter Martin Höner erläutert das Dienstplan-Meccano: Die Fahrpläne sind zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich dicht. Also benötigt man nicht den ganzen Tag hindurch gleich viele Fahrer. Hinzu kommen die gesetzlichen Vorschriften, wann welche Pausen einzuhalten sind. Dies führe in der ganzen öV-Branche dazu, dass die Fahrer Schichten haben, die länger sind als die eigentliche Arbeitszeit, in der sie am Steuer sitzen.

Lange Zwangspausen

Ein Chauffeur, der in der Nähe wohnt, kann in den Pausen nach Hause. Für jene, die weiter weg wohnen, wirken sich die Pausen aber oft als unfruchtbare Wartezeit aus: Man ist lange nicht daheim, kann aber nur wenige Arbeitsstunden aufschreiben.

Innerhalb dieses Rahmens gebe es verschiedene Möglichkeiten, erklärt Höner. «Aufgrund von Diskussionen und Abstimmungen in der Belegschaft wissen wir, dass die Mehrheit lange und möglichst dichte Dienste vorzieht.» So gelinge es, die 42 Wochen-Arbeitsstunden in fünf Schichten unterzubringen. «Die Fünftagewoche ist ausdrücklich erwünscht.» Hinzu komme der Wunsch der Fahrer, nach freien Tagen mit einer Spätschicht anzufangen und am letzten Tag vor den freien Tagen möglichst früh aufzuhören, also eine Frühschicht zu übernehmen. Die Chauffeure hätten deshalb diesen Sommer per Abstimmung entschieden, Übergänge von nur
9 Stunden zu akzeptieren. Sowohl
14-Stundenschichten als auch Kurznächte kommen also vor. «Beides ist gemäss Arbeitszeitgesetz nur einmal pro Woche erlaubt. Eine Software überwacht, dass dies bei keinem Fahrer überschritten wird», erklärt Höner. Die Kritik an seiner Person erklärt er damit, dass die Fahrer enger begleitet würden. Das passe nicht allen.

Die zuständige Sekretärin der Gewerkschaft VPOD ist derzeit in den Ferien. Sie könne die Kritik weder bestätigen, noch ihr widersprechen. Bis Anfang Woche habe sich in dieser Sache niemand an sie gewandt.

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