Der tragische Unfall ist inzwischen mehr als sechs Jahre her: Im Mai 2011 stürzte ein 25-jähriger Gerüstbauer in Laufen 9,5 Meter in die Tiefe und verstarb noch an Ort und Stelle. Er ist damals auf der Baustelle über ein Eternitdach spaziert, die Eternitplatten brachen unter der Last. Eigentlich hätten die Bauarbeiter diesen «Weg» gar nicht benutzen dürfen.

Das Verfahren blieb bei der Baselbieter Staatsanwaltschaft lange liegen, im August 2016 schliesslich verurteilte das Strafgericht in Muttenz den Chef der Gerüstbaufirma sowie einen Vorarbeiter wegen fahrlässiger Tötung. Beide Männer zogen das Urteil weiter, doch das Kantonsgericht in Liestal wies gestern die Berufung ab und bestätigte die Schuldsprüche. Beide Männer erhielten eine bedingte Geldstrafe von 160 Tagessätzen.

Die Konstellation an jenem Tag im Jahr 2011 war ungewöhnlich: Der Verunfallte war einige Wochen zuvor bei einer Begehung dabei, wo der korrekte Weg durch das Innere des Gebäudes vom Firmenchef instruiert worden war. Ein 41-jähriger Chefmonteur war allerdings bei jener Begehung nicht dabei, er übernahm später die Leitung der Baustelle und war damit am Unfalltag für die Sicherheit verantwortlich. Auch er spazierte dabei folgenlos über das Dach.

Der Weg über die Eternitplatten war der kürzeste Weg zwischen zwei Gerüsten. Ob der reguläre Weg durch das Gebäude wegen einer fehlenden Leiter versperrt war, liess sich nach all den Jahren nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Die drei Richter kamen unabhängig davon zum Schluss, dass beide Vorgesetzten den Weg über das Dach explizit hätten verbieten müssen.

«Es reicht nicht, wenn Sie die Arbeiter auf mögliche Gefahren hinweisen. Sie müssen es auch durchsetzen», begründete Gerichtspräsident Enrico Rosa gestern den Schuldspruch. Dass der 41-jährige Vorarbeiter nie eine formelle Ausbildung im Baubereich abgeschlossen hatte, sondern einfach derjenige mit der längsten Erfahrung von rund elf Jahren auf der Baustelle war, ändere daran nichts. Doch auch der 59-jährige Chef der Gerüstbaufirma sei mitschuldig, er habe es unterlassen, seinen Mitarbeitern auf der durch ein neues Gerüst veränderten Baustelle explizit zusätzliche Sicherheitsanweisungen zu erteilen. Es habe sich nicht um eine simple Baustelle gehandelt, sondern um eine komplexe, nicht einfach überschaubare Dachlandschaft.

Beim tödlich verunglückten 25-Jährige fand man deutliche Spuren von THC im Blut, er muss kurz vor dem Unfall gekifft haben. Rosa sagte dazu, dieses Fehlverhalten ändere nichts am Kausalverlauf. «Er war nicht wegen des Cannabis auf dem Dach», so Rosa.

100 000 Franken Genugtuung

Einzig bei den Zivilforderungen änderte das Kantonsgericht das Urteil: Die Partnerin des Verstorbenen erhielt ebenfalls eine Genugtuung von 35 000 Franken. Bereits das Strafgericht hatte dem inzwischen neunjährigen Sohn 30 000 Franken zugesprochen, den Eltern je 20 000 Franken. Beide Verurteilten haften solidarisch für diese Summen.

Der Chefmonteur und Vorarbeiter ist allerdings bereits über beide Ohren verschuldet, und die Gerüstbaufirma hatte damals keine Betriebshaftpflichtversicherung abgeschlossen. Damit bleiben die Forderungen wohl am Firmenchef hängen, er hatte angegeben, monatlich rund 10 000 Franken zu verdienen. Noch ist ein Weiterzug an das Bundesgericht möglich, dort können allerdings nur noch Rechtsfragen korrigiert oder eine völlig unhaltbare Beweiswürdigung gerügt werden.