Bruderholzspital

Chefarzt Hänggi: «Ein öffentliches Geheimnis, dass es auf der Chefetage brennt»

«Die Spitalleitung begreift nicht, was an der Basis – zu welcher ich mich auch zähle – abgeht», sagt David Hänggi, Chefarzt.

«Die Spitalleitung begreift nicht, was an der Basis – zu welcher ich mich auch zähle – abgeht», sagt David Hänggi, Chefarzt.

Der Chefarzt der Frauenklinik des Kantonsspitals Baselland hat diese Woche überraschend gekündigt. Jetzt spricht David Hänggi (47) mit der bz über seine Beweggründe, die persönlicher und beruflicher Natur seien.

Herr Hänggi, Sie haben völlig überraschend die Kündigung eingereicht. In der Medienmitteilung ist von «persönlichen Gründen» die Rede. Das zieht natürlich Spekulationen nach sich, in der Öffentlichkeit und bei den Mitarbeitern.

David Hänggi: Es handelt sich um persönliche, berufliche Gründe – detaillierter möchte ich diese in der Öffentlichkeit nicht darlegen, da meine sehr motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter dem bisherigen Stil der Berichte in der Tagespresse gelitten haben. Ich kann Ihnen versichern, dass weder familiäre noch gesundheitliche Themen Grund für meine Kündigung sind. Es ist, wenn man so will, ein öffentliches Geheimnis, dass es auf der Chefetage brennt. Ich bin ja auch nicht der erste Chefarzt, der seine Kündigung eingereicht hat, seitdem das Kantonsspital fusioniert wurde.

Ein Mitarbeiter hat gesagt, Sie seien «verheizt» worden: Wurde Ihnen zu viel zugemutet mit Ihrem neuen Amt als Chefarzt aller drei Häuser? Immerhin hatten Sie rosige Aussichten. Die Gynäkologie sollte das neue Steckenpferd des Kantonsspitals werden.

Ich würde nicht sagen, dass mir zu viel zugemutet wurde. Aber etwas verbindlichere und stärkere Unterstützung hätten geholfen, das Unmögliche möglich zu machen.

Gibt es Streit zwischen Ihnen und der Geschäftsleitung, allen voran Spital-CEO Heinz Schneider?

Zwischenmenschlich habe ich mit Herrn Schneider überhaupt keine Probleme. Heute habe ich zu meinem Erstaunen sogar in der Zeitung gelesen, dass ich zu seinen Lieblingen gezählt werde.

Sie halten sich zu Ihren persönlichen Beweggründen zurück. Anders gefragt: Was läuft falsch im Kantonsspital Baselland?

Die Spitalleitung begreift nicht, was an der Basis – zu welcher ich mich auch zähle – abgeht. Das Verständnis für die Mitarbeitenden fehlt grösstenteils. Die unter erschwerten Bedingungen erbrachten, hervorragenden Leistungen werden nicht adäquat gewürdigt.

Inwiefern hat dieses fehlende Verständnis für die Mitarbeiter einen Einfluss auf die Arbeitsbedingungen?

Es wird immer mehr Leistung mit immer weniger Personal gefordert.

Sie haben sicher schon Jobangebote bekommen, seitdem Ihre Kündigung publik wurde. Wohin werden Sie im Sommer wechseln? Zur direkten Konkurrenz, etwa dem Unispital in Basel?

Ich habe in der Tat schon einige Jobangebote erhalten. Angebote und Abwerbungs-Versuche haben mein Team und ich allerdings auch schon vor meiner Kündigung erhalten.

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